Ausgabe 
12 (30.5.1852) 22
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beherrschten; sie stammen von Männern ab, die, umgeben von den Denkmälern derGroßthaten ihrer Vorfahren, von den erhabenen Gesinnungen durchwärmt, die sich inden Ereignissen ihrer Vorzeit aussprachen, wenn auch zu schwach, eS ihnen gleich zuthun, doch in der Erinnerung sich gehoben fühlen, und diese Erinnerung als ihr bestesErbe den späten Nachkommen zu erhalten strebten. Dagegen der große Handelsplatzim Westen, was ist er anders, als ein Zusammenströmen von Abenteurern auS allenWeltgegenden, die alle Bande, die sie an ihr Geburtsland knüpften, zerrissen, jedesGefühl für Nationalität verläugnet, jede Werthschätzung historischer Beziehungen ver-gessen haben; denen keine andern Ueberlieferungen zusagen, als die sich aus die Whit«tingtone (glückliche Abenteurer) unserer Zeit beziehen, und die für keine andere Größeempfänglich sind, als für die Größe eines Inventariums. Die Einen sind vielleichtthöricht, indem sie daS Positive mit dem Idealen verwechseln; die Andern sind unver-mögend, sich über die Gränzen der niedrigsten menschlichen Bestrebungen hoch genugzu erheben, um eines Gefühles theilhaftig zu werden, daS etwas mehr ist als dasBewußtseyn, ihr ganzes Leben im beständigen Abquälen nach Gewinn zugebracht zuhaben.Dollars, Dollars, Dollars! Actien, Actien, Nctien!"......

Die Ceremonie der Segcnertheilung des PapstcS (am Grünendonnerstage undOstersonntage), so feierlich und großartig sie auch ist, ging für die gesammte Mengefast verloren, bis auf die Armbewegungen deö Papstes. Seine Stimme konnte nichtgehört werden; aber seine Bewegungen waren anmuthig und würdevoll. Die Katho-liken lagen auf den Knien; die Protestanten nicht; ich verwundere mich beinahe darüber;denn die Segenssprüche eines braven Mannes sind nicht zu verachten. In uns Prote-stanten steckt nur zu viel von dem:verdt will ich seyn! meine Religion verändern?nimmermehr!" jenes Matrosen; wir scheinen uns nur zu oft einzubilden, es liege etwasVerdienstliches in schonungsloser Intoleranz und in der Verachtung gegen Andersden-kende, wenn eS gilt, gegen Katholiken mit Nachsicht und Achtung uns zu benehmen.Wer aber freiwillig einem katholischen gottesdienstlichen Gebrauch mit beiwohnen will,ist meines ErachtenS verbunden, sich mit Achtung und Bescheidenheit zu benehmen;übrigens ist Gott überall gegenwärtig. Ich sehe nichts Unrechtes darin, mir allen An-wesenden vor dsr geweihten Hostie niederzuknien; denn wenn wir auch nicht an diewirkliche Gegenwart des Leibes deS Herrn glauben können, so sind wir doch überzeugt,daß andächtige Verehrung des höchsten Wesens, sey eS unter welcher Gestalt eS wolle,niemals außer der Zeit seyn könne."

Wir wiederholen eS noch einmal, es ist der Protestant, der beliebte, hoch-gepriesene, in Aller Händen sich befindende Romandichter Cooper, der diese Lehrenseinen Glaubensgenossen gibt.

Bericht des apostolischen BiearS für Centralafrika .

(Fortsetzung.)

In Sehnsucht, zu Chartum daS Weihnachtsfest zu feiern, erfolgte die Abreiseam 15. December bet starkem Winde, der eine beschleunigte Fahrt-verhieß. Aberdiese inländischen Schiffe können bei andauerndem Winde nur kurze Strecken zurück-legen; die Mannschaft erwies sich dabei so unbeholfen, daß die Missionäre nichtwußten, ob sie über ihre Ungeschicklichkeit sich ärgern oder lustig machen sollten.Bei der Nacht vollends wagten sie eS nicht, zu fahren. So gingen fünf Tage hin,bis die Stromschnellen zwischen Berber und Chartum erreicht wurden; andere fünfTage waren erforderlich, um diese zurückzulegen. Noch am 23. December lebte dieHoffnung, das Weihnachtsfeft in dem Missionshause feiern zu können. Aber keinWind erhob sich und die SchiffSlente fürchteten das Ziehen. Wohl stellte sich am24. ein leichter Wind ein; aber selbst ein mittelmäßig segelndes Schiff hätte nochzwei Tage gebraucht, um Chartum zu erreichen. Die Gefährten mußten dem Unab-wendbaren sich fügen. Tiefbetrübt sichren sie zwischen üppig bewachsenen Eilandendurch und liefen des Nachmittags in den Engpaß von Ehern ein. Da wird derStrom von schroffen Gebirgswänden aus glänzenden, säulenartig geformten Granit-