Ausgabe 
11 (14.12.1851) 50
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Wilhelm beschränkte die Mönche auf ein rein geistiges Leben nach der Weisevon Clugny, in welcber Gebet und Betrachtung regelmäßig abwechselten, währendden Perkehr mit der Welt die Lonversi unterhielten, alle Handarbeit verrichteten undfür die Bedürfnisse des Klosters und der Kirche sorgten. Der Gehorsam war rück-sichtslos, das Leben allen gemeinsam; der Begriff des Eigenthums hatte auf-gehört, aber auch der der Familie war nur in so fern vorhanden, daß alle Einegroße Genossenschaft bildeten, deren Abgang sich durch Zugang von Außen nachgroßen Prüfungen ersetzte. Auf diese Genossenschaft warf der heilige Otto seinAugenmerk, um, nachdem er bereits den Abt GumbolduS auS dem Kloster von St.Heimeran berufen, dieser so wenig als seine nächsten Vorgänger daS Kloster auf demMichaelsberge von Nachwehen des AbteS Rupert zu befreien vermochte, gründlicheAbhilfe zu erlangen. In Folge deß wurde ein Zögling von Hirsau , Wolfram, gleichdem heiligen Wilhelm ein Sprosse drS bayerischen Adels, Abt, und vollendete nunals solcher die Reform deS Klosters, so daß der Schwabe Otto der zweite Begrün-der des Stiftes von Bamberg genannt werden muß, der Baier Wolfram das Ver-dienst hat, im Vereine mit dem Probste Eberhard von St! Jakob, dem Abte Weigandvon Thereö, einem intimen Freunde des heiligen Otto, die Wiederhcrsteller des gei-stigen LebenS in Bamberg gewesen zu seyn. Denn es gehört mit zur eigenthümlichenGröße der Zeit, daß alle edleren Naturen nur von dem Einen Zwecke erfüllt warenund jene niederen Bedenken der Nationalität oder der Parteianschauung, die jetzt dieWelt mit Spaltung und Zerrissenheit erfüllen, diesem weichen mußten. Wer der rechteMann war, wurde gefragt, das woher er kam und wessen Landes Kind, kam wennüberhaupt erst spät in Betrachtung. Während aber Bamberg dem Abte Wolfram sovieles dankt, fand dieser vor der Menge tüchtiger Männer, vor der großen Anzahlähnlicher Bestrebungen selbst in der weitläufigen Geschichte des Klosters Hirsau keinenPlatz; nur Abt Andreas der Franke hat ihm in seiner Chronik vom Michelsberg(verf. 1494) ein dankbares Andenken gewidmet. Fällt es unserer Zeit schwer, sichin daS Treiben und Drängen einer Periode zu versetzen, welche den schroffsten Gegen-satz zu ihr bildet; möchte man von dem Strudel der Gegenwart ergriffen selbst dieFrage aufwerfen, ob daS wirklich deutscher Boden war, auf dem der nun stattha-bende Umschwung vor sich ging, so darf man sich, um die natürliche Folge der da-maligen Reformbewegung sich klar zu machen, nur den Umfang vergegenwärtigen,welchen sie aus einem verhältnißmäßig so kleinen Kreise nahm, wie das BiSthumBamberg war. Ein treuer und rastloser Förderer deS ernsten Geistes seiner Zeitschien der heilige Otto von Bamberg die Aufgabe in sich zu fühlen, die Welt mitAnstalten zu erfüllen, derenQuelle und Ursprung" daS Evangelium war. Auf demBoden deS Würzburger Sprengels baute er die beiden Aurach , auf bambergischemMichelfeld und wieS ihnen die Regel von Clugny an, welche Hirsau adoplirt hatte.AIS nun auch der in Frankreich neu entstandene Orden von Cisterz von Morimundaus, wo die Zierde Deutschlands der Bamberger Otto, Bischof von Freising , daSstrenge Ordensgelübde ablegte, sich nach Deutschland verbreitete und in den Schluch-ten deS Steigerwaldes Abt Adam mit zwölf Gefährten daS nachher so herrliche Ebrach begründete, so gründete Otto im stillen Thale bei den westlichen Ausläufern desFichtelgebirgö die Abtei Langheim nach der neu entstandenen Regel, die von Ebrach herübergebracht wurde. An diese reihten sich auf dem Boden des Regensburger Sprengels nicht weniger als sechs andere-an: Eyesdorf, Priefeningen, Münster ,Biburk, MadelharteSdorf, Windenberg, fünf hicvon vom Orden von Clugny, daSletztere vom Orden der Prämonstratenser , beinahe dem einzigen, welchen ein Deut-scher begründete, der heilige Norbert Erzbischof von Magdeburg, während keiner war,welcher, einmal inS Leben gerufen und meist durch Welsche entstanden, nicht durchDeutsche Förderung und eigenthümliche Pflege erhalten hätte. Im HalberstadterBiSthum gründete er Wittenburg (Regenötorsf), im Eichstädter HeilSbronn , im Pas-sauischen Altersbach, in Oesterreich St. Andreas an der EnS; im Patriarchat vonAquileja wandelte er daS 45 Jahre lang seinem BiSthum entfremdete Arnoldenstein