Ausgabe 
12 (4.7.1852) 27
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Fürsten abzudringen und den Plan einer allgemeinen Zerstörung in Wort und Thatverrieth" (Eckert 131). Ob man nun auch im Manifest diese Tendenzen gebrant-markt und als scheußlichen Mißbrauch darstellt, so viel wird klar werden, daß derMaurerbund von den erklärtesten Feinden der Monarchie u»v christlichen Staatsord-nung gebraucht oder gemißbraucht und so eine Quelle zahlloser Uebel geworden, anwelchen die Gesellschaft noch heute blutet und sich verblutet. Nach obigem Selbst-bekenntniß kann es nicht ohne Bedeutung seyn, daß, wie Eckerl hervorhebt,vorjeder großen RevolutionSperiore ein europäischer Freimaurer -Congreß statt fanv, so zuParis 1785, zu Straßburg 1847 und in der Schweiz Ende 1348 vor dem Frank-furter Sturm auf die Nationalversammlung " Merkwürdig wenigstens bleibt dieseThaisache, mag man auch nachweisen, daß dort eine große Zahl Männer versam-melt gewesen, welche mit den Revolutionen nicht im Geringsten zu schaffen gehabt.Denn daß viele unwissend über viele Zwecke vieler Ordenöglieder sind, wer kann daöläugnen, da der Freimaurer Venlurini in seiner Geschichte der Freimaurerei übereinstimmend mit Louis Bianc (bei Eckert pgA. 2l) ausdrücklich sagt:Höchsterfreulich ist der Zutritt der Fürsten , Prinzen ic. Wenn jene Großen auch nicht denBau als Werkleute befördern dürfen, und die Maurergeräihe nur von Silber niedlichverjüngt im Knopfloch tragen, so sind sie doch für den Bund wichtig durch ihrenReichthum als Bauherren, oder durch ihren weit ausgedehnten Einfluß im Staate.Zudem sind solche geheime Verbindungen, so frei und selbststäncig sie auch erscheinenmögen, doch gar zu abhängig vom guten Weiler von Obenher und gedeihen nur imSonnenschein. Wo der Fürst schmollt, besorgt man Ungnade sich zu erbauen. .Mögen die vornehmen Gäste von höchsten, hohen und nicht hohen Graden immerhinbefreit seyn von der Pflicht, im Schweiße deS AngestchlS zu bauen, nur dasitzen,wie Martins Ha üben stock, so befruchtet doch ihre Gegenwart Viele." Wennalso die höchsten Personen nur zum Geldzahlen unv zur Anfeuerung dasitzen undjedenfalls über die letzten Zwecke im Dunkel bleiben, warum sollen nicht auch minderVornehme bloß Dienste leisten, ohne die Geheimnisse zu kennen und sie zu billigen?Ist ja doch Geheimniß und Mißtrauen selbst unter OrdenSgliedern durch die Funda«mentalgesetze der Maurerei privilegirt. UebrigenS wozu mit einem bloß auffälligenFactum unS beschäftigen, wenn wir bestimmtere Thalsachen zur Beurtheilung haben?

In dem Ausnahmsritual in den Grad eines schottischen Meisters unv AndreaS-RitterS lieSt man laut Eckert paZ, 353:Niedergerissene S>ufen der Treppe undMauer können dienen, sie gleicherweise zu erinnern, daß die Festung und Mauer deSAberglaubens, der Tyrannei und der Betrügerei niedergerissen werdenmüsse, wenn die Wohnung und der Tempel der wahren Gottesfurcht, der Freiheitund Redlichkeit bestehen könne." Ob die Erklärung EckertS falsch ist, der unterdem Aberglauben die Kirche und unter der wahren Gottesfurcht daS sogenannteOrvenSchristenlhum, unter Tyrannei die Monarchie als Gegensatz der OrvenS-Republik versteht? Daß unzählige Maurer die mysteriöse Stelle so verstanden, bezeugtdie Geschichte. Wenigstens steht dieß von den Puritanern und Jndependanten fest,welche dem äußern Orden angehörig im Gegensatz zu dem aristokratischen Elementdesselben König Carl vom Throne auf daS Blutgerüst schleppten und Cromwellzu seinen Blutthaten behilflich waren. Noch evidenter ist dieß von der französischen Maurerei, welche sich im Jahre 1772 unter einer ordentlichen Centralleitung eng zu-sammenschloß, die Unabsetzbarkeit deS Meisters vom Stuhl aufhob, sich auf demokra-tischer Grundlage constituirte, fast alle jene Männer in ihren Sckovß aufnahm, diespäter die Großmeister deS KönigSmordeö und der blutigsten Menschcmchlächteretwurden und die Grundsätze der französischen M.iurerei am 15. Februar 1785 auf demallgemeinen Freimaurer-Convent nach ganz Europa zu verpflanzen sich bemühte.Von nun an waren die Maurerlogen Frankreichs daS Revolulionölribunal, wo diePläne geschmiedet wurden, wie man zunächst im eigenen Lande dem Thron eineConcession nach der andern durch Schmeichelei und Drohung abbringen, den Königvon seinen getreuen Berathern trennen und in die Hände von Verrälhern überliefern,