Ausgabe 
12 (14.3.1852) 11
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Lectüre für den Priester; eS sind die Rubriken und gute Abhandlungen über die geist-lichen Verrichtungen, wie sie z. B. in demPriester im Gebet" vom heil. AlphonSvon Liguori sich befinden. Ein Geistlicher, der auf dem Lande lebt, würde eS hartfinden, wenn er an seinem Hause nicht einmal ein kleines Gärtchen, ein wenig Grünund ein paar Blumen hätte: aber wie öde und unerquicklich ist eS erst in einem geist-lichen Hause, worin nicht wenigstens einige jener Blumen anzutreffen sind, die Gott in seiner Kirche emporsprossen ließ zur Erquickung und Belebung Vieler, einige jenerBücher, in welchen große heilige Seelen die Geheimnisse und Früchte ihrer Gebeteund Betrachtungen zum Gemeingut Aller gemacht haben! ES gibt noch eine Art vonBüchern, die wir in dem Büchergestell eines Geistlichen gern sehen, eS sind Lebens-beschreibungen der Heiligen. Daß ein Geistlicher wenigstens ein gutes Leben derHeiligen besitze, versteht sich wohl eben so von selbst, als daß er eine heilige Schriftbesitzt; aber wir meinen, eS ist auch sehr gut, einzelne ausführliche Biographien derHeiligen zu haben, eines PhilippuS Neri, Franz RegiS, Franz Xaver, Franz v. SaleS,Karl BorromäuS, AloisiuS, Franz von Assisi , Vincenz v, Paul, einer heiligen The-resia, Elisabeth u. s. w. Es gibt kaum etwas, waS so stärkt, tröstet, erfrischt, zureigenen Heilung antreibt, als die Lesung deS Lebens der Heiligen.

Muß denn nicht aber auch der Geistliche in seiner Bibliothek Predigtbücher undandere Hilfsmittel haben? Gute katechetische Bücher, Beispielsammlungen, wer solltedie nicht für nützlich halten? Aber moderne Predigtbücher? Predigten, die durch Formund Inhalt ausgezeichnet sind, haben immerhin großen Werth; doch dürfen sie niegeradehin zum Auswendiglernen benützt werden, denn gewärmte Speisen sind nichtschmackhaft, und aus gebrauchtem Zeug macht man keine neuen Kleider. Aber zumNachlesen eignen sie sich gewiß, weil man daraus viel gewinnen kann. Nebrigenssoll man seinen Predigtstoss jederzeit studiren, darüber gute Werke durchschauen undmeditiren, und dazu dienen besonders die Werke erprobter GeisteSmänner.

Nun noch ein Wort von einer besondern Bibliothek, die jeder Seelsorger habensollte, nicht für sich, sondern für seine Gemeinde: eine Lesebibliothek guter katholischerBücher für Kinder und Erwachsene. Ist eS aber möglich sich eine solche anzuschaffenund eine solche Last sich aufzubürden? Wir glauben wohl; denn die Erfahrung hateS gezeigt, daß auch arme Geistliche sich eine solche Bibliothek anschaffen, und damitvielen Nutzen stiften können.

Die Geistlichen waren durch Jahrhunderte die Träger der Wissenschaft und derLiteratur. Möchten sie eS allzeit seyn! Eine Quelle des herrschenden GlaubenSver-falleS im Volke würde bald verstopft seyn, wenn jeder Priester eifrig, unv in soweit es seine Geschäfte gestatten, sich mit der katholischen Wissenschaft und Literaturbeschäftigen würde. Und glücklich und segcilSreich würden die Geistlichen leben, wennsie Männer heiliger Wissenschaft und heiligen Lebens allzeit wären; wie erhaben stün-den sie über dieser hohlen und erbärmlichen Welt! Die Bücher machen zwar denMann nicht; doch kann man meistentheilS den Mann an seinen Büchern erkennen,zumal an denen, die nicht bestaubt auf dem Büchergestelle, sondern abgestaubt undbenützt auf dem Tische liegen. Wir rathen keine unvernünftige Verschwendung fürBücher, aber die nothwendigen Bücher sollte Jeder besitzen, so gut als das täglicheBrod, und eS ist gewiß besser und eine schönere Zierde, ein Bücherbrett voll tüch-tiger Theologen und GeisteSmänncr, als ein Schrank voll modischer GlaS- und Por-zellanwaaren, als Pendeluhren, Sopha'S und anderer Tand, der die Freunde nichterbaut, und die Feinde zum Aerger, Neid und bissigen Bemerkungen reizt. Darumsuche Jeder sich mit etwas Rechtem zu versehen, nicht mit oberflächlichem fadem Zeugoder belletristischem Kram, sondern mit gesunder Geistesnahrung;denn Alle," sagtder heilige ThomaS,sind gehalten dasjenige zu wissen, was zu ihrem Stand undihrer Pflicht gehört, denn sonst machen sie sich einer Unterlassungssünde schuldig."'uvtZi 7U? 5>Nlm?Ili!? »jz ,vzytv!»ii5j5 zii't , jisiAlN °>l><(>i^D!l? zjc> ,7>chüV'''zK?i»iZtzv Z7ZK'

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Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Jnhaber: F. C. Kremer.