Ausgabe 
12 (6.6.1852) 23
Seite
184
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ckit w^j ns) »jui! I'ttv'Dv ^ittvii? q.l> si/üso müliiz 11» Äi''7?noiL^il '-ch'sily^toiverpflichtet, ihr wenigstens Einiges zu geben, und in jedem Falle könnte eS keinen

wichtigern Act der Versöhnung und der Gerechtigkeit ausüben, als ihr seine Söhne

anzubieten. WaS uns betrifft, so rufen wir sie sehnlichst zu unS, und sie können auf

unsere zärtliche Liebe rechnen.

Und saget uns nicht, theuerste Brüder, es sey nicht eure Schuld, wenn derHauch von Oben daS heilige Feuer in den Herzen eurer Kinder nicht anzündet.Außerdem, daß ihr selbst cS häufig ausgelöscht habt, sey eS durch directe Bekämpfungihres Berufes, sey eS, indem ihr ihn übertriebenen Proben unterwarft, die ihntövten mußten und in der That ihn getödtet haben, wir werfen euch auch vor, nichtsgethan zu haben, um ihn hervorzurufen. Ist es nicht gewiß, daß, wenn an ihreOhren so oft das Geräusch einer ganz weltlichen Weisheit tönt, wenn ihre Herzendaran gewöhnt werden, nichts zu schätzen, als was handgreiflich ist, auf nichtsWerth zu legen, als was berechnet werden kann, wenn ihre junge Einbildungskraftmit glänzenden Hoffnungen der Welt genährt wird, ihr selbst eS ihnen wehrt, ihreSeelen jenen Gedanken des Glaubens, der Selbstverläugnung, der Liebe GotteS undder Menschen zu öffnen, die sie dem heiligen Dienste geneigt machen und sie auf denWeg zu den Altären leiten könnten?

Ach! meine Brüver, gebt dem Priesterthum in eurem Bewußtseyn und in eurenReden jenen Platz wieder zurück, der ihm angehört; saget euren Kindern, daß daSerste und größte Gebor ist, Gott zu lieben und ihm zu dienen, daß eSeben darum die höchste Würde und daS edelste Amt, das auf Erden gedacht werdenkann, sey, durch seinen Srand der Ehre Gottes und dem Heile der Seelen geweihtzu seyn; laßt sie erkennen, daß in den Augen eurer Vernunft und eures Glaubensdie wichtigsten zeitlichen Interessen nichts sind gegen die ewigen, und daß deßhalbdas heilige Geschäft deS Priesters unendlich erhaben ist über Alles, was euer Ver-mögen betrifft und euch hier unten größere Genüsse bereitet; sprechet diese Sprachezur rechten Zeit zu euren Söhnen, und ihr werdet bald erkennen, daß unter ihnensich zum Heiliglhum Berufene finden. Und durch sie wird dann großer Segen, dessenihr schon lange Zeit entbehrtet, aufs neue über eure Häuser sich ergießen."

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Rom .

Zwei junge Franzosen, Söhne des modernen Unglaubens, hatten allen Ceremoniender heil. Woche zu Rom beigewohnt, ohne gerührt zu werden, ja mit der ausdrücklichenAbsicht, darüber zu lachen und sich lustig zu machen. Am heil. Oftertage befanden sie sichum Mittag unter den Colonaden deS PeterSplatzeS unter der übrigen zahllosen Volks-menge, um die päpstl. Benediction zu sehen und über sie zu lachen. Der Platz war be-deckt mit hunderttausend Gläubigen aus allen Theilen der Welt. Auf dem Balkon derPeterSkirche erschienen nach und nach die Prälaten und Cardinäle. Der Papst sollte jedenAugenblick erscheinen. Unsere beiden Franzosen lachten, unv verglichen die Menschenmasse,die hier versammelt war, mit der von Paris bei großen Nationalfesten. Unterdessen zeigtesich daS vorangetragene päpstl. Kreuz, und sofort auch der hl. Vater selbst mit der Tiaraund dem Pluvial geschmückt auf dem riesigen Balkon in der ganzen Majestät, welche denStellvertreter Jesu Christi umgibt. Die Trommeln wirbeln, die Soldaten fallen auf dieKniee. Die hunderttausendKöpfe entblößen sich, alle Kniee beugen sich, eine feierliche Stilletritt ein. Unsere beiden Pariser lachen nicht mehr. Der Stellvertreter Jesu Christi breitetseine Hände gegen den Himmel auS, und sie'wieder senkend und auf der Brust faltend,drückt er gleichsam den ganzen Erdkreis an/eitt '^erz. und läßt über die Stadt und überdie Welt (ui-ki ot orbi) durch daS Zeichen des h^. Kreuzes seinen apostol. Segen hernieder-steigen. Jemand, der hinter den beiden Freunden stand, und alle ihre Reden gehört hatte,hörte da den Einen zum Andern sagen:Alles Uebrige ist nichts, ja daS ist schön!"Esist wahr", erwiderte der Andere. Er lachte nicht mehr; denn helle Thränen stürzten auSseinen Augen.

Berantwortllcher Redacteur: L. Schönchen.

Verlags-Jnhaber: F. C. Kremer.