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blocken, die symmetrisch über und nebeneinander gethürmt sind, eingeschlossen; dieZwischcnräume sind mit zartem gelbem Grase und mit niedlichen Zwergmimosen aus-gefüllt, ein sicheres Zeichen, daß hier während der nassen Jahreszeit ergiebige Regenfallen. Beide Schiffe folgten sich in geringer Entfernung. Unter dem glänzendstenSternenhimmel wurde mit sanft gespannten Segeln die Fahrt fortgesetzt, bis daS ersteSchiff, auf welchem der Provicar sich befand, unterhalb eines Wasserrades landete,des baldigen Nachrückens des zweiten Schiffes harrend. ES kam nicht; man sahund hörte nichts; Signale mit der Trompete gaben nur einen Widerhall von denFelsen; eine an die Segelstange hinaufgezogene Laterne blieb unbeachtet; abgefeuerteSchüsse rollten blos durch die "Felsschluchten. , Was sollte den Gefährten widerfahrenseyn? Die Gewehre wurden schärfer geladen, da glaubte einer aus weiter Ferne einenSchuß zu vernehmen, ein zweiter fällt, ein dritter, die Ueberzeugung ist gewonnen,daß jene noch leben; wiederholte Signale wurden erwidert, aber Niemand nähertesich. Unverweilt schickte Herr Knoblccher einige Leute von seinem Schiffe mit Later«nen ab, um die Zurückgebliebenen herbeizuholen. Erst nach Mitternacht kehrten jenezurück mit der Nachricht, wie durch ungeschicktes Manövriren das andere Schiff andas entgegengesetzte Ufer sey verschlagen worden, und die Schiffsreiser eS nicht gewagthätten, an das dießseitige Felsenuser hinüberzuschiffeu. Am folgenden Morgen kamdas zurückgebliebene Schiff nach. Schmerzte eS, daß der Weihnachtsabend nicht inGemeinschaft sich feiern ließ, so schmerzte eS noch mehr, daß das hohe Opfer demHerrn nur im Geiste konnte dargebracht werden. Doch tröstete der Anblick des Ru-gans und des MclechitS, die gleich Pyramiden aus der weiten Ebene emporsteigen,mit der Gewißheit, dem Endziel der Reise nicht mehr ferne zu stehen. Noch zweiTage und am Feste der Apostel des Herrn begrüßten die Reisenden die Hügelreihevon Kereri. Gegen ein Uhr Nachmittags kamen die Palmenwipfel hinter den Inselnvon Hogeli zum Vorschein; bald öffnete sich die Einfahrt in den zweiten Arm deSblauen Nils, an dessen südlichem Ufer die Gärten und Häuser von Chartum vorihren Angen sich entfalteten. Die Fahne Oesterreichs flatterte vom Rande deS Mis-stonsgarleuS hinüber, und in Kurzem stiegen sie anS Ufer, wo der Consulatsverweser,Herr Dr. Rcitz, dann zwei zurückgebliebene Missionäre nebst der kleinen Schaar ihrerZöglinge mit Sehnsucht der Kommenden harrten und mit der herzlichsten Freude sieempfingen. Vier Monate waren inzwischen seit der Abreise von Trieft, zwei Monateund neun Tage seit derjenigen von Cairo verflossen.
Der Bericht des Herrn Johann Rocianctc an den apostolischen Provicar istauS Dongola , datirt vom 13. Januar. Er ist eben so inhaltsreich, als der bisherbehandelte, daher wir auch jenem daS Wesentlichste entnehmen.
Die Reise von Korosko bis Derr ging mit kurzer Unterbrechung glücklich vonStatten, außer daß die in Assuan gedungenen Matrosen bisweilen durch lange Streckendas Schiff entweder ziehen oder mittelst Stangen fortschieben mußten. Am 2l. No-vember, sagt Herr Rociancic, fuhren wir vor Derr an und setzten durch Abfeuernder beiden Schiffskanonen dessen ganze Bevölkerung in Bewegung. Groß und Kleinströmte dem Ufer zu, um das Schiff zu betrachten. Unverweilt traten der Kadi,viele Ulemas und andere Personen auf daS Verdeck, schüchtern, dabei doch unverschämt,nach allen Seiten spähend. Mehr, als beträten sie eine Mauöfalle, krochen, danngingen sie in die erste, in die zweite Cajüte, in die dritte wagten sie kaum die Augenzu wenden, daS Bild unserer lieben Frauen anzusehen. Im Nu waren alle Divanegefüllt, so daß ihrer Viele zu europäischen Sitzen sich bequemen mußten. Ich standin der Mitte, gleich einem, über den das Urtheil soll gefällt werden. UnglücklicherWeise war Mahomed Aga, der in so peinlicher Lage als Dolmetsch hätte auftretenkönnen, nicht zugegen. Ich stammelte einige arabische Worte in die lautlose Stille,wies auf Rußeggerö Landkarte, las die Namen einiger Ortschaften und brachte Alles. in Staunen, daß ich diese und diejenigen einiger Berge wissen könne. Inzwischenkam Mahomed und übersetzte, was ich ihm in italienischer Sprache sagte. So gingdie Unterredung gut von statten, bis nach drei Uhr die ungebetenen Gäste sich wiederentfernten. Allein zwei Stunden später kamen sie mit Verstärkung zurück. DaS