Ausgabe 
12 (25.1.1852) 4
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die Stiefmutter herbeigerufen, die sie rauh bei der Hand nahm, und sagte:Geh indein Zimmer, und wenn du mich noch länger durch dein Schreien langweilst, sobekommst du nichts zu Mittag." Und zur Magd sich wendend, sprach sie:Mar-gareth, verlaß auf der Stelle mein Haus, du verwöhntest dieses Kind auf lächerlicheWeise, eS war daher Zeit, daß dies aufhörte."

(Fortsetzung folgt.)

Die heilige Genofeva,

Schutzpatronin von Paris .

Wird in Deutschland der Name Genofeva genannt, so denkt man zunächstan die Geschichte, welche den Inhalt eines unserer schönsten Volksbücher bildet, daSin so trefflicher Weise von Christoph v. Schmid zu einer seiner vielgelesenenJugendschriften umgearbetet worden ist. Sofern diese Erzählung überhaupt auf geschicht-licher Grundlage beruht, darf die Heldin derselben nicht verwechselt werden mit derheiligen Genofeva, der Schutzpatronin von Paris , deren Name in jüngster Zeit auchin Deutschland viel genannt worden ist auS Veranlassung der Wiederherstellung deSihr geweihten, seitherdas Pantheon" genannten Tempels. Ihr JahrgcLächlnißwurde am 3. Januar begangen, so mag denn auö Anlaß desselben eine kurze Mit-theilung über sie in unsern Blättern willkommen seyn.

Die heilige Genofeva war in Nanterre, zwei Stunden von Paris , im Jahre422 geboren. Die Volkssage nennt sie eine Schäferin; wahrscheinlicher ist, daß ihreEltern SeveruS und Gerontia vermögende Gutsbesitzer waren, die denn wohl auchzahlreiche Heerden haben mochten. AIS im Jahr 429 zwei heilige Bischöfe Frank-reichs, GermanuS von Aurerre und LupuS von TroycS sich nach Großbritannien begaben, um dort an der AuStilgung der damals grasstrenden pelagianischen Irrlehrezu arbeiten, und auf ihrer Reise in Nanterre übernachteten, strömte eine große Volks-menge herzu, um ihren Segen zu erbitten. Auch die Eltern der heiligen Genofevamit ihrer damals siebenjährigen Tochter befanden sich unter der Menge. Da siel derBlick des heiligen GermanuS auf daS Kind, und mit jenem Tacte, der den Heiligeninncwohnt, ihres Gleichen aufzufinden, oder durch eine besondere Erleuchtung veran-laßt, rief GermanuS sie herbei, und unterredete sich mit ihr. Die Kleine sprach ihreAbsicht auS, als eine gottgewcihte Jungfrau ganz Jesu Christo anzugehören und inHeiligkeit zu wandeln. GermanuS ertheilte ihr seinen Segen, nahm sie mit sich indie Kirche, betete mit aufgelegten Händen über sie, unv gab sie dann ihren Elternzurück, indem er ihnen voraus sagte, wie ihre Tochter einmal eine große Heiligeseyn und durch ihre Heiligkeit Vielen zum auferbauenden Beispiele gereichen werde.Am andern Morgen, vor seiner Abreise, ließ GermanuS sie mit ihren Eltern noch-mals zu sich kommen, befragte sie von neuem um ihren Entschluß, und als sie den-selben wiederholt auösprach, ermunterte er sie, demselben treu zu bleiben, und schenkteihr ein kleines ans Kupfer gefertigtes Kreuz, daß sie es mit Weglassung alles son-stigen Geschmeides stets an ihrem Halse trage.

Von dieser Zeit an betrachtete sich Genofeva als ein gottgeweihtes Kind, hieltsich von allen Spielen und Belustigungen fern und unterzog sich mit Eifer den Uebun-gen in der christlichen Vollkommenheit. Nirgend war ihr so wohl als in der Kirche.Im Alter von fünfzehn Jahren wurde sie mit zwei andern Jungfrauen dem Bischofvorgestellt, damit sie den heiligen Schleier empfange. Dbgleich die jüngste, wurdesie von diesem den beiden andern vorangestellt, mit dem Bemerken, Gott habe siebereits geheiligt.

Nach ihrer Eltern Tod zog sie nach Paris zu ihrer Taufpathin und führte danunmehr ein Leben der strengsten Abtödtnng, verbunden mit der Pflege aller christlichenTugenden, Uebung guter Werke, und eifrigem Gebete. Die Welt ist sich immer gleichgeblieben; auch damals vermochte sie eine höhere Vollkommenheit nicht zu ertragen,