Ausgabe 
12 (20.6.1852) 25
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Befruchtung in einen Lichtstrom, der die Horizonte erfüllt. Der Philosophismus imGegentheil fängt damit an, geschickt mit einem dicken Schleier die Wahrheit und daSLicht zu bedecken, daS unS vom Himmel gekommen ist, und stellt der Vernunft einunlösbares Problem, nämlich: durch dciö Mittel der Befruchtung die Wahrheil unddas Licht aus dem Zweifel und der Dunkelheit zu erzeugen, welches die der Befruch-tung der menschlichen Vernunft ausgesetzten Dinge sind. Der PhilosophiSmuS ver-langt also vom Menschen eine Lösung, welche der Mensch nicht geben kann ohnevorläufigen Umsturz der ewigen und unveränderlichen Gesetze. Nach einem dieserGesetze hat die Befruchtung nur die Kraft, den befruchteten Keim zu entwickeln nachden Bedingungen seiner eigenen Natur, und in seinem eigenen Sinne; so geht vaSDunkle auö dem Dunklen, das Helle aus dem Hellen, das Aehnliche auS dem Ähn-lichen hervor, veum cle veo, lumsn cle lumine. Gehorsam diesem Gesetze ist diemenschliche Vernunft, in ihrer Befruchtung deS Zweifels, bei der Negation ange-kommen, und in ihrer Befruchtung der Dunkelheit bei der stockfinstern Nacht, undzwar durch daS Mittel logischer und progressiver Transformationen, die in der Naturder Sachen selbst gegründet sind.

Bei der Verfolgung so verschiedener Wege ist es nicht zu verwundern, wennder Katholicismus und der PhilosophiSmuS ein so verschiedenes Schicksal haben.Achtzehnhundert Jahre lang erörtert der Katholicismus auf seine Weise, und dieseseine Weise zu erörtern hat ihm den Sieg in jever Erörterung verschafft. AUeSgeht an ihm vorüber; die Sachen, die in ver Zeit sind, und die Zeit selbst. Erselbst geht nicht vorüber. Er bleibt, wo Gott ihn hingesetzt hat, unbeweglich inMitten der großen Wirbelwinde, welche die allgemeine Bewegung anfacht. Er selbstlebt ein eigenes Leben in dieser Welt geborgter Leben. Der Tod hat nicht die Er-laubniß erhalten, sich ihm zu nähern, selbst in diesen untern und dunklen Regionen,die seiner Herrschaft unterworfen sind. Um seine Kräfte zu erproben sprach er einstzu sich selbst: Ich will ein barbarisches Jahrhundert wählen und mit meinenWundern erfüllen, und er wählte daS dreizehnte Jahrhundert und schmückte eS mitvier Monumenten, den herrlichsten, die das menschliche Genie aufgerichtet hat: dietheologische Summa des heil. Thomas, das Gesetzbuch cls Iss karticlss von AlphonSdem Weisen (eine Kompilation altspanischer Gesetze, welche daS vollendetste Mustereiner christlichen Gesetzgebung ist), die göttliche Comödie von Dante und die Cathe-drale von Köln .

Seit viertausend Jahren erörtert der Rationalismus auf seine Weise, und aucher hat, um sein Anvenken zu verewigen, zwei unsterbliche Monumente hinterlassen:das Pantheon, wo alle Philosophen liegen, und das Pantheon, wo alle Konstitu-tionen liegen.

Was den Parlamentarismus betrifft, so läßt sich von ihm nichts sagen. WaSwürde auS ihm bei einem wahrhaft katholischen Volke, d. h. wo der Mensch vonJugend auf weiß, daß er Gott Rechenschaft geben muß, selbst von den unnützenWorten? Juan Donoso CorteS.

Jerusalem .

DieUnion" widmet der Frage wegen der heiligen Oerter eine sehr einläßlicheUntersuchung. Es bestehen darüber Verträge zwischen Frankreich und der Pforte vonden Jahren 1673, 1740 und I7o4, Nach diesen Verträgen gehören den Lateinernunbestritten 1) im Innern von Jerusalem : g) die zwei Kuppeln der großen Kirchevon Jerusalem ; k) in dieser Kirche der Tisch, auf welchem der Leib deS Erlösers ein-balsamirt worden und den man den SalbungSstein nennt; e) in der gleichen Kirchedie sieben Bogen, welche man die Bogen der heiligen Jungfrau nennt, von welchenwir (die Lateiner) nur noch die obere Terrasse besitzen; cl) die Gräber von Gottfriedvon Bouillon , von König Balduin, von Philipp von Burgund und von Philipp I.von Spanien. 2) Außer Jerusalem : a) das Grab der seligsten Jungfrau; b) die