Ausgabe 
11 (30.11.1851) 48
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Segen über uns und unser Vaterland herabrufen:»Heil dem Volke, dessen Gott

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DaS Trappistenkloster zu Briquebec.

Das in Caen erscheinende JournalL'Ordre et la Libert6" veröffentlicht einenArtikel über das Trappistenkloster zu Briquebec im Arrondissement von ValogneS woraus wir folgende Stelle auSheben als Beweis der hohen Culturstufe, auf welcherdie Anstalten dieses Ordens stehen, und deS wohlthätigen Einflusses, den sie aufihre ganze Umgebung üben:

Zählet einmal, wenn ihr könnt, die Dienste, welche die verschiedenen Trap-pistenhäuser Frankreich erwiesen haben. Zählet einmal die urbar gemachten Ländereien,Sümpfe, Haiven, welche jetzt mit den herrlichsten Ernten prangen. Zählet die vonihnen gekleideten und genährten Armen, die von ihnen aufgenommenen und gepflegtenKranken, die von ihnen erzogenen, gekleideten und unterrichteten Waisen. Zu Brique-bec haben sämmtliche arme Kinder der ganzen Umgegend Aufnahme gefunden undgenießen da neben ihrem täglichen Brod zugleich Unterricht im Ackerbau und dasBeispiel in allen christlichen Tugenden, die allein im Stande sind, zum guten Bürgerzu machen. Alle Freitage kommen mehr als zwei Hundert Arme an die Klosterpforte,um da ihr Brod in Empfang zu nehmen, und nicht Einer geht mit leeren Händenweg. Ein Trappistenkloster ist ein ganzes Dorf, worin man den verschiedenstenHandwerkern begegnet. Neben dem Trappisten Ackerbauer findet man den TrappistenMüller, den Trappisten Zeugschmied, den Trappisten Schuhmacher, Zimmermann,Schreiner, Mechaniker. Und alle diese Männer arbeiten sieben, acht, neun und zehnStunden deS TageS. Lasset mich eS sagen, was sie seit fünfundzwanzig Jahren zuBriquebec geleistet haben, und ihr werdet sehen, welche Wunder der Glaube, dieLiebe zu Gott, und der Wunsch, den Nebenmenschen zu nützen, wirken kann. DerBoden, über welchem das Kloster sich erhebt, war 1824 noch mit Felsen, Dorn«Hecken und Sumpf bedeckt. Selbst zu Pferd wagte man sich nicht dahin wegen dertiefen Schlammpfützen, auf die man bei jedem Schritte stieß. Gegenwärtig sind Fel-der von hoher Fruchtbarkeit an deren Stelle getreten, die Felsen sind unter den frucht-baren Boden versenkt und die Sense deS Mähers bewegt sich ungehindert auf denin üppigem Grün prangenden Wiesen, die von jenen frommen OrdenSmännern sindangebauet worden. Geschickt vertheilte Canäle bewahren diesen Matten ihre Frische,während andere unterirdische Canäle, mehr als vier Fuß unter dem Boden, dieWasser der sumpfigen Strecken aufnehmen und sie in ein großes Bassin auSgießen,welches mehrere Mühlen speist. Ich sollte meinen, diese von den guten Trappisten-vätern, und zwar von ihnen allein, unternommenen und ausgeführten Arbeiten seyendoch wohl ein Beweis von beharrlicher und thätiger Einsicht und von einer tiefenKenntniß der Landwirthschaft. Besonders eine ihrer Mühlen erregt die Bewunderungder Besucher. ES ist das eine Windmühle mit einem neuen Mechanismus, von einemBruder erfunden und lediglich von Ordensleuten gebaut. Der Obertheil der Mühlehat einen Helm, der sich von selbst ohne weitere Beihilfe nach dem Winde dreht.Die Flügel haben 150 Fuß Durchmesser. Sie richten sich nach der Wirkung deSWindeS, d. h. sie öffnen sich mehr oder weniger, je nachdem der Wind mit geringereroder größerer Stärke weht. Derselbe Mechanismus faßt die Frucht, welche in eineVertiefung geschüttet worden, hebt sie in die Höhe, putzt sie und vertheilt sie auf dieMahlgänge, die sie in Mehl verwandeln. Dieses wundervolle Werk setzt in Staunen.Was aber ungleich mehr in Staunen setzt ist der Umstand, daß der geschickte Erfin-der dieses Mechanismus nicht die mindeste Kenntniß von den Regeln der Mechanikbesitzt; er hat dieselben errathen, ohne sie erlernt zu haben. Er versteht, wie alle seineBrüder, nur zu gehorchen, zu beten und zu arbeiten'.

Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.

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