Ausgabe 
12 (6.6.1852) 23
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katholische Liebe in Frankreich zu einem oeuvre clo eksritö gemacht hat, an dem sichdurch namhafte Beiträge sehr viele Laien, namentlich fromme Damen, betheiligen).Wir entnehmen demselben folgende Stelle:

nUm Priester zu bilden, braucht man Zöglinge, und wir beschwören euch,theuerste Brüder in Christo, wer ihr auch seyd und welchem Stande ihr auch ange-hört, eure Söhne Gott nicht streitig zu machen und sie unS schon im zarten Alteranzuvertrauen, wenn ihr in ihnen Neigung zum Dienst der heiligen Alläre bemerket.Einer der wesentlichsten Vortheile, den das ehemalige Frankreich vor dem heutigengenoß, war der, daß damals alle Stände ihren Beitrag zu dem heiligen Dienstelieferten. ES war dieß nicht bloß eine Schuld der Religion und der Gerechtigkeit,welche in jenen Zeiten des Glaubens alle Classen des Volkes dem Heiligthum ent-richten zu müssen glaubten, indem sie ihm die Steuer ihres BluteS zahlten; eS warnicht bloß eine Ehre, welche jede Familie zu erwerben glaubte, wenn sie eines ihrerGlieder jener göttlichen Hierarchie einverleibte, welche die Propheten und Apostel sichnicht scheuten, eine Gesellschaft von Königen, ein königliches Pnesterthum zu nennen;die ganze Gesellschaft erntete einen unschätzbaren Vortheil aus diesem herrlichen Zu-sammentreffen aller ihrer Glieder in demselben Stande, den die Versassung des Landesüber alle andern gestellt hatte. Keine Classe, keine Familie konnte sich damals indauernde und systematische Opposition mit der Religion und der Kirche setzen, weilalle Classen und alle Familien an dieselbe selbst durch die Bande der Natur sichgebunden fanden. Und diese Verbindung aller Stände mit der Kirche verband siewiederum unter sich oder verminderte wenigstens den großen Abstand, der sie sonstgetrennt haben würde. Wir haben hier nicht zu untersuchen, bis auf welchen Graddie unreine Mischung menschlicher Absichten dabei die heilige Ordnung der göttlichenRathschlüsse störte; Alleö, waS ein irdisches Element in sich schließt, wird stets demMißbrauch und der Ausartung unterworfen seyn. Was wir aber hervorheben wollen,ist, daß trotz der polilischen Revolutionen, welche alle Stände gleich machen wollten,die gesellschaftlichen Unterschiede schärfer als je hervortraten, seitdem die Kirche m tihrer Hingebung und ihren Opfern nicht mehr der gemeinschaftliche Sammelplatz allerClassen der Gesellschaft ist. ^ ^ ^ » ! ' ^ ^ v .

Freilich, die Kirche ist heut zu Tage nicht reich. Man drängte sich um sie her,als sie glänzende Würden, reiche Einkünfte austheilte. Seit sie arm geworden, hatman sie verlassen. Man muß die Kirche deßhalb beklagen? Wir wissen eS nicht.Aber gewiß ist es edler und großer Seelen unwürdig, in solcher Weise die erhabensteund heiligste Sache in den Tagen deS Unglückes zu verlassen. Gewiß werden vieleFamilien, die früher eben so durch geistliche Würden ihrer Mitglieder als durchStaatSämter ausgezeichnet waren, von der Nachkommenschaft der Undankbarkeit ange-klagt werden, wenn sie ihre Namen gar nicht mehr in den Katalogen deS HeiligthumSfinden wird, seitdem daS Heiligthum seiner Schätze beraubt ist. Man lobe sie immer-hin um ihrer ehrenwerthen und ausdauernden Treue willen gegen gefallene Dynastien;man wird sich um so mehr wuudern, ihre Söhne unter den Dienern jener Majestätnicht zu finden, der sie stets nach Muße zu dienen Gelegenheit hatten, und man wirdbedauern, daß die oft unfruchtbaren Thränen ihrer gefährlichen Unthätigkeit nichtersetzt wurden durch den Muth der Keuschheit und die Liebe des Opfers, die, indemeS sie unter die Fahnen des Königs der Könige gerufen hatte, sie zu gleicher Zeitder Religion und dem Vaterlande nützlich gemacht.

Dasselbe müssen wir sagen von jenen neuern Familien, welchen ihre Talente,ihr Vermögen, die Zeitverhältnisse einen ausgezeichneten Platz in der Gesellschaftgesichert haben. Auch bei ihnen besitzt die Kirche unzweifelbare Rechte und Ansprüche,die sie wohl gelten machen könnte. Ohne von der Vergangenheit zu sprechen, ist eSnicht die Religion allein, der eS vorbehalten ist, endlich dieses Zeitalter der Revolu-tionen zu schließen, das gegenwärtig das neuerworbene Eigenthum eben so sehrbedroht, als eS früher dem angestammten Besitz verderblich gewesen? Möge dasBürgerthum darüber nachdenken; eS hat Vieles von der Kirche empfangen; eS ist'