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an den Wänden der Nische erblickt das Auge die feinste Bekleidung von buntemMarmor, ohne daß man jedoch, wie dieses so häufig der Fall ist, eine Uebertrei-bung oder ein Ueberladen in den Farben zu tadeln hätte. Ernst und ehrwürdig,ermunternd und mahnend zugleich blicken dann von der Wölbung der Nische die gro-ßen Mosaikbilder mit ihren lebendigen Augen auf unS herab. Es ist Christus derHerr, dargestellt auf den verklärten Fluren deS Paradieses; zu seinen Füßen ent-springen die Ströme deS lebendigen WasserS, und zu beiden Seiten stehen PetruS und Pauluö mit andern Heiligen. In der That, wunderbar ist es um diese Mosaik-bilder in den altchristlichen Kirchen Roms und anderswo: so ungelenkig, so steif siesind, so viel die neuere Kunst daran kritteln und bessern möchte, sie genügen demchristlichen Herzen, sie sprechen zu demselben und führen es dem dargestellten Gegen-stände sofort nahe.
Wandern wir nun links und rechts von der Chornische in die Capellen, vonder des heiligen SacramentS in die Crucifircapelle, von der des heiligen Beuedict indie Capelle des heiligen Stephanus: überall erblicken wir den Reichthum und diePracht mit der Kunst und Frömmigkeit im Bunde. Der Boden ist künstlich ausge-legt mit kostbarem Gestein, die Wände sind bekleidet mit prächtigem Marmor, diegewölbte mit Malerei oder Vergoldung geschmückte Decke wird von schlanken Granit-säulen getragen, und von oben herab fällt durch farbige Gläser daö Licht. Wirkönnen nicht sort von hier, ohne zu beten!
Werfen wir nun noch einen Blick über den ganzen innern Raum der Kreuz-arme (also deS QuerschiffeS). In der Mitte der ehrwürdige gothische Baldachinüber dem Grabe deS Apostels, von den Seilenwänden her der Glanz des edlen Mar-mors und deS Alabasters, an den beiden Schlußwänden die großartigen Gemälde,die Bekehrung des heiligen Paulus und die Krönung der heiligen Jungfrau darstel-lend, bei welchen die neuere italienische Kunst Alles, was sie vermag, aufgebotenhat; oben unter dem Gesimse die Mosaikbilder der Päpste vom heiligen PetruS andurch all' die Jahrhunderte hindurch, so lebend und so sprechend, die Decke mit herr-lichem Schnitzwerk weiß und golden: wahrlich, ein Anblick, der dem Deutschen dieVersuchung nahe legen könnte, auf einige Augenblicke selbst seiner gothischen Kirchenzu vergessen!
Nur den vollendeten und bereits eingeweihten Theil der Basilika sahen wir bisjetzt; wollen wir auch eintreten — und wen würde es nicht dazu drängen! in jenenTheil derselben, wo noch Hunderte von Händen täglich beschäftigt sind, die mildenGaben der Christenheit 5) zu einem glorreichen Denkmal des Weltapostels zu gestal-ten, so müssen wir denselben Weg zurückwandern und das Gebäude umgehen, umzum Hauptportal zu gelangen; denn daS Querschiff ist zum Zweck deS Gottesdiensteseinstweilen noch durch eine Bretterwand vom Hauptschiff geschieden. An der massivenSäulenhalle vor dem Portal hat das Feuer vergebens seine verwüstende Kraft ver-sucht; sie steht noch und wird unverändert bleiben. Treten wir nun ein! Gewiß,daS Schweigen und die staunenden Blicke Aller sagen es mir deutlicher, als Wortees auszudrücken vermöchten: diese großartig weiten Räume, welche dennoch so leichtübersichtlich und in allen ihren Theilen so harmonisch geordnet sind, waren uner-wartet! — Vierzig Granitsäulen scheiden den Raum in daS Haupt- und vier Neben-schiffe; Proportion und Arbeit ist bis in das Kleinste hinab gleich bewundernswerth.Hier sehen wir die Reihenfolge der Päpste in deren Bildern fortgesetzt. Die Täfe-lung der Decke mit ihrem feinen Schnitzwerk, welche eben so viel Fleiß alsTüchtigkeit erfordert, geht ihrer Vollendung entgegen. Auch die Wandbekleidung mitMarmor ist beinahe ausgeführt. Noch einige Jahre der rastlosen Arbeit, und anjenen mit dem Kranz bezeichneten Stellen werden Alläre sich erheben, und auch hierwerden dann die Lobgesänge der frommen Pilger von Nah und Fern zu Ehren deS
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') Leo XII. ließ in der ganzen Christenheit zum Neubau sammeln, und reichlich flössen vonallen Seiten die Beiträge.