Ausgabe 
12 (16.5.1852) 20
Seite
156
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

156

der Katholiken Bayerns) ſchöne katholiſche Kirchen. Endlich kaufte Er mit großerAufopferung ein ſchönes Grundſtück zur Erbauung einer katholiſchen Domkirche in Athen,und hinterließ ſeinem Nachfolger die Ausführung dieſes herrlichen Unternehmens.

Von Sr. Heiligkeit Papſt Gregor XYVI. wurde Er dann im Jahre 1840 alsapoſtoliſcher Adminiſtrator des Erzbisthums von Naxos berufen, wohin Er ſich ſogleichvon der Hauptſtadt aus begab. Iſt es zu wundern, wenn ein Mann, der ſich ſoganz dem Wohle der Menſchheit widmet, die Achtung und Liebe Roms, Griechenlands, ja des katholiſchen Europa's ſich erwirbt? Ja es befremdet mich nicht, wennich höre, daß Papſt Gregor XVI. zu einem unſerer Geiſtlichen*) ſagte:Er(Aloiſius)ſey einer der ehrwürdigſten Biſchöfe der Kirche und Ihn zumPraelatus domesticusPapae et Solio Pontificio assistens macht. Es befremdet mich nicht, wenn Päpſte,Katſer und Könige Ihn lieben und auszeichnen. Frankreich, Oeſterreich und Piemontunterſtützten mit Geldmitteln ſeine herrlichen Unternehmungen zum Nutzen der Menſch-heit, zum Heile der Kirche.

Seine Majeſtät unſer allergnädigſter König Otto beehrte Ihn mit dem goldenenund ſilbernen Kreuze des Erxlöſerordens, und der erhabene Herrſcher von BayernMax J. mit dem Großkreuz des St. Michgelsordens, und die ganze Welt nennt Ihneinſtimmig den Wohlthäter der Menſchheit, den eifrigen Biſchof, wie wir bereitsgeſehen haben, und den eifrigen Diener Gottes wie wir noch kurz ſehen werden.

Die Frömmigkeit des dahingeſchiedenen Biſchofs war ungausſprechlich groß.Alles gebrauchte Er zur größern Ehre Gottes, zum Heile der Seelen und zum Dienſteder Kirche. Darüber Einiges mitzutheilen, beſtimmt mich vorzüglich der Umſtand,daß ich mit Ihm zwanzig Jahre lang umgegangen bin und Ihn immer aufs Ge¬—naueſt beobachtet habe. Nie habe ich einen ſanftmüthigern Menſchen gekannt, nieeinen demüthigern geſehen! Wie lebhaft war ſein Glaube, wie unerſchuüͤtterlich ſeineHoffnung, wie brennend ſeine Liebe zu Gott und den Nächſten! Mit welch kindlicherAndacht verehrte Er das Jeſukindlein(von welchem Er nie ohne Thränen der innig-ſten Rührung predigte), die ohne Makel der Erbſünde empfangene Gottesgebärerin,den ſeraphiſchen Vater Franciscus und unſern heiligen Schutzpatron Georgl Wieſtrenge war ſeine Enthaltſamkeit, ſo daß man Ihn oft ernſtlich darauf aufmerkſammachen mußte, daß ſein Alter und die vielen Gebrechen, an denen Er litt, Ihn hin-länglich vom kirchlichen Faſten diſpenſirten, welches Er bis ans Ende ſeines Lebenshielt. Bis zum vorletzten Tage ſeines Lebens unterließ Er das Breviergebet nie, ſozart war ſein Gewiſſen! Als der Tod, den Er ſchon längſt erwartet, ſich Ihmnahte, ſah Er ihn mit feſtem Blicke an. Er ertrug mit chriſtlicher Standhaftigkeitdie Leiden ſeiner kurzen Krankheit, und gab, geſtärkt durch die heiligen Sterbſacra-mente, geſtern Abends, d. i. den 30. October 1851 ruhig und getroſt ſeinen Geiſtin die Hände des Schöpfers zurück, unter den Gebeten und Thränen ſeines Nach-folgers und der anweſenden Prieſter, im 81ſten Jahre ſeines Alters, nachdem Erſechsundzwanzig Jahre Biſchof, achtzehn Jahre apoſtoliſcher Delegat und einundfünfzigJahre apoſtoliſcher Miſſionär in der Levante geweſen war. Und nun überlaſſe iches Dir, Geſchichte, unparteiiſche Richterin, die glänzenden Thaten dieſes großenMannes der Nachwelt zu erzählen, die Thaten dieſes ausgezeichneten Wohlthätersder Menſchheit, dieſes eifrigen Seelenhirten und frommen Dieners des Herrn.Leſet darüber, Zuhörer, ich bitte euch! den berühmten Pater Alexius Narbon societatisJesu aus Sicilien in ſeiner Geſchichte der Wiſſenſchaften tom. 8. 8. 333. Palermo 1833.

Nun laſſet uns beweinen den geliebteſten Biſchof, Vater und Hirten. Ewigſey ſein Andenken unter euch, ewig eure Liebe, eure Ehrfurcht und Dankbarkeitgegen Ihn. Ahmet beſtändig ſeine chriſtlichen Tugenden nach und bittet Gott inſtän-digſt, daß nun ſeine Seele in Frieden ruhen möge. Bei dem Tode dieſes berühmtenMannes erkennet ihr Alle die Eitelkeit des Irdiſchen, darüber beherzigt wohl jeneernſte Lehre des heiligen Geiſtes: Vanitas vanitatum et omnia vanitas. Ecl. 1, 2.

) Georg Brindeſi, Director des Seminars in Syra, Collega des Redners.