Ausgabe 
12 (4.7.1852) 27
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SIS

liegend den eucharlstischen Gott anbeteten, den sie nun bald wahrhaft und wirklichempfangen sollten. Wie sie beim AgnuS Dci so reuig an die Brust schlugen, wurdeich so gerührt, daß ich, die heilige Hostie in der Hand, mit ihnen noch eine kurzeBetrachtung über die drei theologischen'Tugendcn anstellte, um dadurch ihren Glauben,ihre Hoffnung und Liebe zu dem Gottmenschen noch zu vermehren, was auch aufdie übrigen Umstehenden, die meistens Akatholiken waren, einen liefen Eindruck machte.Nach der heiligen Meste kamen sie mit kindlicher Liebe und Ehrfurcht zu mir, küßtenmir die Hand, und sagten:O hätten wir doch öfter diese Gnade, wie glücklichwürden wir uns schätzen!" Bevor sie sich verabschiedeten, baten sie mich an Bordihrer Fahrzeuge zu gehen um diele z» segnen, was ich auch gleich nach Tische that;alle wohnten der Feierlichkeit mit entblößtem Haupte bei und sangen einstimmig dieResponsorien, was die in großer Anzahl aus Neugierde hcrbeigekommenen Griechenin nicht geringe Verwunderung setzte. Da mir die Mission hier nicht länger zu ver«weilen gestattete, entließ ich diese guten Leute den 15, Juni und ging nach Navarin.

Bei meiner ungefähr nach 2 Uhr Nachmittags erfolgten Ankunft wuchs meineFreude, als ich jene theuern Seelen wieder sah, die ich seit dem vorigen Jahre nichtgesehen. Wenn jedoch bei meiner Abreise von Kalamata mein Herz blutete, als ichjene guten Menschen verlassen mußte; so tröstete mich hier der liebe Gott durch dieNachricht, daß seit dem verflossenen Jahre unter den wenigen Gelreuen kein Abfallzu beklagen sey. Nichts desto weniger mischte sich auch hier ein bitteres Gefühl inmeine Freude. Ein Mädchen, welches vor einem Jahre auf meine Verwendung mitihrer Mutter in daS Vaterland zurückkehrte, war wieder, wie ich vernahm, zurück-gekommen, um sich mit einem Griechen schismatisch trauen-!zu lassen. Da ich aneinem Samstage ankam, so wollte ich meine Navarinioten nicht ohne heilige Messelassen, und verschob daher meine Reise nach Modon auf den Montag; indessen suchteich jenes Mävchen auf ihre religiösen Pflichten aufmerksam zu machen, meine Ermah-nungen blieben jedoch ohne Erfolg. Obwohl ich ihr die Mißstände einer gemischtenEhe und die Gründe auseinander setzte, weßhalb die Kirche sie nicht billige, und siezugleich aufmerksam machte, daß ich für diesen Fall mit aller Vollmacht versehen sey,sie nach Vorschrift unserer heiligen Kirche zu trauen, wollte sie dennoch auS Furchtihrem Bräutigam 'zu mißfallen auf dem gefaßten Entschlüsse beharren. Im HauseeineS Griechen wohnend und obschon innerhalb der geheiligten Gränzen meiner geist-lichen Jurisdiktion, welche aber in dieser Stadt ganz unbekannt war, wollte ich den-noch den Vorwurf ver Proselytcnmacherei vermeiden, und verließ die Stadt. Ich begabmich auf den katholischen Kirchhof, welcher mit 3040 Monumenten von Marmorgeschmückt war, und die Gräber französischer und bayerischer Officiere bezeichnet Halle.Allein der Geiz der Modonesen halte sie ihres Schmuckes beraubt und ein gewisserTürkenknecht wollle sich selbst der geheiligten Erde bemächtigen, die mit dein Pflugeumgewühlt wurde. O schändliche Barbarei! Die theuersten Reliquien unserer neuestenGeschichte, die edlen Ucberrestc der Verlheidiger unserer hellenischen Freiheit, zerstreutund zertreten von jenen, welche sie von dem türkischen Joche befreit! Mit gerechtemIngrimm, muß dieser VandaliömuS in den entfernlesten Theilen der Erde jedes mensch-liche Herz erfüllen und selbst zum Himmel um Rache schreien! Hier fand manaber dieses Verfahren nicht auffallend: eS waren ja die Leiber keiner Orthodoren,alles lheilte sich in den Raub, und der französische Consul in Navarin hatte sich bloßum die Lebenden zu kümmeru, die Todten sollen für die Todten sorgen! Die gött-liche Vorsehung ließ aber diese undankbare Enthciligung nicht im Verborgenen. Schonim vorigen Jahre erstattete ich hievon umständlichen Bericht, damit er zur Kenntnißder Regierung komme, und ich hätte denselben in den Druck gegeben, wenn Europa nicht von der Geisel der Revolution heimgesucht und die Angehörigen dieser Verstor-benen in Trauer versetzt worden wären. Allein es geschah nur so viel, daß-Ndij?!Locaibehördcn hierüber befragt, die Sache möglichst bemäntelten. Doch fehltieSnicht an Männern in Modon, Navarin und Athen , welche der Wahrheit Zeugnißgy^IVVpMjli jchognl? i!»iij57g ni sss ?m 5nu n,6vgmu sfMdloZ. msni» ni n»?