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und nur in der Zurückgezogenheit des Klosters Schwarzach mehr eine Rettung fürsich erblickte. Noch ärgere Zeiten brachen aber über Bamberg unter Rodbert, Her-manns , von Heinrich IV. aufgedrungenem Nachfolger ein. Rodbert scheint nach dem,wie sich Lambert von Aschaffenburg über ihn ausdrückt, zu der verächtlichen Sortevon Geistlichen gehört zu haben, welche den unseligen Streit zwischen dem Königeund dem Papste für ihren eigenen Vortheil auszubeuten wußten, unbekümmert, obbei der zweideutigen Rolle, welche sie spielen, ihr Gewissen Schiffbruch leide, Kircheund Staat darüber zu Grunde gehen. War der Mainzer Hermann noch der Mannirenischer Bestrebungen gewesen, wie sie halben Charakteren oft zusagen, so wardRodbert, Probst von GoSlar und sonstiger Pfründen wohlbestallter Inhaber, derRathgeber deS Königs in der Zeit, als der Kampf mit der Kirche am heftigstenentbrannte (1075—1102); er erlebte auch für seine Bemühungen die Genugthuung,daß er Gregor II. aus Rom vertrieben und im Erile sterben sah, daß dessen Nach-folger Victor III. und Urban II. sich in Rom nicht halten konnten, dafür aber derGegenpapst Guibert von Ravenna seinen Freund Heinrich zum Kaiser krönte. Andiese Freuden, welche freilich einem Nachfolger SuidgerS übel standen, reihte sichals Gegenseite die Occupation des BiSthums durch dessen Ritter (miliws), zweifels-ohne die Schirmvögte, an, welche eS für eine unerträgliche Anmaßung ansahen, daßRodbert bei Lebzeiten Hermanns das Bisthum übernahm, während der Klerus, zumTheil aufgebracht, daß dieser in St. Jakob Mönche statt Weltgeistlicher eingesetzt,sich für ihn auSsprach, und nun eine Verwirrung einriß, deren Höhepunct nichtsdeutlicher bezeichnen konnte, als daß, wie bei ähnlicher Stimmung der Mönche 700Jahre später die Abtei Langheim, so jetzt daS herrliche Werk Kaiser Heinrichs, dieDomkirche und daS benachbarte Klerikalgebäude in Flammen aufgingen (in vigilispgsengg, 3. April 1031). Die Schöpfung Kaiser Heinrichs, der er die Ruhe seinerNächte aufgeopfert, der Lieblingsgedanke seines vielbewcgten Lebens, schien durch dieVerbindung des schlechten Theiles deS KleruS mit der auf Abwege gerathenen Staats-gewalt nach kaum einem Jahrhunderte schon wieder zerstört zu seyn. Doch anderswar eS im Rathe der Vorsehung beschlossen und ward, was ein Bayer (Kaiser Hcin<rich der Heilige) rühmlich begonnen, einem Schwaben, dem heiligen Otto, demWiederhersteller Bambergs, übertragen, um eS als zweiter Begründer Bambergs zuEnde zu führen.
Die meisten der bisherigen Bischöfe waren aller Vermuthung nach Sachsengewesen, die Mehrzahl des Bamberger Volkes, wie Bischof Günther ausdrücklichsagt, slavisch, selbst eingefleischte Heiden und was nach Günther geschah, nicht geeig-net, ihren Abscheu vor dem Christenthum zu bewältigen. Deutsch waren die Geist-lichen, deutsch der Adel (milites), die jetzt wider daS Bisthum sich kehrten. Die Ver-wirrung zu mehren kam hiezu, daß die Ernennung Otto'S im Gegensatze zu denWünschen des Adels geschah, der einen einheimischen und offenbar einen Mannbegehrte, welcher bestätigte, waS in Betreff des Kirchcngutes vor sich gegangen,ferner die von dem gebannten Kaiser ausgegangene Ernennung einen neuen Kcimpsmit dem römischen Stuhle, somit eine Fortsetzung der bisher so äußerst nachthciligcnVerwirrungen erwarten ließ. Dennoch gelang es Otto, woran seine Vorfahrenscheiterten, zu erreichen, und die Periode der kaiserlichen Ernennung der Bischöfemit dem leuchtendsten Vorbilde für spätere Zeiten und das Aufkommen eines andernPrincips zu schließen.
Anstatt gleich den übrigen von Heinrich IV. ernannten Bischöfen sich in demfortwährenden Kampfe auf seine Seite zu stellen, wandte sich Otto an den rechtmä-ßigen Papst Pascha! II., um dessen Bestätigung zu erhalten, und so vom Anfang anden Boden zu gewinnen, auf welchem allein eine gedeihliche Wirksamkeit möglichwar. Dann wandte sich Otto der Heilung der innern Gebrechen zu. Noch schlim-mer als die Domkirche, deren leere Wände zum Himmel ragten, sah cö in sittlicherBeziehung aus. Unter Nodbert waren ^maoüiuantidus inicjuis consilisriis) den Kirchenihre Besitzungen entrissen worden; das Capitel war kaiserlich gesinnt; auf dem nahen