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große Kirche von Bethlehem ; e) die Grotte der Geburt, wo sich ein silberner Sternmit der lateinischen Inschrift befand: Hier ist von der Jungfrau Maria JesuS Christusgeboren worden. Die „Union" bekennt, daß die französische Diplomatie, stall daß ihreinfach die Anerkennung dieser urkundlich zugesicherten Besitzungen von der Pforte aus-gesprochen worden wäre, von der Pforte getäuscht worden sey. Der französische Bot-schafter habe zu der Ernennung einer UnlersuchungScommission beigestimmt, wodurchder Werth aller jener Urkunden in Frage gestellt worden sey. Es sey ein neuer Ver-gleich geschlossen worden, in welchem die Pforie sich verpflichtet habe 1) zur Zurück-gabe der sieben Bogen der heiligen Jungfrau in ihren untern Theilen, ein Besitz,dessen wir seit einem halben Jahrhundert beraubt sind; 2) zur theilweisen Wiederein-räumung, nicht zn dem alleinigen Besitze deS GrabeS der seligsten Jungfrau, bei demBache Cedron, im Thale Josaphat, aus welchem die Lateiner seit 110 Jahren ver-drängt sind; 3) zur Wiederanbringung deS silbernen SterneS in der Grotte der Ge-burt; >4) zur Rückgabe deS äußern Schlüssels der großen Kirche von Bethlehem undder zwei Schlüssel der Seitcnthüren, Die Mönche gingen sonst nur durch ein Lochhinein, welches der Prinz Joinville bei seiner Reise nach Palästina in die Tempel-mauer brechen ließ. Ueberdieß erhielten die Mönche die Vollmacht, eine Kirche in demgemischten und benachbarten Bethlehem , Bälidjella genannt, zu bauen; zwei Häuseran ihrem Kloster, die an die Kirche deS heiligen GrabeS stoßen, zu erwerben, undendlich ihre Hauplkirche des Klosters zum heiligen Erlöser zu Jerusalem auszubessern.Das waren die Bedingungen, welche die französische Diplomatie durch die Unterhand-lungen gewonnen hatte, ein türkischer Commissar sollte in Jerusalem sie in Erfüllungbringen. Allein die Vollziehung zögerte — auf einmal erscheint der Ferman in dem„Siecle" von Athen. Durch diesen setzt sich der, Sultan als souveräner Richter überdie Verträge. Der Ferman stellt den Lateinern nicht nur nicht zurück, was ihnengehört, sondern er entscheidet Fragen, welche noch unerörtert waren, und beraubt sieunbestrittener Besitzungen. Augenscheinlich (sagt die „Union") können die Dinge nichtso bleiben. Die Ehre unseres Landes, unsere nationale Würde, unsere vielhundert-jährigen Rechte, unsere wichtigsten Interessen sind im Spiele.
R u H l a n d.
DaS „UniverS" bringt einen höchst merkwürdigen Brief einer Synode russischerBischöfe an die Sorbonne von Petersburg 6 ä. 18. Juni 1718. Die Sorbonne halte dieBischöfe zu einer Besprechung über die UnterscheidungSlehren eingeladen. Die Bischöfegeben in diesem Briefe dem Vorschlage zur Wahl von beidseitigen Commissarien Beifallund sprechen den Wunsch nach einer Vereinigung der lateinischen und griechischen KircheauS. Im Jahre 1848 kam man auf diesen Brief von 17 l3 wieder zurück und schlug denrussischen Bischöfen vor, sie möchten einige Theologen beauftragen, mit Theologen vonRom über die Schriftterte hinsichtlich deS Papstes in Unterredung zu treten. Allein manantwortete: „die Vereinigung unter den Christen sey eine Angelegenheit, welche Gottallein angehe." Damit war also der Vermitllungsantrag, zu welchem man sich im Jahre1713 geneigt gezeigt hatte, hundert Jahre später abgelehnt. DaS „Univers" wagt dieZuversicht auszusprechen, daß der gegenwärtige Kaiser Ricolaus, wenn Jemand denMulh hätte, ihm die Wahrheit zu sagen, zu einer solchen Vereinigung gern die Hand böte.Ist aber dem Kaiser Nicolaus nicht von Gregor XVI. in Rom die Wahrheit gesagt wor-den? Sie hat ihn erschüttert, aber nicht umgewandelt. Der Glaube ist eine Gnade GolleS.Wir wissen, daß in einem großen Theile von Frankreich an die Rückkehr deS Kaisers Nico^lauS zu der kalholiichen Kirche und in Folge davon an eine Vereinigung der griechischenKirche mit der römischen geglaubt und dafür eifrig gebetet wird. Zu diesem Gebeie möch-ten wir auch die Kalholiken Deutschlands ernstlich ausfordern. Welch' ein Heil für Europa ,wenn die russische Nation mit ihrem kräftigen Heerführer in den Schooß der Kirche zurück-kehren würde!
Verantwortlicher Redacteur: L> Schönchen, VerlagS-Jnhaber: F. C. Kremer.