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Fürst-Erzbischof von Wien . Hochwürdigster, hochgeborner Herr Fürst-Erzbi-schof! Nichts konnte mir erfreulicher, nichts günstiger, nichts beglückender seyn, alsdie, durch ein Rückschreiben des Wiener -CommissariatS mir zugekommene Nachricht,daß Eure hochfürstliche Gnaden auf daö ehrerbietige Ersuchschreiben des CustodiatS-Discretoriums sich huldvoll entschlossen haben, daS, zum Zeichen der Verehrung undDankbarkeit für Hochdero übergroße Verdienste unserseits anerbotene Diplom desRitterordens vom heiligen Grabe unsers Herrn JesuS Christus , anzunehmen, somitin dem Register der Grabeöritler jenen hochherzigen Männern angereiht zu werden,welche sich um daS Grab Jesu vorzüglich verdient gemacht, und denen deßhalb daSheilige Land in hohem Grade verbunden bleibt. In der That, wer ist wohl der Ehreeines Ritters vom heiligen Grabe würdiger, als Eure hochfürstlichen Gnaden, hoch-welche nicht allein die Vorzüge eines wachsamen ProtectorS jenes General-Commissa-riateS, sondern auch die deS liebreichsten Vaters dieser heiligen Custodie ganz beson-ders auszeichnen? Empfangen daher Eure fürstlichen Gnaden mit angeborner Hulddie zwei Diplome, welche ich mir erlaube Hochdenselben unter Einem zu übersenden;EineS nämlich des Ritterordens vom heiligen Grabe, das Andere aber der Confrater-nität in unserm seraphischen Orden und dieser heiligen Missions-Custodie. Für hoch-ihre besondere Herablassung, welche ich in dieser Annahme hochverehre, so wie füralle unS bisher geschenkte Gunst und erwiesenen Wohlthaten geruhen Eure fürstlichenGnaden meinen und meiner Mitbrüder heißesten Dank huldreich entgegen zu nehmen,denn eine Vergeltung unterfangen wir uns gar nicht zu verheißen: zumal unseredießfällige Unzulänglichkeit nur zu offenbar am Tage liegt. Indessen geruhen Hoch-dieselben für gewiß zu halten, daß wir auch hinfüro in unserm Gebete und heiligenMeßopfer Euer Hochfürstlichen Gnaden eingedenk, an den heiligen Stätten Jerusalems zu dem Belohner alles Guten flehen, und ihn inständigst bitten werden, er wolleHochdieseiben lange erhalten, und mit dem Segen deS Himmels erfüllen. Mit beson»derm Dank muß ich erwähnen, wie willkommen und nützlich uns die Unterstützungenwaren, welche von dem dortigen Commissariate, dessen huldvoller Protector Eure hvch-fürstlichcn Gnaden sind, in neuester Zeit unS zugeflossen sind. Hochdenselben sinddie bcdaurungSwürdigen Verhältnisse Italiens keineswegs unbekannt; Verhältnisse,welche leider unter den Gläubigen jener Länder selbst die Möglichkeit hemmen, zurLinderung unseres Elendes ihr Schärflein wie früher beizutragen, da doch die Be-dürfnisse der heiligen Länder sich mit jedem Tage vervielfältigen und derart vermehren,daß uns zu deren Befriedigung die Hilfsmittel unerschwinglich geworden. Ich habemich bei Gelegenheit der canonischen Visitation überzeugt, daß die meisten unsererKirchengebäube einer bedeutenden Ausbesserung bedürfen; mehrere derselben aber,wegen allmäliger Zunahme der Gläubigen, eine Erweiterung fordern; einige befindensich leider in solch' elendem Zustande, daß ich sie den gottesdienstlichen Handlungenaugenblicklich geschlossen hätte, wenn mir anders Mittel zu Gebote ständen, anständi-gere Locale hiezu anzukaufen. Dazu gesellet sich noch der Umstand, daß in mehrerenOrtschaften Gotteshäuser von Neuem aufgebaut werden müssen; indem theils mehrereKatholiken sich da ansiedeln, theils Viele zum Katholicismus sich bekehren. Um nichtlangweilig zu werden, will ich andere Ucbelstände dieses Missions-TerrainS dießmalgar nicht anführen, da auch solche Hochderselben religiöses und hochedleS Herz ohneZähren des Schmerzes nicht vernehmen könnte. — Ich schließe daher mit der instän-digsten Bitte: Verlassen «Eure fürstlichen Gnaden die heiligen Orte und unsere Mis-sionen nie; sondern lassen Sie uns und unsere Angelegenheiten Hochihrem frommenund edlen Herzen jederzeit anempfohlen seyn. Entschuldigen Hochdieselben diese meineBitte und leben stets wohl! Euer fürsterzbischöflichen Gnaden demüthigster und dienst-willigster P. Bernardin von Montefranco in. p. CustoS des heiligen Grabes
und der gesammten heiligen Länder. ^__
Antwortschreiben des H. H. Fürsterzbischofs von Wien . Hoch-würdigster P. CustoS! Von dem Eifer für unsere heilige Religion geleitet, hatte ichnichts sehnlicher gewünscht, als daß eS mir von Oben gegeben werde, Etwas zur