Ausgabe 
11 (14.12.1851) 50
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sein Schulwesen nach deutschem und französischem Vorbild umformte, und in dieHände deS tüchtigen UnterrichtsministerS Hemal Effendi gelegt hat. Die Vornehmenschicken ihre Kinder meist zur Erziehung nach Deutschland oder Frankreich . Jenepolilischen Reformen werden allmälig auch dem Christenthum den Weg bereiten.Dazu kommt der Proceß der Selbstauflösung in der mohamedanischen Religion, derin der letzten Zeit durch die energischen Kampfe der Wahabiten (der ProtestantendeS Islam ) gegen die orthodoxen Mohamedaner wesentlich beschleunigt ist.wirkt auch als ein Sauerteig in der gährcnden Masse die katholisch-armenische Bevöl-kerung, die durch geistige Ueberlegcnheit sowohl, als durch unermeßlichen Reichthumfactisch über die Türken gebietet. Sind doch fast alle europäische Gesandtschafts-stellen von Konstantinopel auS mit katholischen Armeniern besetzt! Und diese Armeniersind meist in den von Mechitaristen-Mönchen geleiteten armenischen Kollegien zuSan Lazaro, Wien oder Paris gebildet. Möge der Halbmond bald der Sonne derWahrheit Platz machen I (M. Sbl.)

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Gehe hin und thue desgleichen!

In dem Gasthofe einer nicht unbedeutenden Stadt wurde eben labls ä' dütvgespeist. Die Tafel war zahlreich von Gästen aus den verschiedenartigsten Ständenbesetzt, doch bildeten die Officiere der Garnison den Haupttheil der Gesellschaft. DieUnierhaltung war sehr belebt und munter. ^.ji^^m

Da trat ein junger Mann zur Tafel hin, eine große, kräftige Gestalt; er wareinfach, aber doch höchst anständig gekleidet; er schien ein Gutsbesitzer aus der Nach-barschaft zu seyn. Er blieb stehen, machte das Zeichen deS heiligen Kreuzes, beteteeinige Minuten und setzte sich dann zu Tisch. Natürlich waren sofort Aller Augenauf ihn gerichtet. Einige blickten erstaunt auf ihn hin, Andere theilten sich einanderihre Bemerkungen mit, die Meisten aber zogen ihren Mund zu einem spöttischenLächeln zusammen, daS endlich laut sich äußerte.

Der Fremde, welcher bereits angefangen hatte, Suppe zu nehmen, blickte ruhigum sich.Meine Herren," fragte er dann,warum lachen Sie so allgemein, habeich Ihnen Veranlassung zu Ihrer Heiterkeit gegeben?"

Ach, da sollte man nicht lachen," antwortete ein junger Officier,wenn Siesolche Grimassen machen."

Also daS ist eS, waö Sie lachen macht?" erwiderte der Fremde.WissenSie, eS ist eine Kleinigkeit, mit vierzig Personen über etwas zu lachen; aber demSpott und Hohn einer ganzen Gesellschaft gegenüber daS zu thun, waS Pflicht undGewissen gebieten, daS kann nur der Mann. Ich bin Katholik, ich schäme michmeines Glaubens nicht und danke meinem Gott gern für die Gaben, die seine GüteunS spendet."

Alle schwiegen einige Augenblicke, der Officier blickte etwas verlegen seineKameraden an; der Fremde aber begann gleich eine andere Unterhaltung und baldhatten die Gäste Gelegenheit, in dem entschiedenen Katholiken einen äußerst gebildetenund interessanten Gesellschafter zu finden.

AIS er etwas früher vom Tische aufstand, das Kreuz machte und zum Dankebetete, lächelte Niemand, die Meisten schwiegen, und hielten einen Angenblick selbstmit dem Essen ein. Grüßen? nach allen Seiten und freundlich wieder gegrüßt, ver-ließ der Fremde den Speisesaul. K. A.

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Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. C. Kremer.