Ausgabe 
12 (4.7.1852) 27
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In Modon fand ich nur vier Katholiken, von denen zwei meine Einladung zumEmpfang der heiligen Sacramente damit ablehnten, daß sie vor acht Monaten die«selben in ihrem Vaterlande empfangen, wcßhalb ich noch denselben Tag nach derkatholischen Metropole von Messenien zurückkehrte. Obgleich die doriige kleine Kirchezu verfallen droht, wenn nicht Hilfe geschafft wird; so fand ich dennoch bei denkalholischen Bewohnern die Glaubenstreue ihrer Bäter. so, daß von den 56 Seelen,welche diese Gemeinde bilden, kaum zwei vom Genusse der kirchlichen Gnadenmittelausgeschlossen blieben. Welch ein Trost war c« für mich, und welche Erbauung fürdie Gemeinde, als auch vier Gefangene mit rührender Sindacht sich dem Tische deSHerrn nahten, wozu sie nicht die Furcht vor ihren Wächtern, sondern die Liebe zuihrem Gott bewogen hatte. Nachdem ich vom 15. bis 23. Juni hier verweilt hatte,reiste ich am Vorabende der heiligen Apostel nach Gargagliano ab, wo ich nur einensicilianischen Bäcker und einen Apotheker auS der Nomagna fand, die sich wenig ummeine Ermahnungen kümmerten. Ein italienischer Flüchtling. Arzt, war eben abwe-send, und eine Palermiianerin mit ihren vier Töchtern wagte eS nicht aus Furchtvor dem schiSmatischen Vater als Katholikin sich mir darzustellen. Da ich also hiernichts zu wirken vermochte, reiste ich den folgenden Tag nach Philiatra Und kamnach drei Stunden Weges morgens acht Uhr daselbst an. Ich celebrirte im Hausedes Herrn I)r. Sagnolo auS Venedig die heilige Messe; weil die Zahl der Katholikennur vier bis fünf betrug, die vor kurzem erst die heiligen «sacramente empfangenhatten, so setzte ich ollne Aufenthalt meinen Weg über Chiparissia und Pirgo nachPatras fort. Vier Tage und drei Nächte hatte ich die Beschwerden der Reise zuerdulden. Die erste Nacht brachte ich in der Nähe des lZhanS von Vuzi auf einerInsel deS FlusseS, wegen der Unzahl von Flohen und Mücken aus dem bloßen Bodenzu; die zweite auf einem Balcone und die dritte unter Bauern in einer Scheune. InGargagliano wurde ich von den Loealbehörden gut behandelt, eben so in Philiatra,wo ich dnrch die Frömmigkeit und Gastfreundschaft des oben genannten ArzteS undseiner Frau ganz besonders erfreut wurde. DaS Gegentheil widerfuhr mir aber inPirgo. Ich hoffte dort nach den Mühsalen cineS überaus beschwerlichen WegeS indem Hause eines hannoveranischcn GeometerS, ZerS mit Namen, Ruhe und gastlicheAufnahme zu finden, erfuhr aber das Schicksal eines Reisenden, der ermüdet auf einerRasenbank auszuruhen gedenkt und sich plötzlich in die Klauen eineS giflsprüheudenDrachen gerathen sieht. Dasselbe erfuhr ich in moralischem Sinne. Indem ich mirschmeichelte eS möchte dieses ein Katholik, oder doch wenigstens ein Mann seyn, indessen Adern noch ein Tropsen gastfreundlichen deutsche» BluteS fließe, fand icheinen fanatischen Lutheraner, der keine Erziehung, keine Sitte und Mäßigung kannte.Kaum hatte er in seiner Muttersprache von seinem müden Gaste vernommen, daß ermit einem katholischen Missionär zu thun habe, entfernte er sich unter dem Vorwandefür den hungernden Adopliv-Eohn seines Vaterlandes Etwas zu besorgen, und ginghin mich bei den Behörden als Spion deS Papstes anzugeben. Ick ward sogleich zurPolizei gerufen, und fand dort die Vorstände der Civil-, Militär- und Kirchenbehöide.Nachdem sie meine Papiere in Ordnung gefunden, unterwarf man mich einem weit-läufigen Eramen. Der Eine verlangte meine Dimissorien. ein Anderer wollte wissen,wann und wo ich celebrirt hätte, wieder Einer, wo ich studirte, wer mich zumPriester vrdinirte, und auf wessen Geheiß ich in die Mission gegangen sey. Ichcnigegnete, daß ihre Pflicht sich bloß darauf beschränke, meine Papiere einzusehen,ob sie in Richtigkeit seyen, und daß ich nicht verpflichtet wäre ihnen über rein geist-liche Angelegenheiten Rechenschaft zu gebe»; als die ersten Beamten der Stadt dürfteeS ihnen übrigens wohl nicht unbekannt seyn, wer der von der Regierung anerkannteapostolische Delegat in Griechenland sey. Da sie endlich einzusehen anfingen, daßsie mit ihrer vcralorischcn Inquisition nichts bezwecken würden, und sich nur Unan-nehmlichkeiten zuziehen könnten, gaben sie mir meinen Reisepaß und entließen michnach Hause. Kaum war ich daselbst angekommen, wurde ich von Besuchern beehrt,die mich auszuforschen trachteten, und da dieses nicht ging, meinen Wirth, der seit