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In der Cathedrale, die leider nur 3000 Menschen saßt, celebrirte der Erzbischofvon Baltimore das Hochamt. Nach demselben hielt der Erzbischof von New-Uork,Dr. HugheS, die Predigt. Er ist ein Mann von sechzig Jahren, mit feinen Zügen,breiter Stirn und sanftem Blick. In seinem ganzen Wesen verbindet sich die Einfach-heit eines Kindes mit der Würde eines Apostels. Während der Predigt herrschte inder Kirche die größte Ruhe. — Einige Stunden, nachdem sie gehalten war, mußman sie in New-Uork schon gedruckt gelesen haben, da sie unverzüglich von den Cor-respondenten der dortigen Blätter dorthin telegraphirt wurde.
Nach der Predigt wurde das Concil unter den üblichen Förmlichkeiten füreröffnet erklärt.
Bericht des apostolischen VicarS für Ceutralafrika.
(Schluß.)
Für die Katarakten von Ambnkol waltete keine Besorgniß, da der Reies vonDongola daS Wasser bis auf den letzten Stein kannte. Am 26. wurden die mitt-leren Strömungen ohne Schwierigkeit durchschifft; sobald eS aber an das Ziehengehen»sollte, erhoben die Leute allerlei Schwierigkeiten, welche indeß die Festigkeit deSReieS nach einiger Erörterung mit solchem Erfolg niederschlug, daß bis ein Uhr daSSchiff durch alle Krümmungen dieser Katarakte gebracht wurde und deS gleichenTageS noch bis in die Gegend von Tangua fuhr. Zwei Tage sodann kreuzte eSzwischen den Felsen, in welche von da an der Strom eingeengt ist; dann erst gelangteeS an die eigentlichen Katarakten von Tangua. Mittelst Segel und Seilen gewanneS die letzte gefährlichste Strömung, worauf eS wegen seichten WasserS bald vorwärts,bald rückwärts mußte gezogen werden, dabei einen Leck bekam, der erst auszubessernwar, doch nicht hinderte, am gleichen Abend über die letzte Stelle dieses Katarakteshinüberzukommen. DeS folgenden Tages stellte günstiger Wind sich ein. Die Gegend,nicht umsonst Baten-el-Hagiar (Bauch der Felsen) genannt, gewann allmälig einfreundlicheres AuSfthen; die Felsen, bisher immer den Fluß begränzend, weichengegen die Wüste zurück, ein Saum üppiger Vegetation, jedoch bloß einige Klafterbreit, zieht sich dem User entlang, knarrende Wasserräder (Salien) gellen wieder andaS Ohr. Das Schiff flog stromaufwärts; eine Stunde nach Mittag schwankte eSschon in dem Katarakt von Akasche. Auch über diesen half der kräftige Wind ohneMcnschenhilfe. Um fünf Uhr wurde Angesichts der Trümmer eines ehemaligen katho-lischen Klosters auf der fruchtbaren Insel Kullub Halt gemacht, die Rastzeit zumBesuch von jenen verwendet.
Mit dem kommenden Tag stand der Katarakt von Dal in Aussicht. Er hateine Länge von drei Stunden. Am Firmament traten Anzeichen einer nahen Wit-terungSveränderung hervor. Sie blieb nicht auS. Ein heftiger Wind trieb daS Schiffim Nu vor den Katarakt. Der wackere ReieS von Dongola hatte bald den Ueber-blick gewonnen. Er wagte eS, die Segel aufspannen zu lassen, um bloß mittelst deSWindeS durch die Stromschnellen daS jenseitige Ufer zu gewinnen. Schäumend schlugdas Wasser von allen Seiten in daS Schiff; dennoch durchschnitt eS die Wogen undStrömungen, ohn« zu wanken; wehe aber, wenn eS anstieß! Der NckS und derSteuermann gedachten, knapp an dem Felsen die Strömung abzuschneit cn; allein derWind blies zu heftig, das Wasser wälzte sich zu mächtig, rasch mußten die Segelgerefft werden, um deren Zerreißen und den Bruch deS MastbaumeS zu verhüten.Indeß stieg der Wind von Minute zu Minute, in Wolken wirbelte er den Sand auf;daS Schiff war aufgefahren. Die schwarzen Matrosen springen in den Strom,bemühen sich mit ihren Schultern, eS zu heben. Zum Glück war der Felsen flachunv vom Wasser geglättet; so hatte ihre Anstrengung den gewünschten Erfolg. Inzwei Stunden war der Katarakt von Dal, wozu nach allgemeiner Aussage bei bloßemZiehen zehn Tage kaum hingereicht hätten, dann noch eine weitere Strecke von neunMeilen zurückgelegt; an der Insel Differnati wurde die Nacht zugebracht.