Ausgabe 
12 (11.7.1852) 28
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Wohllaut seiner Stimme alle Herzen zu fesseln. Und so ging cS fort die vierzehnTage, jeden Tag drei Predigten, und immer war so zu sagen die eine besuchter alsdie andere; so kam eS, daß Sonntag den k. Juni um neun Uhr Vormittags wenig-stens 910,000 Menschen dem Worte des Predigers lauschien, am Schlußtageselber aber, am 13. Juni, dürften es gegen 1213,000 gewesen seyn. Es konnteauch kaum ein besserer Zeitpunct für die Mission gewählt seyn, als das heiligePfingstfest mit seiner Octave und die Zeit deö hochheiligen Fronleichnamsfestes.Unvergeßlich wird die höbe Feier deS letzten Festtages in Jngolstadt seyn; denngerade am Vorabende predigte P. Schmude über den Undank der Christen gegen daSheilige Sacrament deS AltarS und machte öffentliche Abbitte im Namen aller Ständevor dem ausgesetzten Allerheiligsten; am Tage selber hielt die Procession der hochw.Herr Generalvicar. Nicht weniger bleibend wird die Erinnerung an den Abend des12. Juni seyn, an welchem er die PredigtMaria, die Mutler der Barmherzigkeit"zum Gegenstande hatte. Um diesen Abenv und den Schlußtag der heiligen Missionzu verherrlichen, waren auch Se. bischöfl. Gnaden Georg v. Oettl nack Jngolstadtgekommen. Während der Predigt stand eine MutlergolteSstalue im PreSbytcriumund um dieselbe eine Schaar von ungefähr 50 weißgekleideten und außerdem nochandere 130 bis 140 Mädchen; als nun nach der Predigt diese 200 Stimmen ertön-ten und ein Weihelied zur Glorie der Gottesmutter sangen, hätte auch ein Felsen-Herz sich erweichen müssen.

Triumphirte aber diesen Abend die Lieblichkeit der Mutter, so beherrschte amfolgenden Nachmittage alle Herzen die geheimnißvolle Majestät deS SohneS. Umacht Uhr Morgens celebrirten Se. bischöfl. Gnaden im feierlichen Hochamte, Nach-mittags zwei Uh? der hochwürdige Herr Domcapitular Grämel die feierliche Vesper,worauf P. CrupSki die Schlußpredigt hielt und den apostolischen Segen ertheilte;dann eröffnete sich der Zug vor die Kirche hinaus zu dem Orte, wo daS MissionS-kreuz für die obere Stavipfarrei errichtet wurde. Kreuzweihe und sclorstio crucis.In die Kirche zurückgekehrt bestiegen Se, bischöfl. Gnaden selber die Kanzel. DaSUnerwartete dieses Ereignisses wirkte so sehr auf Aller Herzrn, daß schon die Thränender Freude flössen, ehe noch daS Wort deS begeisterten Obeihirten vernommen worden.Zum Schlüsse hielten Hochdieselben noch innerhalb der Kirche eine feierliche Processionmit dem Allerheiligsten, unter Absingung der vier heiligen Evangelien. So war denndie heilige Gnadenzeit leider zu schnell ihrem Ende entgegengeeilt. Unser hochwür-digster Herr Oberhirte ist aus unserer Mitte geschieden, aber die Dankbarkeit fürdie uns durch Hochihn bereitete Gnade lebt in unsern Herzen fort. Sie haben unSverlassen die Herren Missionäre, aber ihr Geist weilt noch unter unS und ihr Wortist unaustilgbar gegraben in unsere Gemüther. Sie haben gesäet im SchweißeihreS Angesichtes; aber sie haben auch theilweise schon geerntet in der Freude ihresHerzens. Zeuge hievon mögen seyn die Schaaren derer, die auf ihre Worte alleTage lauschten; Zeuge mögen seyn die Beichtstühle, die stctS massenhaft umlagertwaren; Zeuge mögen seyn die circa 13,000 Communionen, die während dieserGnadenzeit gespendet wurden; Zeuge mögen seyn die Beispiele außerordentlicher Zer-knirschung im Bußgerichte und mustervoller Andacht am Tische deS Herrn; Zeugemögen seyn die Restitutionen, die geschahen und noch geschehen; Zeugen mögen seynAlt und Jung, Vornehm und Niedrig, Arm und Reich, wie sie sich am Tage derAbfahrt der Herren Missionäre in daS Pfarrhaus drängten und ein Andenken sicherbaten, einen Rosenkranz, eine Medaille, ein heil. Bild o wie war Alles theuer,wenn eS nur von der Hand der Missionäre kam. Und diese Wirkungen sah mannicht bloß als vorübergehende Regungen des Gemüthes; nein die Missionäre habenüber die Geister einen bleibenden Sieg errungen, und gerade vielleicht über die Geisterder Gebildeten den bleibendsten. Sie haben uns nicht erschreckt durch fürchterlicheHöllenqualen, sie haben unS nicht zu schnell «erstechenden Thränen gerührt durchsentimentale Knallessecte, sie haben daS einfache, deutliche, majestätische Wort desEvangeliums verkündet aus der Uebermacht ihrer Ueberzeugung und haben auch unsere