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gänzlichen Mangel an jeder Kirchengewalt, welche der alle religiöse Freiheit vernich-tende Zwang aüf die symbolischen Vücher ersetzen sollte, auszuführen sich durchausungeeignet zeige, ja diese Idee durch den Protestantismus vielmehr dem Untergangepreisgegeben scheine — während dem offenbare sich in der katholischen Kirche dieGrundbedingung zur Realifirung jener Idee im vollsten Maaße; denn diese Kirche,welche allein Kirche genannt werden könne, habe die Erziehung deS Menschenge-schlechtes für den Himmel übernommen! Das habe sie allein thun können, weil nursie die Grundbedingung deS sittlichen Lebens, den reinen Glauben bewahrt habe, ausdem die Glaubenösreudigkeit, die Glaubensstärke, GiaubenSinnigkeit und GlaubenS-einigkeit entspringe, die man bei den Protestanten vergeblich suche; dort habe manden untern Classen den Stab durchs Leben genommen, dafür Dccrete gegeben und sozur Auflehnung gegen göttliche und menschliche Ordnung aufgestachelt. Gegen dieseWerke deS Unglaubens habe der Protestantismus auch keine Abhilfe; denn wo keinekirchliche Verfassung, keine kirchliche Gewalt, dort sey auch keine Kirchenzucht. DaSPriesterlhum habe man entfernt und die Prediger von der weltlichen Gewalt abhängiggemacht; der Protestantismus habe die Beichte abgeschafft, und damit den unbedingtnöthigen Einfluß der Prediger auf die Gemeinden, und sofort alle Kirchenzucht ver-loren. Deßhalb aber können diese Religionsgenossenschaften sich auch nicht einmalregeneriren, denn das Vo!k sey gleichgiltig und theilnahmsloS gegen den Protestan-tismus, dieser habe aber Niemand, der die Theilnahme wieder zu erwecken vermöge!So sey denn kein Weg, auf dem das neu erwachte religiöse Bedürfniß der Zeit Stil-lung finden könne, als die Rückkehr zur Mutterkircke, welche, wie sie bei allenbedeutenden Menschen erfolge, so im Allgemeinen dann um so häufiger eintretenwerde, wenn man sich klar gemacht, daß mit dem Protestantismus nicht die Glau-bensfreiheit, wohl aber die GlaubenSlvsigkeit, aufgegeben, und dafür Reinheit, Ruheund Frieden gewonnen werde durch die Frucht des Glaubens, welche unter dem rei-chen Blällerschmuck und der Blütenpracht der heiligen Gebräuche und Sitten heran-reife. Im Dienste der heiligen Kirche stehe Alles, auch die Kunst und die Wissen-schaft, und so ziehe vaS heilige Rom durch seinen alles durchdringenden Glanz an,während der kalte Protestantismus vergeblich das Festhalten an dem, nach der will-kürlichen Verdrehung so vieler Sätze, auch wieder nur willkürlich in den symbolischenBüchern Festgehaltenen befehlen n vl!e. Man sehe daher, daß diejenigen das „besteTheil" ergriffen haben, welche dem Zuge ihres Herzen nach der heiligen Kirche gefolgt.Es möge nun auch bald beginnen, schließt der Verfasser, „die große Wanderungder Völker zu dem Heiligthuine des Herrn; die Stunde ist da, und die Glocken derZeit rufen bereits mit deuilicher Stimme!^ .nü->
Nach diesem möglichst gedrängten AuSzuge, welcher leider die blühende SprachedeS Originals nicht anzudeuten erlaubte, bleibt unS nur Weniges zu bemerken.Vorerst glauben wir den renkenden Leser, welcher die Sätze nicht einzeln, sondern inihrem Zusammenhange erwägt, nicht erst versichern zu dürfen, daß eine, wenn fürsich allein betrachtet, vielleicht zweideutige Stelle der 15- Seite den Verfasser derBioschüre durchaus nicht als Feind der Wissenschaft characterisirt. Denn derselbezeigt in seiner ganzen Darstellang, daß er das Paulinische von „der Erkenntniß seinesWillens in aller Weisheit und dem geistigen Verständniß" vollkommen richtig aufge-faßt habe; ja er wäre seine Schrift zu verfassen gar nicht im Stande gewesen, hätteer nicht, statt bloß beständig über die falsche Aufklärung loszuziehen und ihr wiederin afterkalholischer, thatsächlich aber ächt lutherischer Manier, allein den Glaubenund die Liebe 5) entgegenzustellen, vielmehr in reichem Maaße die freilich auf Glau-
") Wir verwahren uns hier gegen die unverständige oder böswillige Deutung obiger Worte,als hielten wir den Glauben ohne Wissenschaft für unzulänglich zur Seligkeit! Nein; aber, wenn wirsagen, daß, wer die Wissenschaft pflegen und mit ihr streiten kann, uno es doch nicht thut, ja dabeisogar die Freunde derselben verketzert, wenn wir sagen, daß dieser dem Willen Gottes frevelnd zuwiverhandelt, so gedenken wir nur des Wortes: daß man die anvertrauten Pfunde nicht vergraben darf!«»merk. d. S.°''tM«MNL »N'-'^ '.Ä MÄ)K''' >i >/-E