Ausgabe 
12 (14.3.1852) 11
Seite
87
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

87

pel der Kalholicität besitzen. Die Wissenschaft deS Kirchenrechtcs ist von sehr großerBedeutung, und eS kommt deßhalb sehr viel darauf an, auö welchen Quellen siegeschöpft wird. ES gibt Lehrbücher deS KirchenrechtcS, die Grundsätze enthalten,welche im Leben angewandt der Kirche tiefe Wunden geschlagen haben, die derKirche Rechte ab- und dem Staate zusprechen, welche der Ersteren doch von ihremgöttlichen Stifter eingeräumt sind. AlS Handbücher soll man dergleichen in derBibliothek eines Geistlichen nicht finden, sondern nur solche, die Gott geben, waöGotteS, und dem Kaiser, waS des Kaisers ist, wie daS Lehrbuch von Walter,daö Kirchenrecht von Phillips und von Pachmann, und unter den lateinischen daSvon Devoti.

Eine katholische Kirchengeschichte ist gleichfalls für den Geistlichen nothwendig,oder doch wenigstens wünschenSwerth, desgleichen ein gutes liturgisches Werk, eineAnleitung zur Pastoration und insbesondere zur Verwaltung deS heiligen Sacramen«teS der Buße und ein gutes katechetisches Werk, Indessen halten wir nicht dafür,daß die bloße Lectüre von Lehr- und Handbüchern hinlängliche theologische Nahrunggewähre. Kann auch nicht jedem Geistlichen ein förmliches Studium der Väter undder kirchlichen Quellen angemuthet werden, so sollte doch Jeder mitunter auS diesenQuellen trinken, in denen das lebendige Wasser gleichsam unmittelbar aus dem Fel-sen sprudelt. ES ist eine ganz andere Sache die Wahrheit aus dem Munde einesheiligen Kirchenvaters, als aus dem eines, wenn auch noch so tüchtigen Professorszu vernehmen. Daher ist so gut, wenn ein Geistlicher daS eine oder das andereBuch eines Vaters besitzt und liest. In den Iristitutioneg patrologiae von vr. Feßlerist Jedem zur Kenntniß und Lesung der Väter eine sehr tüchtige und praktische An-leitung geboten.

DaS nun scheint das Wichtigste, waS über die nothwendigen Bücher zum fort-währenden Studium der heiligen Wissenschaften zu sagen ist. Wenden wir uns zuden Büchern, welche die Wissenschaft der Heiligen betreffen. Da müssen wir vorAllem gestehen, daß eS in dieser Beziehung in gar manchen geistlichen Bibliothekennicht am Besten bestellt ist, und das sollte nicht seyn. Ein Priester, der nicht betrach-tet, ist todt in sich und für Andere, mag er auch lebendig scheinen; er wird nichtpredigen wie Einer, der Gewalt hat; das Wort GotteS wird nicht fruchtbar seyn inseinem Munde. Die theologische Wissenschaft allein heiligt weder den Geistlichen nochseine Zuhörer und Beichtkinder. Ehe sie fruchtbar werden kann, bedarf die theolo-gische Wahrheit einer Zubereitung, die kein Studium verleihen kann; sie muß zuerstdurch Betrachtung und Gebet in die Seele des Priesters aufgenommen, und hier auSabstrakten Begriffen zu Geist und Leben werden, und nur als Geist und Leben, nichtaber als todler Begriff kann sie dann befruchtend von Kanzel und Beichtstuhl undauS jedem Wort deS Priesters überströmen in die Herzen der Gläubigen. Nunwissen wir wohl, daß man betrachten kann auch ohne BctrachtungSbücher; aber wirglauben, daß, wer gern betrachtet, sich auch gern die Werke jener GeisteSmänneranschafft, die besser haben betrachten können, als wir. Auch glauben wir, daß,einige wunderbare Ausnahmen abgerechnet, noch kein Priester ohne alle Hilfsmitteldie Kunst der Betrachtung in dem Grade gelernt hat, daß er nun keines Buchesmehr bedarf. Von den eigentlichen BetrachtungSbüchern verschieden sind die Bücherzur geistlichen Lesung, die der Priester ebenfalls so sehr benölhiget.

Wir wollen von den BetrachtungSbüchern Eines hervorheben, das statt einerBibliothek dienen kann, die Betrachtungen über die vorzüglichen Geheimnisse deSGlaubens von Ludwig de Ponte, dessen deutsche Uebersetzung nun mit dem sechstenBande vollendet ist. Hier ist Stoff in Fülle für daS ganze Leben, nicht blos zureigenen Betrachtung, sondern auch zur Predigt. Als geistliche Lesung steht diesemebenbürtig zur Seite die Uebung der Vollkommenheit von AlphonS Rodriquez. Klei-nere aScetische Bücher, die Nachfolge Christi, die Philothca, die Anleitung zur Voll,kommenheit vom heiligen AlphonS v. Liguori u. dgl., sollten die wohl in einem geist-lichen Hause nicht zu finden seyn? Noch etwas ist eine gar nothwendige und nützliche