Ausgabe 
11 (7.12.1851) 49
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Mönchsberge alle Disciplin verfallen, Kloster Bcmz verwüstet, der reguläre wie derWeltkleruS in Aufregung, Unruhe und widriger Verfassung. Otto war vom erstenAugenblick seiner Ernennung an ganz Bischof und, nur mit dem Gedanken einerallgemeinen Restauration beschäftigt, unablässig bemüht, den Kirchen, was ihnengenommen worven, wieder zu verschaffen. Es gelang durch den hohen Glanz seinerpersönlichen Tugenden. Er wurde der Hort der Armen, besuchte die Kranken undunterstützte Wittwen und Waisen, entzog sich selbst was nur immer möglich war,um denjenigen zu helfen, welche sonst keinen Tröster hatten, als nur ihn. Währenddie Zeit in den äußersten politischen Kämpfen zerrissen war, alle Gemüther in Span-nnng versetzt waren, schien Otto allein von diesen Dingen nicht ergriffen zu seyn.Er stellte daS Palladium BambergS, daS Münster wieder her, dessen Dach er mitKupfer deckte, weiteres Unheil zu verhüten. Oberhalb deS DomeS weihte er Kircheund Kloster deS heiligen Jakobus ein (1109), so daß der obere und ursprünglicheTheil deS alten BambergS die Gestalt eines Kreuzes empfing, dessen einen Arm dasKloster auf dem Michelsberge, den andern die von den Stiftern BambergS herrüh-rende Kirche deS heiligen Jakob bildete, während der Stamm deS Kreuzes durch denDom und die hinter demselben liegende Kirche von St. Stephan gebildet wurde.Im Angestchte dieser geistlichen Bollwerke war dann auf der Flußinsel St. Martin,die ihrem Ursprünge nach bis in die ersten christlichen Zeiten des Frankenlandes hin-auf reichende Basilika, und auf dem andern Ufer der Regnitz, in der slavischen Tur -stadt, die Propstei von St. Gangolf, eine Stiftung deS frommen Bischofs Günther,von Otto mit Thürmen geziert. Aus ihrer Mitte erhob sich der mons clsrieorum,der Münsterberg, das Sion Ostsrankens, wo die deutsche Sprache der lateinischenwich, nur die der Kirche, deren Gesänge und Gebete vernommen wurden, kein Laiezu wohnen hatte. Bei allen diesen Stiftern drang der Bischof auf Beobachtung einesgemeinsamen Lebens, und wo eS in Verfall gerathen war, auf dessen Herstellung.So war kaum St. Jakob vollendet, als der daselbst eingesetzte Propst Eberhard auchschon urkundlich erklärte, nur diejenigen sollten an den Gefällen der von ihm derKirche vermachten Güter Antheil haben, die ohne Widerspruch Schlafsaal und Resec,torium besuchten; nur diejenigen dreimal wöchentlich Fische und Geld (novem vummiper kdllomaclöm) täglich Brod und Gemüse und 6 Käse wöchentlich erhalten, diewirklich im Refectorium säßen und andere nicht (ot nullis alüs).

(Schluß folgt.)

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Ein Wort über den Londoner Glaspalaft.

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M? >,tl"^iiwÄ,j«tz» ?m d vitS hi.'NttttkTM 'R'Z' «Znz ,»z»M Mb! n'^zia nz^ Wim-'-"Unter den ausgezeichneten Werken der christlichen Kunstrichtung sind noch dieHolzsculpturen von GeertS in Löwen rühmlich zu erwähnen. DaS Vorzüglichste vonihm find zwei rührend schöne Figurengruppen: Maria von Engeln gekrönt, undsodann Engel, welche die Seele eines gestorbenen, von seiner Mutter beweintenKindeS himmelwärts tragen. Es spiegeln diese Bildungen den kindlich frommen Geist,wie er im Mittelalter ganze Völkermassen belebte uuv bewegte. Auch unserer Zeitist dieser Geist noch keineswegs völlig abhanden gekommen und gewiß liegt eS vor-zugsweise in dem Berufe der Kunst, ihn zu nährm und, wo er latent geworden, zuwecken, das Recht deö Gemüthes und der Anschauung zu wahren gegenüber denimmer höher steigenden Ansprüchen des refleclirenden Verstandes, die Blüthen deSGlaubens und HoffeuS zu schirmen vor dem eisigen Hauche der Zweifclsucht. Daßdas Miltclalter zu diesem Zwecke dem Künstler geeignetere Typen liefert, als dieAusklärungsperiode, welche ihre Inspirationen aus den Büchern gottvergessener Sophi-sten sich holte, liegt nach dem Gesagten in der Natur der Sache. GeertS kränkeltübrigens nicht an jener falschen alterthümelnden Manier, welche das Zufällige fürdaS Wesentliche nimmt, ja sich nicht selten sogar grade vorzugsweise dasjenige zum