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ohne daran zu mäckeln und zu schwärzen; Genofeva wurde als Schwärmerin undHeuchlerin verdächtigt und endlich selbst der Verdacht eines unerlaubten Umgangesihr nicht erspart. Sie hatte diese Befeindungen zu ertragen, bis der heilige Germa-nus von Aurerre zum andernmal durch die Gegend kam, um sich nach England zubegeben, sie in Paris besuchte, und ihre Gegner öffentlich der Verleumdung über-wies. Zum andernmal brach ein Sturm über sie los, als der Hunnenkönig AttilaFrankreich mit seinen Horden überschwemmte, die Einwohner von Paris in Schreckensetzte und zur Flucht bewog. Genofeva nämlich weissagte den Bewohnern den Schul)Gottes, wofern sie zu Uebungen der Frömmigkeit und Buße sich mit ihr vereinigenwollten und veranlaßte manche, den Gedanken an Flucht aufzugeben. Das erbittertedie andern, welche sie als falsche Prophetin erklärten, in solchem Maaße, daß sie ihrnach dem Leben strebten. Auch dießmal wurde der heilige GermanuS, obgleich zudieser Zeit nicht mehr am Leben, wiederum ihr Retter. Dieser hatte nämlich vonItalien aus, wohin er eine Reise unterommen, seilten Archiviacon nach Frankreich geschickt, und ihm bei dieser Gelegenheit auch „Eulogien " für Genofeva mittzegeben,fromme Geschenke, wie die Bischöfe sie als Zeichen und Ausdruck der kirchlichen Ge-meinschaft zu übersenden pflegten. Der Archiviacon gelangte, in Folge eines nichtbekannten Hindernisses, erst zwei Jahre später nach Paris , und übergab an Genofevadie Geschenke des heiligen Bischofs, der inzwischen bereits in Ravenna gestorben war.Dieser Ausdruck der Hochschätzung von Seiten des heiligen Germanus brachte ihreVerfolger zum Schweigen, und die Befeindung der heiligen Jungfrau verwandeltesich in Ehrfurcht und Vertrauen, als endlich ihre Vorhersagungen bezüglich der poli-tischen Ereignisse buchstäblich in Erfüllung gingen. Dieses Vertrauen bewies undrechtfertigte sich namentlich auch während der Belagerung von Paris durch den Fran-kenkönig Childerich . AIS nämlich die belagerte Stadt von Hungersnoth bedroht war,stellte sich Genofeva an die Spitze derer, die zur Beischaffung von Lebensmitteln auS>gesandt wurden, begleitete sie bis nach Arcis-sur-Aube und bis nach TroyeS , undführte sie durch alle Gefahren, die ihnen von Seiten der Feinde ringsum drohten,unversehrt in die Stadt zurück. Nachdem Childerich die Stadt eingenommen, konnteer, obgleich er ein Heide, den Tugenden der Heiligen seine Anerkennung nicht ver-sagen, und ließ sich durch sie zu verschiedenen Werken der Liebe und Freigebigkeitbewegen. Noch mehr stand sie bei ChilvcrichS Sohn und Nachfolger Chlodwig inVerehrung, den sie nie um die Freilassung von Gefangenen bat, ohne von ihm erhörtzu werden. Ueberhaupt waren der Ruf ihrer Tugenden, so wie ihrer Gabe derWeissagung uud der Wunder, die sie mehrfach wirkte, weithin gedrungen, so daßder heilige Simeon der Stylite von ihr Kunde erhielt und sich in ihr Gebet empfahl.Sie starb in hohem Alter im Jahr 5l2. nur wenige Wochen nach Chlodwig , undwurde neben diesem ersten christlichen König der Franken in dem Raum der Kirchebeigesetzt, die derselbe auf ihren Anlaß zu Ehren der heiligen Apostelfürsten PetruSund Paulus zu erbauen augefangen hatte. ^Vollendet wurre sie erst nach dem TodeChlodwigs durch seine Gemahlin Clotilde ) Es ist dieselbe Kirche, die später nachihr genannt wurde, und an deren Stelle der jetzige durch Ludwig XV. begonnene inden 1790er Jahren vollendete Tempel sich erhebt. Die Bewohner von Paris warenstets gewöhnt, bei allgemeinen Plagen ihre Fürbitte anzurufen und erfreuten sichvielfach in solchen Fällen augenscheinlich wunderbarer Hilfe.