Ausgabe 
12 (4.7.1852) 27
Seite
210
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Wehe dem Reisenden, der nicht Bett und Küche mit sich führt oder sich mit Zwiebelund Knoblauch zu sättigen und am bloßen Boden zu schlafen gewohnt ist. Ich hielteS für besser, meinen Weg fortzusetzen, allein weder mein Führer, noch sein Pferdvermochren eS. Ich legte mich daher ein paar Stunden auf den durchlöcherten Bodender besten Kammer im Hause, und nach ein Uhr Mitternacht setzten wir unsere Reisefort. Doch auf welche Weise! Gequält von dem erduldeten und noch schneidendennächtlichen Froste, noch mehr aber von der Furcht vor Dieben beunruhiget, begrüßteich Jeden, der uns begegnete, in freundlichster Weise, und hätte mich glücklich geschätzt,eine, wenn auch weniger höfliche Antwort zu erhalten; allein ich erhielt öfters auchdiese nicht. ^. ^ .

Nach einem Wege von fünf Stunden sah ich endlich zum dritten Male dieHauptstadr Arkadiens wieder, so wie meinen theuern Freund Herrn vr. Schimpfle,der mich, wie im verflossenen Jahre, in seinem Hause beherbergte. Ich vergaß alleBeschwerden der Reise in den Umarmungen meines besten und liebenswürdigstenWirlheS. Die Stadt Tripolitza wurde vor 25 Jahren von Ibrahim Pascha zerstört,und liegt acht Stunden westlich von MiluS und fünf Stunden nördlich von Mrgalo,poliS, ihre Bevölkerung besteht in 68Vöt> Seelen; größtenlheilö wohnen bier Eisen-und Kupferschmiede, Katholiken befinden sich hier keine, als der obenerwähnte Arztund sein Diener, ein Venezianer, welche am darauffolgenden Sonntag TrinitatiS dieheiligen Sacramente der Beicht und Communion empfingen.

Obschon mein noch weit entferntes Reiseziel mir keinen längern Aufenthaltgestattete, so verschob ich doch meine Abreise bis nach dem heiligen Fronleichnams-feste, während dessen ich nicht auf der Reise seyn wollte. Ich machte mich dahererst den folgenden Freitag auf den Weg, und kam den nächsten Tag in Begleitungzweier Gendarmen nach Kalamata , wo ich in der Kaserne St, Floro übernachtete.«Kalamata , der Hauptort des peloponnesischen Paradieses, ist berühmt durch seinenFeigen-, Seiden- und Oelhandel, und wird v^n 4000 Mainoten, Messeniern undFestlandSbewohnern bevölkert, unter denen sich zwei europäische Aerzte, von welcheneiner ein Deutscher ist, sich befinden. DeS letztern Gastfreundschaft benützle ich Heuervierzehn Tage lang, und obgleich derselbe Protestant und seine Frau schiömatischeGriechin ist, so Überhäuften mich doch beide mit Artigkeit. Ich kam an einemSamstage hier an und hatte also nicht Zeit genug mich genau um die Zahl der hierwohnenden Katholiken zu erkundigen, ich erfuhr indeß, daß deren bloß fünf oder sechs,meist Lombarden hier seyen, welche in den Seidenfabriken arbeiten. Da diese vonmeiner Ankunft Kenntniß erhielten, wohnten sie den folgenden Tag der heiligen Messebei, die ich in einem Saale meiner zuvorkommenden Gastfrennde feierte, doch machtensie keinen Gebrauch von den^heiligen Sacramenten der Buße und des Altars.

Kaum waren zwei Tage in der herben Erinnerung dieser geistigen Lauheit ver-strichen, so hörte ich auf einem Spaziergange unter den vaterländischen Lauten italie-nische Worte sprechen; ich nähere mich, und bemerke unter der griechischen Fustanelladie europäische Tracht. Ich fragte daher die Fremden, ob sie Italiener seyen, undwie lange sie hier wären. Obschon sie aus der Sprache vermuthen konnten, daßich ihr LandSmann, also Katholik sey, erriethen sie dennoch nicht, daß ich Priesterwäre. Die Neugierde, oder besser mein Wunsch, ihre Zahl, die Zeit ihreS Aufent-haltes und ihre Absichten kennen zu lernen, vervielfältigte meine Fragen, und bestimmtemich, ihnen meinen Zweck zu entdecken. Ich näherte mich einem derselben, der ihrVornehmster schien, und sagte ihm im Vertrauen, daß er meinen Eifer nicht übelnehmen möchte, da ich keine andere Absicht habe, als ihr geistiges Interesse zu för-dern, und im Falle sie von den Gnadenschätzen unserer heiligen Kirche GebrauchmaclM möchten, sie in mir einen Priester derselben vor sich sähen. EhrwürdigerVater, rief er aus, während die innigste Freude aus den Augen der Uebrigen glänzte,ehrwürdiger Vater, ich bin ein katholischer SchiffSiuhrer aus Apulicn, habe zwei mitSegeln versehene Fischerbarken und mein SchiffSvolk, das in zwanzig Personen besteht,ist sämmtlich katholisch; nach achtzehnmonallichem Aufenthalte in diesen Gegenden