Ausgabe 
11 (7.12.1851) 49
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Schließlich frägt Herr R. noch:Wie wird dieses kvnäöz-vous der Nationenwirken? In rein industrieller Beziehung zweifelsohne förderlich; viele wichtige Erfin.düngen und Erfahrungen sind hier ausgetauscht, viele Beziehungen angeknüpft wor-den; die Stacheln deS Wetteifers hat eS bedeutend geschärft; die höhere Kunstaber wird eher Einbuße, als Vortheil davon haben; eine immer größere Verallge-meinerung und Verflachung wird die Folge seyn, das ohnehin schon ungebührlicheUebergewicht der Maschine eine neue, mächtige Verstärkung erhalten."

Der Orden der Schwestern vom armen Kinde Jesu in Köln .

Köln , 10. Nov. Seit dem 9. September d. I. besteht auch hier ein Ordens-hauS von vier Schwesternvom armen Kinde Jesu." Dieser Orden wurde vor dreiJahren in Aachen gestiftet und hat die Erziehung verwahrloster armer Kinder zumZwecke. DaS Mutterhaus, im ehemaligen Dominicanerkloster, besorgt den Unterrichtin den Armenschulen zweier Pfarren mit fast 400 Schülerinnen und die gesammteErziehung von 80 Pfleglingen. Obwohl ohne alle andere Hilfsquellen, als dieMildthätigkeit der Katholiken, hat der Orden schon blühende Filialen in Bonn undDüsseldorf für Knaben und Mädchen, und in Derendorf bei Düsseldorf fürMädchen; ihnen reiht sich daS hiesige, bloß für Mädchen bestimmte Institut würdigan. Die Stadt Köln verdankt dieses Werk ächter christlicher Liebe dem Eifer deSVereins vom heiligen Vincenz von Paul in der Pfarre St. Martin und deS mitihm verbundenen Frauenvereins. Die Anstalt zählt bereits 22 Pfleglinge; da dieEinrichtung einstweilen nur für 25 Pfleglinge getroffen ist, wird sie bald einer Ver-vollständigung bedürfen, wobei der WohlthätigkeitSsinn der hiesigen Katholiken sichvon Neuem bewähren wird. Nicht leicht kann sich ihm ein würdigerer Gegenstanddarbieten. Außer dem vollständigen Elementarunterricht, der selbstredend durchausvon religiösem Geiste durchdrungen ist, erhalten die Mädchen, welche vom zartestenAlter bis zum neuzehnten Jahre Aufnahme finden, jede Unterweisung, die ihnen imhäuslichen Leben und namentlich für ihr Unterkommen als Dienstboten von Nutzenseyn kann. Etwa die Hälfte der Zeit wird auf die Erlernung der gröbern und fei-nern Handarbeiten, so wie der gewöhnlichen Verrichtungen in Hauö und Küche ver-wandt. Neben dieser standesmäßigen Erziehung erhalten die Pfleglinge Wohnung,Kost und Kleidung, und zwar für den unbedeutenden Betrag von 3 Thalern monat-lich und 5 Thalern Eintrittsgeld. Außer diesen Pfleglingen nehmen an 130 Schü-lerinnen aus der Stadt an dem Elementarunterricht und der Unterweisung in weib-lichen Handarbeiten als Externen Theil.

Gestern feierte die Anstalt ein schönes Fest. Um acht Uhr cclebrirte SeineEminenz der Herr Cardinal und Erzbischof von Köln in der Pfarrkirchezu St. Mariin das heilige Meßopfer, welchem die ehrwürdigen Schwestern, ihreSchülerinnen, so wie die Konferenz vom heiligen Vincenz von Paul nebst demFrauenvereine beiwohnten. Vor der heiligen Messe hielt der hohe Kirchenfürst einesalbungsvolle Rede über die göttliche Vorschrift:Bete und arbeite", und setzte auf'SSchönste auseinander, wie unter diesem Arbeiten neben den Geschäften deS Berufesganz besonders die Werke christlicher Liebe verstanden seyen; unter diesen Werkenempfahl er die Fürsorge für arme Kinder, welche, wenn auch nicht im gewöhnlichenSinne deS Wortes, doch in Bezug auf die Möglichkeit christlicher Erziehung verwaist,durch die in Rede stehende Anstalt leiblichem und geistigem Verderben entrissen wür-den, alö eines der Verdienstlichsten. Se. Eminenz begaben sich, nachdem Sie einergroßen Anzahl von Gläubigen die heilige Communion gespendet hatten, durch einenvon den Pfarrgenosscn errichteten Triumphbogen, mit der Inschrift: ^ngeli custocli-iutto in omnikus vüs tuis, und durch die mit Flaggen und Laubgehängen geschmücktenStraßen zu dem nahe gelegenen Kloster. ^) Hier war der alterthümliche Saal eben-

') DaS ehemalige Dohmcn'sche Haus in der Mühlengasse, welches einstweilen nur gemiethet,aber von den Stiftern der Anstalt ganz neu dazu eingerichtet ist.