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eine Spende auS Laibach, zwar klein in Vergleich mit den zu bestreitendeu Bedürf-nissen, aber sie war der Oelzweig der Taube in der Sündfluth, sie zeigte, daß inEuropa der Glaube und die Theilnahme an seiner Verbreitung neu erwache, und siewies auf die Richtung hin, in welcher daS fromme Unternehmen auch künftig auferfolgreiche Hilfe hoffen könne. Unter diesen Verhältnissen war es, daß Paler Knob-lecher den kühnen Entschluß faßte, dem großen Zwecke, welcher der Mission gesetztwar, näher zu rücken und so weit als möglich in daS Innere Afrika'S vorzudringen,um die Stätten seiner künftigen Wirksamkeit kennen zu lernen. Jährlich im Novem-ber, wenn die Nordwinde zu wehen anfangen, schickt der Gouverneur von Chartummehrere Schiffe den weißen Fluß hinauf, um die egyptischen Niederlassungen längsdieses Stromes mit den nöthigen Bedürfnissen zu versehen und von den weiter ober-halb wohnenden Negervölkern Elfenbein gegen GlaS-Eorallen einzutauschen. DieserErpedition wollte sich Knoblecher anschließen, jedoch weiter vordringen als sie. Einmohamedanischer Kaufmann schoß, wenn auch umer sehr drückenden Bedingungen,die Kosten vor. Am 13. November 1849 trat Pater Knoblecher d e Reise an, zweiseiner Genossen begleiteten ihn, die übrigen blieben zur Obhut der Mission zurück.Nach wenigen Tagen waren sie an den letzten Niederlassungen der Egypter vorüber-gekommen und schifften längs der unermeßlichen Urwälder hin, welche die natürlicheGränze zwischen dem Gchieie deS Pascha von Egypten und den unabhängigen Neger-stämmen, dem MohamedanismuS und dem Heidenthume, bilden. An der Seite weitergraSreicher Savannen, nur hie und da durch einen Hain, einen Hügel unterbrochen,setzten die frommen Missionäre ihre Reise fort, bis zu dem letzten Puncte, den bisherein Europäer erreichte, den Wasserfällen deS weißen FlusseS am Fuße deS eisenreichenGebirges, welches die fleißigen Bari -Neger bewohnen. Ihre Kenntniß der Landes-sprache verschaffte ihnen einen Lootsen, welcher sie durch einen natürlichen Canal, derin vielen Windungen schräge von einem Ufer zum andern sich hinzieht, die Wasser-fälle hindurch geleitete, und so kamen sie bis Logvek unter 4° 9' nördlicher Breite.Von einem Berge, der dort sich erhebt, übersahen sie den obern Lauf deS weißenFlusseS in unermeßlicher Weite, und die Richtung seines Laufes, seine Wasscrmenge,daS Maaß seiner Geschwindigkeit erlaubte den Schluß, daß er weit jenseits deSAequatorS entspringe, also mit seiner Hilfe noch tief in jene unbekannten Gegendenwerde vorgedrungen werden können. Die Gegenden, welche die Missionäre durchfuh-ren, werden in der Richtung von Norden nach Süden von den Scilluk-, Dinka^,Nuir-, Kyk-, Bor-, Zhir- und Bari -Negern bewohnt, unabhängigen Stämmen untereinheimischen Fürsten, lebend von dem Ackerbau, der Viehzucht, der Jagd. Die Bari wissen sogar daS Eisen ihrer Berge zu bearbeiten und verfertigen Waffen und Schmuckfür sich und ihre Nachbarn. Der große Gegenstand des Handelsverkehres ist daSElfenbein der zahlreichen Elcphantenbeerden, welche jene weiten Ebenen durchstreifen.Der Menschenschlag ist schön und kräftig, man sieht unter ihnen majestätische kriege-rische Gestalten, und die schöngefleckten Leoparden- und Pantherfelle, welche ihnenals Zeichen ihres Jagdglückes wie ein Mantel am Rücken herniederhängen, vermeh-ren den Eindruck, den sie machen. So weit die Missionäre beurtheilen konnten,scheint ihr Gemüth für alles Gute empfänglich, ihr Verstand der Belehrung zugäng-lich, noch sind die verheerenden Sclavenjagden der nördlichen Gegenden nicht zu ihnengedrungen und haben nicht ihre Sitten verwildert, ihre Ruhe gestört. So wie siesind, werden sie der Lehre Christi, der Predigt deS Glaubens und der Liebe einoffenes Herz darbieten, und sie sehnen sich nach derselben; die Barineger und ihrKönig Niphila waren schmerzlich betrübt, als die Missionäre sie verließen, und ließensich nur durch das Versprechen der baldigen Wiederkehr derselben beruhigen. Aberdiese Armen sind auch des Segens und Heiles der Offenbarung so bedürftig, alsnur je ein Menschenkind. Ihr Geist ist in den widersinnigsten Aberglauben versunken,der Gedanke eines lebendigen schöpferischen GotteS, der die Menschen erhört, wenn siezu ihm flehen, ist ihnen fremd und tröstet sie nicht in den Uebeln, die sie umringen,und denen sie ohne Kleidung, ohne wohlverwahrtes Obdach, ohne Erfahrung und