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der Gerechten preiset den Herrn, lobet und erhebet ihn über Alles in Ewigkeit.Ihr Heiligen und von Herzen Demüthigen preiset den Herrn, lobet und erhebet ihnüber Alles in Ewigkeit" (Daniel 3, 57.).
Das ist der Gott der Christen, der wahre, lebendige, persönliche,ewige Herr Himmels und der Erde. WaS ist aber der Gott der Rongeaner?Ein Wesen, das sie nicht näher zu bezeichnen wagen, ein sogenannter Weltgeist,von dem man nicht weiß, ob er ein von der Welt verschiedenes persönliches Daseynhat, oder ob er nichts anderes, als die Naturkraft ist. Als der Apostel im Areopagzu Athen den Gott der Christen den Heiden predigte, sprach er: „AIS ich umhergingund eure Götterbilder sah, fand ich auch einen Altar, auf dem geschrieben stand:dem unbekannten Gotie. Was ihr nun, ohne es zu kennen, verehrtet, das ver-kündige ich euch! Gott , der die Welt gemacht hat" (Apostelg. 17, 23). Seitdemist der unbekannte Gott auch den Heiden bekannt geworden; die Rongeaner aberwollen den Altar deS unbekannten GotteS wieder in unserer Mitte errichten. Christushat uns befohlen, einen Gott zu verehren, den wir kennen, den wir lieben sollenauS ganzem Herzen, auS allen Kräften, aus unserm ganzen Gemüthe; die Rongeaneraber verehren einen Gott, bei dem sie nichts denken, den man also nicht lieben, demman nicht dienen kann.
So ist eS also wahr: daS Christenthum hat nichlS gemein mit dem Ronge-thum. Der Christus und der Gott der Christen ist nicht das, waS die RongeanerGott und Christus nennen. — Ich bin aber weit entfernt, zu sagen, daß alle Jene,die sich jetzt äußerlich zu dieser Secte bekennen, den Glauben an Gott und Christus. verloren haben. Ich glaube vielmehr, daß eben der Mißbrauch unserer Namen,unserer Gesänge, mit einem romanhaften, sentimentalen Wesen umkleidet, viele Un-wissende nur irre geführt hat und daß viele unter ihnen nicht wissen, in welcheHände sie gefallen sind.
Wenn ihr mich aber fragt, Vielgeliebte, warum ich noch einmal auf diesenGegenstand zurückgekommen bin, so will ich auch darauf eine Antwort nicht schuldigbleiben.
Zunächst hat mich dazu das Verhältniß des RongeanismuS zu dem Un-glauben der Gegenwart im Allgemeinen bestimmt. Der RongeaniSmuS ist nichtetwas für sich Bestehendes, sondern nur ein Glied in der großen Kette der Ver-irrungen aller Jener, von denen der königliche Prophet sagt: „Warum toben dieHeiden und sinnen die Völker auf Eitles. ES stehen auf die Könige der Erde undkommen zusammen die Fürsten wider den Herrn und wider seinen Gesalbten! Lassetuns zerreissen ihre Bande und von unS werfen ihr Joch" (Ps. 2, 1.)! In katho-lischen Ländern Deutschlands nennen sie sich „Deutschkatholische," weil sieunter diesem Namen leicht Eingang bei Katholiken finden, in protestantischen nennensie sich „freie Gemeinden." In andern Ländern nehmen sie wieder andereNamen an. Im letzten Grunde gehören zu ibnen alle Jene, welche einen über-natürlichen Gott und eine übernatürliche Offenbarung nicht anerkennen undim Widerspruche mit aller gesunden Vernunft den Geist des Menschen als denhöchsten Geist an die Stelle GotteS setzen wollen, alle Jene, die wider Gott undseinen Gesalbten ausstehen, die daS Gesetz GotteS, daS Gesetz Jesu Christi zerreißenund sein Jock abschütteln wollen.
Ferner haben mich zu dieser abermaligen Erklärung einige Vorgänge in unsermengern Vaterlande bestimmt. Man hat, wie Euch bekannt geworden ist, meinenHirtenbrief, in dem ich, Euer katholischer Bischof, Euch, den Katholiken diesesLandes, einfach den RongeaniSmuS als den Widerspruch gegen das Christenthumbezeichnet habe, als eine maßlose Verhöhnung, Verleumdung und Provocation vordie Stände dieses Landes gebracht. Die zweite Kammer hat diese Beschwerde zurgeeigneten Maßnahme an die Regierung übergeben. Ich glaube nicht, daß etwasAehnlicheS noch in der Welt vorgekommen ist. Ich habe in meinem Hirtenbriefe dieWahrheit gesprochen. Die Lehre der katholischen Kirche ist eine weltkundige