Ausgabe 
11 (21.12.1851) 51
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tum den rechten Mann zur Begründung und Fortpflanzung des großen Werkes zurBekehrung der Neger sich bereits ausersehen. Unter den Missionären, welche PaterRyllo begleitet hatten, befand sich Pater Jgnaz Knoblecher, geboren am 6. Juli 1819zu St. Cantian bei Gutenwerth, einem Dorfe der Diöcese Laibach, der im ListenLebensjahre nach zurückgelegten Studien und nachdem er zu Laibach die mindernWeihen erhalten hatte, mit Bewilligung seines hochwürdigen Bischofes in Rom indas Institut der heiligen Propaganda eingetreten, dort zum Priester geweiht und fürden gottgeweihten Beruf eines Heidenapostels ausgebildet worden war. Nach demTode des Pater Ryllo war die Leitung der Mission an ihn übergegangen und inKurzem hatte er einen Grund angekauft, ein HauS gebaut, einen Garten angelegt,eine Kapelle eingerichtet, alles zwar klein und nothdürftig, aber doch hinreichend fürdie bescheidenen Bedürfnisse seiner Genossen und die ersten Anfänge der Mission unddie Möglichkeit gewährend, in einem Lande, das bisher nichts als die Giäuel deSHeidenthumS und die Lieblosigkeit deS MohamedaniSmuö kannte, täglich das unblu-tige Opfer deS neuen Bundes darzubringen, täglich Gott den Dank für die Wohl-that der Erlösung darzubringen und täglich seinen Beistand und seinen Segen anzu-flehen, damit auch die zahlreichen Völker jener Gegenden in die große seligmachendeKirche Christi eingehen. In Chartum ist ein Sclavenmarkt, wohin aus dem inner-sten Afrika die unglücklichen Gefangenen zum Verkaufe geschleppt werden, unter diesenoft zarte Kinder, ihren Eltern geraubt, verlassen und trostlos der Willkür dessenhingegeben, der daS Geld daran wendet, sie sein zu nennen. Die frommen Missio-näre kauften nun auf diesem Markte mehrere Knaben, die ihnen gutgeartet und voneinigem Talente zu seyn schienen, auch fanden sich in Chartum einige Abkömmlingevon Europäern, oft von ihren Vätern zurückgelassen, verwildert und verroht, in denIrrglauben ihrer Mütter zurückgefallen. Diese Kinder wurden nun in dem Hauseder Mission untergebracht, man fing an, sie in allen jenen einfachen Kenntnissen zuunterrichten, welche für sie und ihre Heimat von Nutzen seyn können, und vor Allemin den Wahrheiten unseres heiligen Glaubens. Sie sollten die erste christliche Ge-meinde CeiuralainkaS bilden, und jene Neger sollten, dereinst der Freiheit wiedergegeben und auf sichern Wegen zu ihren Landsleuten zurückgesendet, dort die Aposteldieser letzter», die eifrigsten und wirksamsten Helfer der Missionäre werden. Großwar der Eifer der jungen Leute, ihre Empfänglichkeit für die göttliche Lehre, dieihnen verkündet wurde, und ihre Liebe zu Gott, zu Christo und zu seiner jungfräu-lichen Mutter, sanft und ruhig ihre Sitten, kindlich ihre Anhänglichkeit an die from-men Väter. Am Feste Allerheiligen deö JabreS 1848 konnten bereits die ersten auSihnen durch die Taufe in den Schooß der heiligen Kirche ausgenommen werden. AmVorabende dieses Tages besuchte Pater Knoblecher wie gewöhnlich daS Schlafzimmerder Kleinen, um nachzusehen, ob alle in Ordnung zur Ruhe gegangen. Da fander die Katechumcnen noch wach und in andächtiger Haltung. Er fragte, waö sieda machten?Wir beten zur Mutter Gottes, war die Antwort, daß sie für unSbitte, damit wir den morgigen Tag erleben, der unS zu Christen machen soll."Welcher Glaube unter diesen Erstlingen der Kirche deS innern Afrika's , wie sehr sindsie würdig, daß alle, die Christum bekennen, sich für sie bemühen! Von diesen jun-gen Leute» lernten auch die Missionäre die Sprache der Stämme, denen jene ange-hörten, der Galla, der Bari und anderer, und auch sonst sammelte man von ihnenalle jene Thatsachen, welche über die Wohnsitze jener Völker, die Wege, zu ihuenzu gelangen, ihre religiösen Ansichten, Sitten, Gebräuche, und waS sonst als Grund-lage der künftigen Thätigkeit der Mission dienen kann, Ausschluß zu geben vermoch-ten. AIS die Hilfe aus Europa ausblieb, wurde darum im Eifer nicht erkaltet, dieThätigkeit nicht beschränkt und den Negerzöglingen nichts entzogen, die Missionäresparten am eigenen Leibe und suchten die Hilfsmittel zu benutzen, welche ihnen ihrGarten darbot. So wurde daS Jahr 1849 überstanden, und endlich im Jahre 1349,als die Noth am höchsten war, und als auch der Verein zur Vereinigung deS Glau-bens in Lyon die erbetene Unterstützung versagt hatte, kam gerade zur rechten Zeit