Ausgabe 
12 (4.1.1852) 1
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Beſorgniß in die nahe drohende Zukunft, denn ein unſeliges Zerwürfniß war inFolge der vorangegangenen zweijährigen Wirren zwiſchen den Regierungen des deut-ſchen Vaterlandes eingetreten, und drohete in einen verheerenden Bruderkrieg auszu-brechen, der nur mit der Verſtümmelung und dem Tode vieler Tauſende, mit demJammer und Elende vieler Hunderttauſende, und mit der Verarmung und Verwüſtungganzer Länderſtriche wäre zu Ende geführt worden. Darum forderte ich Euch damalsauf, zu dem Herrn zu flehen, daß Er die drohende Kriegsgeißel gnädig von unswende und uns den Frieden bewahre, damit wir in Ruhe und Eintracht Ihm unge-ſtört dienen könnten.

Und der Herr hat unſer armes Flehen gnädig erhört und Gedanken des Frie-dens und weiſer Verſtändigung in die Herzen der Fürſten und ihrer Rathgeber geſenktund das Vaterland vor all' dem Blutvergießen und Gräuel bewahrt, der des Kriegesunabwendbares Gefolge iſt.

Es ziemet ſich daher, daß wir am Schluſſe des Kirchenjahres, uns im Geiſtein ſeinen Anfang zurückverſetzend, unſerm Gott dafür danken, daß Er nicht nachunſerm Verdienen mit uns gehandelt, ſondern in Seiner reichen Erbarmung die dro-hende Gefahr abgewendet und uns vor den Schreckniſſen des Krieges gnädig bewahrthat. Preis und Dank ſey Ihm dafür auch jetzt noch von uns Allen dargebracht.

Allein bei dem Vorausblicken in das neue Kirchenjahr, welches die Adventzeituns eröffnet, finden wir leider nur zu dringende Veranlaſſung, mit jenem Danke fürerhörtes Gebet neues Flehen zu verbinden, denn verkennen dürfen wir es nicht, daßnoch ganz andere Gefahren im Anzuge ſind, als die vor einem Jahre aus einemgeregelten Kriege berechtigter Fürſten uns bedrohten, und daß namentlich das kom-mende Jahr 1852 vielleicht wieder ein Jahr voll ſchwerer Prüfungen, ernſtlicherKämpfe und verhängnißvoller Entſcheidung ſeyn könne. Denn es iſt das Jahr,worauf in aller Welt Gottloſigkeit und Empörung ihre Hoffnung geſetzt haben, weil, Ihr wiſſet es, die Neuwahl eines oberſten Staatshauptes in dem ſeit zweiMenſchenaltern einem verderblichen Regierungswechſel verfallenen großen Nachbarlandeſtattfinden ſoll, was den gegen alle menſchliche und göttliche Ordnung Verſchworenenwillkommene Gelegenheit bietet, ihre Kräfte aufs neue zu verſuchen, ob ſie nicht,wie vor ſechzig Jahren, die Herrſchaft in jenem Lande an ſich reißen, und von dortaus als Apoſtel einer neuen Weltordnung die Blutfahne über ganz Europa ſchwingenkönnen, Alles zerſtörend, was von jeher der Menſchheit heilig und heilſam geweſen:Gottes Ordnung in Kirche und Staat, in der Gemeinde und in der Familie, Recht,Eigenthum, Eheband, Kindſchaft und häusliches Glück; und vor Allem die Hüterinund Pflegerin dieſer Güter: die Religion, und ihren göttlich geformten Leib,die Kirche.

Daß Leß ihre Abſicht und ihr unablaſſtges Streben ſey, iſt keine Verdächti-gung, es iſt ihr eigenes Geſtändniß, welches ſie täglich in offenen Aufrufen undManifeſten gottlos und ſchamlos der Welt verkündigen.

Damit aber ſo frevelhaftem, aus der Hölle ſtammendem Beginnen ſein Deck-mantel und der Verführung ihre Lockſpeiſe nicht fehle, verkleidet ſich auch dieſerSatan in einen Engel des Lichtes, und wiederholt in neuer Weiſe das alte Lied,womit er unſere erſten Eltern aus dem Paradieſe vertrieben und in den Fluch unddas Elend geſtürzt, die er nun durch noch größeren Frevel von der Erde hinwegzu-heben vorgibt.Ihr werdet ſeyn wie Gott; nur hieß es damals:Ihrwerdet erkennen das Gute und das Böſe. Heute heißt es: Hinweg mit Gott!d. h. mit dem Glauben an Ihn; dann gibt es auch kein Böſes mehr; und ihr wer-

det erkennen, daß Alles gut iſt und erlaubt Hinweg mit Gott! dann gibt es auch

keinen jenſeitigen Himmel und keine Hölle mehr, und die Erde muß zum Himmelumgeſchaffen werden auf Koſten der Mächtigen und Reichen. Hinweg mit Gott!dann gibt es kein Eigenthum und keine Armuth mehr; denn jeder Menſch iſt nunein Gott, und kennt keine Beſchränkung weder im Beſitze noch Genuſſe des Irdiſchen.

Hinweg mit Gott! dann gibt es keine Obrigkeit, kein Geſetz, keinen Gehorſam mehr,