Ausgabe 
12 (4.1.1852) 1
Seite
4
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

4

Heile zugewiesen ist, und jenen häufig noch peinlicher, als diesen drückt, anders alsin der gläubigen Aneignung des Segensspruches unseres Erlösers: Selig die Armenim Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich, selig die Sanftmüthigen, denn sie werdendas Erdreich besitzen; selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden; seligdie Hunger und Durst haben nach der Gerechtigkeit, denn sie werden gesättigt wer-den; selig die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen; selig die einreines Herz haben, denn sie werden Gott anschauen; selig die Friedsamen, denn siewerden Kinder Gottes heißen: göttliche SegenSworte, die einen bimmlisch lindern-den Balsam in die brennenden Wunden der armen Menschheit träufeln, während diegottlosen Worte der Volksverführer sie wie mit Schwefel und Höllenstein ätzen undvergiften!

Darum, GclieRe, dürfen Wir Hirten und Bischöfe nicht schweigen, sondernje geschäftiger die Verführung und sie ist eS still und schleichend fort und fortauch in unserm Lande, je größer die Gefahr, je näher vielleicht ein neuer offenerKampf, desto lauter müssen wir unsere Stimme erheben in Gottes Auftrag, undEuch warnen und ermuutern zum muthigen Ausharren bei der Fahkie Jesu Christi ,die da ist die Fahne des Glaubens und darum des Gehorsams, der Treue gegenGott, gegen Seine Kirche und gegen die von Ihm gesetzte, Seine Stelle auf derErde vertretende Obrigkeit. Denn daß dieser der Sieg bleibe, wenn es je wiederzum offenen Kampfe mit der Umwälzung kommen sollte, daran ist, wie ich oben ausden eingestandenen Absichten und Plänen ihrer Gegner gezeigt, Alles gelegen, unend-lich mehr, als der kurzsichtige, unbelehrbare Verstand so vieler unberufener Schwätzerbegreift, die nach Allem, was wir erlebt, eS noch immer für ein rühmliches, ver-dienstliches Werk halten, die Obrigkeit zu schmähen, ihre Absichten zu verdächtigen,und den Maaßregeln, welche die Verderbniß der Zeit und die Pflicht der Selbsterhal-tnng nöthig machen, den schlimmsten, völkcrfeindlichen Sinn unterzulegen.

(Schluß folgt.) "1 ÄiM .«-!!!>': ",

Aphorismen aus einer Schrift des Marquis Donoso Cortes .

Ein Verein katholischer Gelehrten hat sich die verdienstliche Aufgabe gestellt,dem französischen Volke eine Lidliotnizczue nouvelle klassischer, in katholischem Geistegeschriebener Schriften darzubieten. In dieser Sammlung erscheint auch eine Schriftunter dem Titel: Ls5gi 5ur le cgtllolicisme, Is lideralismö et I« soeialisme vondem ruhmilchst bekannten Donoso Cortes . Sie enthält eine Fülle von inhaltreichenGedanken, in geistvoller Form ausgeführt, und überall getragen von dem sichernGrunde des Glaubens und der ticfinnigsten religiösen Ueberzeugung eines treuenSohnes der katholischen Kirche . Wir glauben daher, daß eS den Lesern nichtunwillkommen seyn werde, wenn wir im Folgenden einige der vielen glänzenden undgeistreichen Bemerkungen des Verfassers als Aphorismen mittheilen. Denn wenn einMann von solchem Geiste und Charakter, wie sie dieser edle Spanier in sich vereinigt,vie Ergebnisse seines Nachdenkens über die wichtigen und schwierigen Fragen, welchedas Leben der Menschheit in seinem innersten Kern berühren, unS vorlegt, so werdenwir durch ein näheres Eingehen daraus gewiß Nutzen ziehen. Wir lesen in dieserSchrift unter Anderm Folgendes:

1.Die Verminderung des Glaubens, welche die Beeinträchtigung der Wahr-heit nach sich zieht, hat nicht gerade die Verringerung, wohl aber die Verirrung dermenschlichen Einsicht im Gefolge. Barmherzig und gerecht zugleich, versagt Gott den sündigen Vernunftwesen das Leben nicht, aber die Wahrheit: zum Irrthum ver-dammt er sie, nicht zum Tode. Alle haben wir vor unsern Augen daS an Unglau-ben so reiche, so durchaus verfeinerte Jahrhundert an unS vorüberziehen sehen, dasdemungeachtet auf dem Strome der Zeit wehr eine sengende, als glänzende Spurzurückließ, unh wie Phosphorglanz durch die Geschichte leuchtet. Dennoch wird, wer