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was auch mit der größten Bereitwilligkeit von dem Pater Superior zugestanden undin dieser Woche, gewiß zum großen Troste und Segen der Unglücklichen, auchgeschehen ist. Wahrlich, wenn solche außerordentliche Seelsorge in allen Gegendenabgehalten würde, dieses Volk, in dem noch ein großer Fond religiöser Gesinnungruht, würde zum Heile der Kirche und des Staates in ueuem Geistesleben aufer-stehen, laxit, Dous! (M. I.)
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Zur Pastoral. u ^ .>'>-, sUM«
Einer der wichtigsten Theile der Pastoraltheologie ist die Populärdogmatik.Abgesehen davon, daß sie die Grundlage der Homiletik bildet, so sollen ja die Glau-benslehren, die in der Dogmatik geistiges Eigenthum der Zuhörer geworden sind,in ihr vorgelegt und die Zweifel, die Unglaube und JndifferentismuSder Gegenwart in Städten und auf dem Lande gegen sie aufbrin-gen, vorgeführt werden. Die Populärdogmatik hat dann kasuistisch dieZuhörer zu befähigen, die erhobenen Bedenken bündig und faßlich zu widerlegen.Auch auf dem Lande hat der Seelsorger die traurige Gelegenheit Zweifel und Beden-ken, die inS Herz der katholischen Kirche schneiden, hören zu müssen. So ist mirunter Andern? während der kurzen Zeit meiner Seelsorge der Fall vorgekommen,daß eine Person, zu der ich mit dem H-metissimum zum Sterbelager gerufen wurde,zu mir sagte: „Könnte ich denn nicht meine Sünden Gott allein beichten?"Warum wollen Sie denn das? fragte ich. „Gott ist ja ohnehin allwissend,warum soll ich denn also auch dem Priester beichten. Auch andere sagten, daß esnicht gerade Noth sey." So lautete die Antwort. Ein anderes Mal suchte ich eineschwer kranke und äußerst niedergeschlagene Person, um ihrer Kinder willen, mit derAuferstehung, mit dem Wiedersehen zu trösten. „Ist es denn auch wahr, daß wireinmal auferstehen? viele sagen: wir sehen uns nie mehr," so unterbrach mich die demTode nahe Person. Daö sind Zeichen der Zeit! Das sind Fälle für eine Populär-dogmatik. So sieht es am Lande aus mit der Glaubenslehre im Kopfe und Her-zen der Christen. Wo keine Glaubenslehre, ist natürlich auch keine verpflichtendeund motivirte Sittenlehre. Es kann daher auch gegenwärtig keine Predigt-form geeigneter seyn: als die polemisch - d o g m atische. Die Lehre desFriedens muß heut zu Tage mit dem Schwert des Geistes verkündet werden.(Wiener Kirchenz.) ' _
Berlin bietet jetzt allsonutäglich in 35 evangelischen Kirchen und gottesdienst-lichen Stätten durchschnittlich 40—42 vormittägliche und 26—23 nachmittäglichePredigten. Dazu kommen noch vier regelmäßige Abendgottesdienste an diesen Tagen.Wochenpredigten werden 20—22 gehalten, die meisten am Montag und Mittwoch;ferner 11 Kindergottesdienste, die meisten Sonntags Nachmittag, in Summa also imLaufe der Woche ungefähr 100 förmliche Cultusübungen. Ferner im Laufe derWoche 2—5 Versammlungen der Heidenmissions-Hilfsvereine, davon eine für Kinder,eine für Frauen; 4—7 Zusammenkünfte von Vereinen für innere Mission und außer-dem die wechselnden Versammlungen mehr oder minder kirchlichen Charakters, desVereins gegen Vergiftung durch Alcohol, des evangelischen Vereins, der Diaconen-versammlung, der Bibelgesellschaften, des Gustav-AdolphS-Vereins u. s. w. Wennman diese kirchlichen Bemühungen zur Besserung des Volks in ihrer großen Anzahlbetrachtet und doch in der forldauernden Sittenlosigkeit, die sich von Tag zu Tag stei-gert, die geringen Erfolge jener Bemühungen erkennt, so bestätigt es sich immer mehr,daß der Protestantismus nicht geeignet seyn dürfte, in Fleisch und Blut als ein heil-samer Lebenssaft für das Volk überzugehen, und daß, wie der treffliche Stahl (Pro-testant) in einer seiner jüngsten Vorlesungen entschieden aussprach, dem Katholicis-mus noch eine große Mission bevorsteht.Berautwortllchcr Redacteur: L. Schönchen. Aerwgö-Jnhaber: F. C. Kremcr. ,