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gesunden Vernunft zu rechtfertigen. Während ein Prinz von Preußen sich an dieSpitze dieser Gesellschaft stellt, während ein Napoleon des Friedens in seltsamer In-konsequenz einen seiner Verwandten als Großmeister der Freimaurerloge autorisirt,während selbst sonst klardenkende, hellsehende Männer die Sache als Phantom belächeln,macht ein tief eingeweihtes Mitglied dieser Gesellschaft folgendes Geständnis: „Derrömischen Hierarchie muß man die Gerechtigkeit widerfahren lassen: sie erkannte Zweckund Tragweite dieses Bundes und die Wichtigkeit desselben früher und klarer undblieb ihren Ansichten treuer als viele Glieder des Bundes selber." (Deutsche Viertel-jahrSschrift 184k. I. Heft.) So wird die katholische Kirche auS dem Munde ihrerTodfeinde gerechtfertigt, so wird sie zur Lehrmeisterin der Politik, indem sie die Re-volution in ihrer Wurzel, in den „großen" Grundsätzen deS Jahres 1789: Freiheit,Gleichheit und Bruderliebe aufaßt und ausrottet. Wir begrüßen daher vr. Ecker tSGesuch an den Bundestag um Aufhebung deS Freimaurerordens als einen kühnen,katholischen Griff, als einen Act welthistorischer Bedeutung, und die „Presse" hattenicht nothwendig, diesem Manne, der mit seltenem, höchst empfehlenSwerthem Frci-muihe für Kirche und Staat in die Schranken tritt, Bescheidenheit zu empfehlenUnser Motto ist: „Kein Recht für das Unrecht!"
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Während die Missionsprediger mit unermüdlichem Eifer das Licht des Glaubenszu neuer Glut anfachen, halten die aus Westfalen zu unS herübergewanderten Väter vomOrden des heiligen FranciscuS hier auf dem Annaberge Bußpredigten eigenthümlicherArt, die von Hohen und Niedrigen beherzigt werden. Zwar sind sie meist von polnisch-redenden Anwohnern umgeben; das gewöhnliche Mittel gegenseitiger Verständigung, dieGemeinschaft der Sprache, fehlt — und dennoch werden sie verstanden und begriffen.Der armselige Habit, die unbekleideten Füße, das harte Lager, die dürftige, erbettelteNahrung verschließen den Mund deS armen Polen , wenn ein Klagelaut sich hervordrängt.Die Freude und die Freudigkeit, welche er in den Mienen des armen FranciscanerS er-blickt, weisen ihn hin auf die Verheißung deS Herrn, daß die Armen selig und ihrer dasHimmelreich seyn werde. Der Reiche fühlt sich beim Anblicke deS um deS höchsten Besitzeswillen alles irdischen Besitzes entblößten PaterS beschämt und belehret. „Was nützt diralleö," denkt er bei sich, „wenn du nach den flüchtigen Tagen deS Wohllebens deine Seeleverlierest? WaS hast du bis jetzt für dein ewiges Heil gewirket? Wie wird deine Rechnungstehen, wenn du so hinübergehst und hintrittst vor den Richter der Ewigkeit?" Von ähn-lichen Gefühlen und Gedanken mochten die Protestanten überrascht und bewältigt seyn,welche mit den PatreS zusammentrafen. In Minden, Hannover, Braunschweig, Berlin .Frankfurt waren diejenigen selten, welche ein Wort des Spottes oder ein Hohnlächeln sicherlaubten: die Mehrzahl der Protestanten behandelte die Patres mit Hochachtung undgewährte ihnen gern das Brod oder das Obdach, um welches sie baten. In der freiwilli-gen Entsagung liegt eine Kraft, der daS Herz deS denkenden Menschen sich nicht verschlie-ßen kann. Kälte und Hitze, Hunger uud Durst, Geringheit und Verachtung aus höherenGründen gern übernehmen, das ist ein Thun, welches im Christenthum seine Wurzel, imLeben deS Heilandes und der Apostel seine Richtschnur und sein Vorbild findet. Der Hel-denmuts) dieser Männer, so wie die Hochachtung, die man ihnen spendet, sind Zeugnissevon den Elementen, die noch im Volke leben. Verzweifeln wir darum nicht in unsererZeit! Das Samenkorn, daS die Söhne deö hl. FranciScuS ausstreuen, sprießet schon jetztauf; cS wird rascher und freudiger aufblühen, so bald sie durch Aufnahme neuer, schonangemeldeter Mitglieder im Stande seyn werben, durch ihr Wort das zu deuten, was ihrWandel ahnen läßt. Gesegnet das Land, wo solche Apostel austreten, die alles für AuS-kehricht hallen um der Liebe Christi willen und selbst als Verworfene gelten mögen, umAndere zu retten! (Münst. Sbl.)__
BerlagS-Jnhaber: F> C. Kremer.