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sind wir herzlich erfreut einen Priester unserer heil. Religion zu treffen, und bitten,uns die Zeit und den Ort zu bestimmen, wo wir unsere religiösen Pflichten erfüllenkönnen. Die gegenseitige Freude, und die lange Unterredung hatte die Neugierde derumstehenden Moreiten erregt; um derselben zu entgehen, brach ich kurz ab, lud meineReligionSgcnossen auf Samstag AbendS oder Sonntag früh ein, Beichte abzulegenund beurlaubte mich.
Dieser glückliche Zufall bestimmte mich gegen meinen frühern Plan noch achtTage hier zu verweilen. Damit indeß diese Verzögerung nicht zum Nachtheile andererGegenden gereiche, besuchte ich inzwischen daS Siädtchen Nist, zwei Stunden südlichvon Kalamata , wo ich nach einem äußerst beschwerlichen Ritte leider nur drei Katho-liken fand, einen mit einer Griechin verheiratheten Malleser, und einen Franzosen,der mit einer Italienerin im Concubinate lebte, und dessen zwei Kinder von Schis-matikern aetauft und erzogen wurden. Würdige Früchte ihres legalen und sittlichenLebensI Der Erstere durch seine Verhältnisse an den hiesigen Aufenthalt gebunden,Halle seinen Sohn in Ermangelung eines katholischen Priesters von einem Schisma-tiker laufen lassen. Dieser wünjchte nun die heiligen Sacramente zu empfangen,allein die Umstände erlaubten eS nicht. Vor Kurzem hatte sich hier auch eine Gesell-schaft französischer Seidenfabricanten gegründet, unter denen ich einen einzigen Katho-liken fand, der seit dreißig Jahren mit einer Griechin verheiralhet ist und einen Sohnhat. Weder von dem Einen, noch von dem Andern wurde ein Verlangen ausgedrückt,ihren religiösen Pflichten nachkommen zu wollen. Der geringe Erfolg, der bei solchenKatholiken erwarlet werden konnte, beschleunigte meine Rückkehr, nach vierstündigemAufentbalte machte ich mich wieder auf den beschwerlichen Weg.
Nicht weniger unangenehm war meine Reise zu Meere nach Koron, welche ichwährend der Nacht in einem Schifferkahne unternehmen mußte; die weißen GipfeldeS TaygetoS verbreiteten eine Kälte, gegen die ich mich in dem offenen Fahrzeugekaum zu schützen wußte. DaS unter der venetianischen und türkischen Herrschaftwegen seiner Befestigungen, die nun in Trümmer liegen, ehemals so berühmte Modonzählt ungefähr tausend Einwohner, und unter diesen lebt eine katholische Familie vonsieben Individuen. Da diese Leute äußerst arm waren, so entschlossen sie sich aufmeinen Rath nach Athen zu gehen, weßhalb ich ihnen bei Dr. Brachmann in Kala-mata 80 Drachmen anwies.
Den 9. Juni als den fünften Sonntag nach Pfingsten schon vor Aufgangder Sonne suchte eine Anzahl von 18—20 Personen ihren geistlichen Vater auf, dersich in diesem Augenblicke für den Glücklichsten der Sterblichen hielt, und Thränender Freude vergoß. Ihr unerschütterlicher Glaube, und ihre einfache Sitte, so seltenin unsern Tagen, besonders bei Seeleuten, bewiesen ihre HerzcnSeinfalt. Nach ihreraller Beichte hielt ich in Chorrock und Stole vor dem kleinen Altare eine italienischeAnrede an sie, welcher sie mit der größten Aufmerksamkeit und mit Thränen im Augezuhörten; und obgleich mein Eifer mich fast eine Stunde lang zu sprechen hinriß,verharrten doch viele derselben die ganze Zeit in knieender Stellung selbst bis nachder darauffolgenden heiligen Messe, der auch sechs italienische Flüchtlinge und zweiMalteser beiwohnten. Einer dieser Letztern hatte sich zum Zwecke der Verheirathungvor 22 Jahren nach dem Landesgebrauche salben lassen, und so seine Religion ver«läugnet, wenigstens äußerlich. Kaum hörte er jedoch von einem LandSmanne, daßich katholischer Priester sey, so kam er von der göttlichen Gnade angeregt mich aufzu-suchen, warf sich zu meinen Füßen und bat um Vergebung, indem er eS ganz mei-nem Ermessen anheimstellte für ihn und seine zwei Söhne zu thun, was ich amförderlichsten hielte. Da ich jedoch befürchtete, seine öffentliche Konversion möchte ihneiner Verfolgung aussetzen und so die Bekehrung seiner zwei Söhne hindern, so riethich ihm ungesäumt nach Syra zu gehen, und gab ihm Empfehlungsbriefe; diesesversprach auch der andere Malteser. Um indeß wieder auf die Vorerwähnten zurück-zukommen. Wahrhaft rührend war die Erscheinung dieser Reuigen vor dem Altare,den sie in einem Halbkreise umgaben und wo sie in größter Andacht auf den Knien