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Als ein neuer Wohlthäter der leidenden Menſchheit ward unſer Aloiſtus nahebei Turin, der Hauptſtadt Piemonts, am 26. December 1770 von tugendhaften,katholiſchen Eltern geboren. Den Vater verlor er ſchon in ſeiner allerfrüheſten Kind-heit, die Mutter im ſechsten Jahre ſeines Alters. Deſſenungeachtet erhielt er eineaͤusgezeichnete, chriſtliche Erziehung, moraliſche und wiſſenſchaftliche Bildung in denverſchiedenen Schulen und Gymnaſien der Hauptſtadt durch die Sorgfalt ſeines eifri-gen Erziehers.
Als Er das geſetzliche Alter erreicht hatte, entſchloß Er ſich Prieſter zu wer-den und in den ehrwürdigen Orden des heiligen Franciscus strengster Observanz zutreten, um das Eine Nothwendige nicht zu verlieren(porro unum est necessarium,Lucas 10, 42) und in den Stand geſetzt zu werden, ſeinem Nächſten zu nützen.Und es ſcheint fürwahr, daß die Natur ſelbſt unſerm Aloiſtus den Drang eingepflanzthabe, ſeinem Nebenmenſchen zu nützen, welchem Volke, welcher Religion er auchimmer aͤngehören möge. Der Erfolg zeigt am beſten, daß die göttliche VorſehungIhm den erhabenen Beruf eines Wohlthäters der leidenden Menſchheit im Allgemeinenangewieſen habe. Und in der That, nicht zufrieden die verſchiedenen Seelenleidenſeiner Mitmenſchen in dem Vaterlande zu ſtillen, verlangte unſer Aloiſius als apoſt-liſcher Miſſionär in die Levante geſchickt zu werden(vom Himmel dazu berufen, wiees ſcheint) und es gelang Ihm endlich nach vielen Kämpfen, dieſes ſein Verlangendurchzuſetzen.
Im Anfang des jetzigen Jahrhunderts kam Er in das Vaterland des heiligenPolykarp. Es iſt unbeſchreiblich, mit welcher Hingabe, mit welchem Eifer Er ſichnun gänzlich ſeinem edlen Berufe widmete, auf jede mögliche Art und Weiſe derleidenden Menfchheit zu nützen. Es ſcheint mir ich ſehe Ihn, Allen Alles geworden,um alle Chriſto zu gewinnen, wie ein zweiter heiliger Paulus. Darum ſehet Ihnjetzt in Smyrna als Lehrer von Kindern der verſchiedenſten Nationen mit verſchiedenenSprachen, der Griechen, Italiener, Türken, Armenier und Araber. Da lernte Ernoch die ilitiſche Sprache, um die religiöſen Bedürfniſſe der Ilirier zu befriedigen,welche damals keinen Prieſter hatten, der ihre Sprache verſtand; dort ſuchte Er diegeiſtigen und körperlichen Gebrechen der Menſchen im Allgemeinen zu heilen. Daszeiſtige Bedurfniß der Katholiken rief ihn von der Hauptſtadt in das Dorf Burnabat.Von da kehrte er zum Drittenmale nach Smyrna zurück, um die Leitung ſeiner lie-ben Schule zu übernehmen und von der Schule weggerufen bekam er die Aufſichtuͤber das dortige Kloſter ſeines Ordens. Dieſem Berufe ſtand er mit größtem Eifer,einer ſeltenen Umſicht und unermüdeter Thätigkeit vor. Hier iſt es, wo ſich dieſchwierige Laufbahn unſers Aloiſtus eröffnet. Pfarrer, Guardian, Director einesKrankenhauſes, o mit welchem Eifer, mit welch unausſprechlicher Anſtrengung lindertund heilt er die vielen Gebrechen und Uebel der Leidenden!
Damit aber begnügte Er ſich noch bei weitem nicht! Seinem unausgeſetztenStreben gelang es, ein geräumiges Krankenhaus zu erbauen, das beſonders fürPeſikranke beſtimmt war. Unterſtüßt von der göttlichen Vorſehung, auf die Er ſichallein verließ, brachte Er dieſes Gebäude in ſehr kurzer Zeit zu Stande. Er ſelbſtleiſtete perſönlich nicht nur den gewöhnlichen Kranken, ſondern ſogar den Peſtkrankenalle möglichen geiſtigen und körperlichen Dienſte; vertrauend auf Jeſus Chriſtus,ward er ſo ein Diener, Beſchützer, Geſellſchafter und Vater der Kranken, derenunzaͤhlige Leiden und Schmerzen er linderte und heilte, wurde aber dadurch ſelbſtvon der Peſt angeſteckt.
Doch zurück, unheilvolle Seuche, zurück verwegene, wage es nicht ein ſotheures, gellebtes und nothwendiges Leben anzutaſten!— Die öffentlichen Gebeteder Bewohner Smyrna's ſtiegen empor zu dem Throne des Allerhöchſten, und dieunheilvolle Seuche verſchonte dieſes koſtbare Leben! Mit welcher Begeiſterung, mitweicher Hingabe Er ſich von nun an einzig und allein mit allen Kräften dem Dienſteder Peſttranken weihte, iſt nicht auszuſprechen,— ſo daß ſein Heldenmuth ſelbſt dieBewunderung der Weltweiſen und das Lob der Schriftſteller ſich erwarb. So ſchrieb