404
wurde dem Pater Ryllo anvertraut, einem Manne von apostolischem Eifer, der hie-von während einer langen und erfolgreichen Laufbahn rühmliche Beweise gegebenhatte; ein Weg, den er nehmen, ein Sitz, den er wählen sollte, wurde ihm vomheiligen Vater in seiner erleuchteten Weisheit nicht vorgezeichnet, die Fügungen derVorsehung und die Erfahrungen während der Thätigkeit der Mission sollten hierüberentscheiden. Der heilige Papst starb, ehe die Missionäre ihre Reise antreten konnten-allein Se. Heiligkeit der jetzt regierende Papst PiuS IX, , von dem gleichen heiligenEiser beseelt, bestätigte die Erlasse seines Vorgängers und ertheilte den frommen Ar-beitern im Weinberge deS Herrn seinen väterlichen Segen zu ihrem großen undschwierigen Werke. Im Frühjahre 1847 kamen die zu dieser Mission ausersehenenPriester von ihren verschiedenen Standorten auf dem Festlande von Italien, in Malta ,am Libanon und in Palästina in Alerandrien zusammen; aber eS dauerte bis zumSeptember jenes JahreS, ehe die Ausrüstungen zu ihrer Fahrt vollendet waren undehe sie durch die eifrigen Bemühungen deS kaiserlichen Generalkonsuls, unter dessenSchutz die Mission sich stellte, die nöthigen Geleitsbriefe für ihre gefahrvolle Reiseerhalten hatten. An der Spitze deS Dreieckes, wo der Weiße und blaue Fluß, auöderen Vereinigung der Nil entsteht, zusammenströmen, unter dem 16° nördlicher Breiteliegt Chartum , eine neue Stadt, unter Mehemcd-Ali angelegt und durch einen sehrlebhaften Handelsverkehr mit dem innern Afrika schnell zu einer Bevölkerung vonmehr als Ltl.MO Menschen herangewachsen. Diese Stadt erreichten die Missionärenach einer sehr langwierigen und beschwerlicher Reise am 11. Februar 1848. IhreReisevorräthe waren aufgezehrt, Krankheiten hatten mehrere aus ihnen ergriffen,Pater Ryllo selbst lag ohne Hoffnung der Wiedergenesung darnieder, cS schien daherhöchst gefährlich, wenn nicht unmöglich, in diesem Augenblicke die Reise weiter fort-zusetzen. Auf der andern Seite war Chartum der letzte Ort, bis wohin einiger-maßen regelmäßige Handelsverbindungen mit Europa reichen, von woher Nachrichtengegeben, wo Aufträge und Unterstützungen mit einiger Sicherheit empfangen werdenkönnen, und kein anderer Platz schien geeigneter, Verbindungen mit den BewohnerndeS innern Afrikas anzuknüpfen, über die Orte und Acten der künftigen Wirksamkeitzu festen Entschlüssen zu gelangen, die Missionäre für ihren Beruf durch das Stu-dium der Sprachen und Sitten des Landes vorzubereiten, sie an daS so gänzlich ver-schiedene, für jeden Unvorbereiteten höchst verderbliche Clima zu gewöhnen und ihnenseiner Zeit, wenn sie sich über daS Land zerstreut haben würden, einen Punct derVereinigung, der geistigen Auffrischung und der körperlichen Erholung zu gewähren.ES wurde daher beschlossen, in Chartum eine Station zu errichten, und ein edlerTürke, welcher die Missionäre schon in Dongola gastfrei aufgenommen hatte, undhiedurch eine Pflicht der Dankbarkeit erfüllen wollte, die er christlichen Priestern amLibanon, die ihm einst auf einem Feldzuge daS Leben gerettet hatten, schuldig war,verschaffte ihnen Schutz, Hilfe, Unterkunft. Allein am 17. Juni 1848 starb PaterRyllo, die wiederholt erbetenen, lange erwarteten Unterstützungen auS Europa bliebenaus und an deren Statt kamen die erschütterndsten Nachrichten. Der Sturm derRevolution hatte den ganzen Welttheil ergriffen, alles was man bisher geachtet undgeehrt hatte, wurde in den Staub getreten, der heilige Glaube, die Grundfesten dergesellschaftlichen Ordnung schienen erschüttert, die Prediger deS göttlichen Worteswurden verfolgt und vertrieben, die frommen Institute zur Erhaltung und Verbrei-tung deS Glaubens wurden in ihrem Bestände bedroht und der heilige Vater selbstwar in seinem Sitze gefährdet. Wer sollte in diesem Umstürze aller Dinge noch andie Mission im fernen Afrika denken, wo durften sie noch auf Theilnahme und Hilfein ihrem schwierigen Werke hoffenI Die heilige Propaganda in Rom erklärte feierlich,daß sie nicht in der Lage sey, die Mission ferner unterstützen zu können, und bereitswaren die Erlässe ausgefertiget, welche den Missionären die Eilaubniß ertheilen soll-ten, wieder auf ihre frühern Standpuncte zurückzukehren. Allein der Herr, der einemin seinem Namen unternommenen Werke seinen Beistand nie entzieht und die Werk-zeuge zu seiner Ehre und Verherrlichung wohl zu wählen weiß, hatte auch in Char -