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denn jeder iſt ſein eigener freier Herr und ſein Wille ſein Geſetz. Hinweg mit Gott!dann gibt es keine Ehe, keine Treue, keine Familie mehr; Begierde und Luſt wech-ſeln nach Willkür und Laune, und die Kinder gehören Allen und Keinem.
Hinweg mit Gott! und darum hinweg vor Allem mit Kirche und Prieſterthum,die uns ſtets an Ihn erinnern und finſtere ſtörende Schatten in das helle Tageslicht
unſerer Freude und Weltbeglückung werfen! Hinweg mit Allem, was uns an ein
anderes Daſeyn mahnt, als das gegenwärtige, an ein anderes Glück, als das derSinne, an eine andere Geſchichte, als die von heute .....
Das, Geliebte! iſt der kurze Inbegriff des Evangeliums des Widerchriſts, defſenoffene unverhüllte Verkündigung das allermerkwürdigſte Zeichen unſerer an Zeichen ſoreichen Zeit, und darum von je dem Chriſten nicht genug zu beachten iſt.
Und fürwahr, wollte Gott in Seiner Gerechtigkeit dieſes Geſchlecht ſirafennach Verdienſt, Er dürfte nur jenem Geiſte des Widerchriſts, den ſie heuchleriſch„Socialismus“ nennen, den Sieg einräumen über die rechtmäßigen, ſchützendenGewalten, und die Erde wäre in ein Raubneſt wilder, ſich zerfleiſchender Thiere ver-wandelt. Das arme Frankreich hat es vor ſechzig Jahren erlebt, was es iſt um diegeprieſene Herrſchaft dieſer gottloſen Menſchheitsbeglückung, dieſer ſogenannten Frei-heit, Gleichheit und Brüderlichkeit: Freiheit des Raubens und Mordens, Gleichheitunter dem Meſſer der Guillotine, Brüderlichkeit in der Verarmung Aller, und mitRecht trägt dieſer Zeitraum für immer in der Geſchichte die gräuliche blutige Ueber-ſchrift: Herrſchaft des Schreckens.
Fragt Ihr, Geliebte, warum ich Euch an dieſe allbekannten Dinge erinnere?Weil das Gedächtniß der Menſchen leider ſo kurz iſt für die Lehren der Geſchichteund der Gottesgerichte, daß faſt jedes neue Geſchlecht dieſelben bittern Erfahrungenwieder durchmachen muß, die es ſich an den Erlebnifſen ſeiner Väter zu erſparengelernt haben ſollte; weil wir von Gott beſtellte Lehrer und Hirten der Völker nichtſchweigend zuſehen können, wie der Geiſt des Unglaubens mit Rieſenarmen an demgöttlichen Bau der ſittlichen Weltordnung rüttelt, den der Allmächtige auf dem ewi-gen Fundamente der zwei Geſetzestafeln und auf den Säulen der zehn Gebote zumHeile der Menſchheit erbarmungsvoll aufgerichtet; weil wir nicht ſchweigend zuſehenkönnen, wenn der Gottestrotz die heilige Inſchrift dieſer zwei Tafeln in dem Gewiffender Menſchen auslöſchen, und jene zehn Säulen muthwillig niederreißen will, dieTräger alles Rechtes, aller Ordnung und Geſittung, die Grundpfeiler aller menſch-lichen Gemeinſchaft, worauf die Pflichten gegen Gott und die Menſchen eingegrabenſind, und die da heißen: Du ſollſt Gott lieben über Alles und Ihm dienen; Duſollſt den Nächſten lieben wie Dich ſelbſt; Du ſollſt nicht ſtehlen, nicht ehebrechen,nicht tödten, nicht falſches Zeugniß geben, ſollſt Vater und Mutter und die Obrig-keit ehren und ihr gehorchen, ſollſt Deines Nächſten Weib, des Nächſten Eigenthumnicht begehren.... u. ſ. w. Weil wir nicht ſchweigend zuſehen können, wenn dieſeewigen Regeln der Gerechtigkeit und des wahren Socialismus umgeſtoßen und ihrgerades Gegentheil der Welt, vorerſt mit verführeriſcher Rede, und dann mit Feuerund Schwert aufgedrungen werden will! Weil wir überhaupt nicht zugeben können,daß eine andere Erlöſung gepredigt werde von den Uebeln, die die gefallene Menſch-heit drücken, als die uns in Jefu Chriſto, dem menſchgewordenen Gott erworbene;daß der Wahnwitz ſtolzer und gottloſer Menſchen einen andern Rathſchluß der Welt-
beglückung erſinne, als den der Allerbarmer von Ewigkeit gefaßt und ins Werkgeſetzt, indem Er die Welt ſo ſehr geliebt, daß Er ſeinen eingebornen Sohn dahin
gab, damit Alle, die an Ihn glauben, das ewige Leben haben; nicht zugeben, daßdas tägliche Gebet aller Menſchenherzen: Erlöſe uns von dem Uebel! nichtmehr an Gottes erbarmende Liebe, ſondern an die erdgeborne Weisheit gottloſerStaatsumwälzer gerichtet werde; nicht zugeben endlich, daß ein wahrhaftes dauern-des Glück auf dieſer Erde möglich ſey anders als in der Erfüllung des heiligen Ge-botes der Gottes⸗ und Menſchenliebe, in der geduldigen Ertragung des Kreuzes, dasdem Reichen wie dem Armen, dem Großen wie dem Kleinen von Gott zu ſeinem