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Geschwister und Freunde verlassen, allein noch aushielt und den Unglücklichen, alsdieser sterbend ihn zu umarmen wünschte, auch wirklich mit unerschüttertem Gottver-trauen und einem gewiß nicht gar zu häusigen Heroismus an sein Herz drückte;die Pariser Blätter, wie gesagt, berichten nun auch von einem andern ähnlichenHeldenmuthe, den ein Prediger in der Umgegend von BloiS kürzlich bei einer ähn-lichen Gelegenheit zu Tage legte. Es war dort nämlich einem jungen, zwanzigjäh-rigen Menschen von einer giftigen Viper eine tiefe Wunde beigebracht worden, sodaß er, da Niemand, weder Vater, Freund, noch Geliebte die Aufopferung über sichgewinnen konnten, dieselbe mit ihren Lippen auSzusaugen, als dem Tode verfallenbetrachtet werden mußte. AIS dieß ein in der Nähe sich befindender Priester hörte,eilte er sogleich herbei, riß die Wunde mit einem Messer weit und tief auf und sogmit einem großen Theil Blut sehr glücklich auch das Gift heraus. Ein Arzt, derspäter hinzukam, fand diese Procedur so vortrefflich, daß er nichts weiter als einenVerband anzulegen für nöthig fand. Während dessen war der Geistliche still undanspruchslos in seine stille Wohnung zurückgegangen, um dort dem höchsten Gottedafür auf den Knieen zu danken, daß er daS Werkzeug zur Rettung eincS jungenMenschenleben hatte werden können. So viel man weiß und auS den Mittheilungender Zeitungen schließen darf, ist der junge Mann alö schon fast ganz geheilt undsein Retter als von dem eingesogenen Gifte nicht afficirt anzusehen.
Die Mission in Jngolstadt
vom 29. Mai bis 13. Juni 1852.
Kaum sah der würdige, für die Größe deS Christenthums aufrichtig begei,sterte Herr Stadtpfarrcr zu U. L. F. in Jngolstadt, Georg Angermaier, nachdem erunter Mühen und Leiden, die nur Gott allein kennt, die Restauration deS Pracht-TempelS zu U. L. F. betrieben, dieses schöne Werk seiner Vollendung sich nahen, sodachte sein christlich frommer Sinn sogleich daran, durch eine Mission den GotteS-Tempel auch in den Herzen der Gläubigen wieder in seiner vollkommenen Reinheitund Würde aufzubauen; der feierliche Einzug in die reparirte Licbfrauenkirche solltezugleich der Anfang einer Mission seyn, und diese sollte durch Jesuiten abgehaltenwerden, d. h. durch Männer j<neS Ordens, dessen Erinnerung beinahe jeder SteinJngolstadtS in den Herzen der Bevölkerung wach erhält. Doch damals konnte dieheilige Absicht noch nicht erreicht werden. Um so entzückender durchflog alle Gemü-ther die erfreuliche Nachricht im l. I., eö sey Jesuiten -Missionen in der Diöcese Eich-städt kein Hinderniß mehr gelegt Und so zogen denn vier PP. geleilet von dem fürMissionen hochbegeisterten hochwürdigen Herrn Gencralvicar Frieß am 29. Mai umhalb N Uhr Morgens in daS StadtpfarrhauS zu U. L. F. ein, woselbst bereitsalle Vorsorge für ihren Aufenthall getroffen war. Am Abende des nämlichen TagcSeröffnete P. Crupöki auS Russisch-Polen, Superior in Innsbruck , die Mission vorder massenhaft versammelten Bevölkerung JngolstadtS mit einer durch eine Stundedauernden Predigt über den Zweck und vaS Wesen der Mission. Lautlose Stille.P. Matthoy, ein Tiroler von Geburt, predigte am Pfingstsonntage Morgens halbsechs Uhr über daö eigentliche Ziel deS Menschen und den wahren Zweck seinesDaseyns. Um neun Uhr betrat P. Schmude, ein geborner Schlester, die Kanzel.Man hätte glauben sollen, keine einzige Seele wäre zu Hause geblieben; so zahl-reiche Menge war versammelt und zwar auS allen Ständen. Und wahrhaft, eS warNiemand umsonst gekommen. Denn der jugendliche Pater, etwa 29 Jahre alt,predigte über die Nothwendigkeit einer Offenbarung und die Göttlichkeit der christ-lichen Offenbarung, wie sie in der katholischen Kirche bewahrt wird, mit solcherMeisterschaft, daß der Triumph der Miss'on über alle Geister entschieden war.Abends sieben Uhr erschien P. Rohmann, ein geborner Wiener; wahrhast eine gnimscsoclicig weiß er bei.der höchsten Einfachheit seiner Worte durch den melodischen