Zwölfter Jahrgang.
Sonntags.Beiblatt
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Angsburger PojWtung.
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8. Februar «. 185S.
Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsprei«40 kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogm werden kann.
Charlotte Henriot,
oder Ergebung und Aufopferung.
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" Il-^iuib^ hzMrWwS'l,^>! Nü-^i. t»-"^,i - u.VII. Mißgeschick.
Ein Jahr war vorüber gegangen; einige Gruppen von Müßiggängern, in derStraße der Franciscaner stillstehend, besahen mit boshafter Neugier daS HauS Hen-riol's, das trotz der ziemlich späten Stunde sich noch nicht öffnete, um seine Waarenvor den Käufern auszubreiten.
„WaS geht denn hier vor?" fragte der Eine.
„Wenn es kein Unglück ist, so sind eS wenigstens Wechsel-Proteste. Gesternhat mein Neffe, der Gerichtsbote, deren drei an Henriot übergeben--"
„Aber--sie sind mir Geld schuldig," sagte ein Hinzukommender; „laß
sehen, ich will klingeln, damit ich weiß, was das bedeutet."
DaS Räthsel löste sich nur zu bald der ganzen Stadt: Mit Schulden bedeckt,ohne Credit und Hoffnung auf Rettung, hatte Henriot Abbeville verlassen und hinter-ließ Haus und Waaren seinen Gläubigern. Vor der Abreise hatte er seiner Fraueinen Brief voll bitterer, überflüssiger Vorwürfe geschrieben, und durchaus den Ortnicht angegeben, wohin zu gehen er gedachte. Dieser Brief wurde durch die MagdMclanien überbracht, als sie eben aufstehen wollte. Sie laS ihn, und voller Zornund Schrecken brach sie in Weinen und Wehklagen aus. Ihre Kinder liefen herbei,Charlotte folgte ihnen auf dem Fuße. Sie entnahm sogleich aus den einzeln auS-gestoßenen Worten der Stiefmutter die traurige Begebenheit, und obgleich ihre Klug-heit Alles vorausgesehen, erleichterte sie durch das stolze Wort: „Ich habe eS Euchwohl gesagt," niesen Trost eigensüchtiger Herzen, nicht ihren Schmerz. Aber mittenim größten Leiden, welches durch das Verschwinden ihres Vaters, die verlorene Ehreund den auf der Schwelle des Hauses sitzenden Fall sie ergriff, wußte sie die Festig-keit ihres Geistes und die Klarheit ihres Urtheils aufrecht zu erhalten. Mit einigenLiebkosungen und freundlichen Worten die Kinder entfernend, schickte sie die Magdaus der Stube, und setzte sich neben ihre Stiefmutter, welche, der Ueberlegenheitnachgebend, die starke Herzen über schwache ausüben, ausrief:
„WaS fangen wir an? Der Kopf schwindelt mir--alle Gläubiger werden
sich über uns herwersen.....Ich weiß nicht, waö ich ihnen sagen soll.. . Großer
Gott, welche Lagel---"
„Willst du mir erlauben, dieselben zu empfangen?"
„Gewiß; ohne Zweifel, du bist nicht betroffen, und ich sterbe, wenn ich darandenke -__—" ^ > ' > ^ " '
Und die ehemals so stolze Frau brach in Thränen aus und verlor sich in AuS-brüchen der Verzweiflung.