Ausgabe 
12 (11.4.1852) 15
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Der neue Aufschwung der katholischen Kirche »

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Dargestellt durch einen Protestanten in einem protestantischen

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Wer in die Geschichte im Großen sieht, kann sich nicht verbergen, daß dierömisch-katholische Kirche in neuerer Zeit einen höchst merkwürdigen Aufschwunggenommen hat. JnS öffentliche Bewußtseyn ist er bei^uiisin Deutschland zuerst getretenseit der Gefangennehmung des ErzbischofS Clemens August von Köln , EinsichtigeProtestanten (zu denen der Volksblattschreiber nicht gehörte), unseres jetzigen KönigsMajestät an der Spitze, sahen gleich damals voraus, wohin ein solches Zusammen-treffen ausschlagen muffe; weil jede Kirche, die auf den Namen einer christlichen nochirgend einen Anspruch hat, Waffen hat, an denen die Waffen der besten Gendarmeriestumpf werden müssen. Wenige Jahre darauf rief der falsche Prophet seinRom mußfallen!" und von da an schien der Aufschwung erst rechte Kraft zu gewinnen.Und als endlich das Jahr 1848 mit'allen seinen Mächten der Finsterniß hereinbrach,und als Rom wirklich vor Menschenaugcn fiel, da sahen wir erst daS Merkwür-digste: nämlich das Rom auch ohne Rom leben kann, und die katholische Kirche ent,faltete in den verschiedenen Theilen der Welt ihre lebhafteste Thätigkeit, während imVatican die rothe Republik thronte und der Papst ein verbannter Flüchtling war. . .Zu einer Zeit, wo die europäische Welt von den größten Erschütterungen zerrissenwar, und zwei Jahrhunderte lang in unserer protestantischen Kirche unter dem nichtendenden Streit der Schlachtfelder, der Höfe, der Kanzeln und Federn die seinerKirche vom Herrn aufgetragene Mission reinab vergessen war, zogen unter FranzXaver begeisterte Missionäre aus der katholischen in Schaaren zur Bekehrung beiderIndien, fielen Tausende von Märtyrern in Japan , wurden ganze Länder, wieParaguay , unter dem Schirme des Evangelii civilisirt. Zu einer andern Zeit, wodie Allmacht der StaatSmaschinen Alles, was Selbstständigkeit hatte, verschlang, undihre tödtende Hand über Alles legte, waS fromme Vorzeit geschaffen, erstandenaus der katholischen Kirche unter Vincenz von Paula und seinen Nachfolgerndie neuen Schöpfungen christlicher Licbeömacht für die leidende Menschheit, für dieKranken, die Gefangenen, die Armen, für die Verlassenen, die Verlornen, die Ge-fallenen, die uns jetzt als Vorbilder dienen. Und selbst zu der Zeit, wo dieArbeit an der Zerstörung der Kirche auf unsern öffentlichen Lehrstühlen in vollerBlüthe, und kaum ein Pfarrhaus war, in dem nicht daS Wort Gottes sammt denbeschworncn Bekenntnissen leichter gewogen hätte als daS erste beste Regierungs-Rescript und als der erste beste Einfall eigener Klugheit oder Trägheit, gingdie Hälfte der französischen Geistlichkeit willig in die Gefängnisse der Revolution, aufdaS Blutgerüst und in die Verbannung, ehe sie einen Eid geleistet hätte, der ihrkirchliches Gewissen verletzte.. . Doch wir wollten uns nicht in die Vergangenheitverlieren, sondern die Zustände, wie sie diese Neujahrssonne beleuchtet, so unbefan-gen als möglich beobachten. Eine in sich einige, geschlossene Macht, die weiß,was sie will, macht die katholische Kirche gerade in Zuständen der Auflösung um sichher ihre größten Eroberungen, alle Zeitströmungen kommen ihr zu Nutze. Auf dendeutschen Einheitsschwindel baut sie den Kölner Dom ; in den vagenconstituirendenVersammlungen" greift sie mit sicherer Hand nach den bleibenden Gütern: Kirchen-und Unterrichtsfreiheit; mit den Errungenschaften ziehen, deS Verbotes ledig, ihreMissionen durch die Länder; von allem aufgeschossenen Associationswescn der tollenJahre ist der feste Zusammenschluß des deutschen Episkopates, mit dem großen Umkreisderkatholischen Vereine", der sich an ihn lehnt, fast das einzige solid übrig geblie-bene. DaS herrenlos gewordene Belgien nahm sie für sich zu einem Hauptquartierein Beschlag; aus den ungewissen Geburtswehen und der Ratlosigkeit Alt, Englands

') Durch Herrn Philipp Nathusius in dem von ihm rediqirtcn, in Halle erscheinendenVolks-blatt für Stadt und Land", Nr. 3 vom 10. Januar 135L.