Zwölfter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Augsburger Pojheitung.
18. Juli 2«, !85S.
DieseS Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige AbouuementspreisTV kr., wofiir e» durch alle köuigl. bayer. Postämter und alle Buchhaudluogeu bezogen werdeo kann
Hirtenbrief der versammelten Bäter auf dem National - Concil
Die in Baltimore versammelten Bischöfe haben folgenden Hirtenbrief an denKleruS und die Gläubigen der Vereinigten Staaten erlassen:
„Versammelt zu einem National-Concilium unter der Autorität unseres heilig-sten VaterS, PiuSlX., haben wir keine dringendere und zu gleicher Zeit unserenGefühlen wohlthuender« Pflicht zu erfüllen, als an die Heerde unö zu werden, dieunserer Sorge anvertraut ist. Die Anhänglichkeit an vie Lehren und Gebräucheunserer heiligen Religion, welche die Katholiken der Vereinigten Staaten auszeichnet,die Gelehrigkeit und der Gehorsam, den sie stets zu erkennen gegeben haben; dieherzliche Einigkeit, welche in dem ganzen katholischen Leibe dieses weiten Gebietesherrscht, trotz der Verschiedenheit des Ursprungs, der Sitten und der Sprache dereinzelnen Glieder, ihr allgemeiner Eifer und ihre Hingabe in der Ausübung der Tu-genden des Evangeliums, erfüllen unsere Herzen mit Freude und wiegen unö reich-lich die Mühen und Sorgen unseres HirtenamteS auf. Wir können daS Wort desApostels in den Mund nehmen: „Unser Mund ist offen sür euch, unser Herz ist weit."«Groß ist unser Vertrauen auf euch, groß ist unser Ruhm in euch. Wir sind vollvon Trost und fließen über vor Freude in all unsern Trübsalen."
DaS Ansehen, welches wir ausüben, ist von Christus uns gegeben. Wir sindseine Diener und Gesandten. Wir begehren keine Macht und suchen keinen Einfluß,den unS Gott nicht zuertheilen wollte. Unsere Wicht ist eS, das heilige Pfand desGlaubens zu bewahren; denn dieses Pfand ist unS anvertraut worden; von unswird unser göttlicher Herr einst Rechenschaft darüber verlangen. Gott hat sich gewür-digt, zu verschiedener Zeit und auf mancherlei Weise zu unS zu reden, in der vergan-genen Zeit durch die Propheten, und zuletzt durch seinen Sohn. Und dieser göttlicheSohn, der Abglanz der Herrlichkeit deS VaterS und die Figur seines Wesens, hatuns zu Bewahrern seiner Lehre gemacht, und da der Mensch nothwendig hat, vonGott Belehrung zu empfangen, so muß er auch stets diese Lehre durch einen Kanalerhalten, der sie bewahrt vor Allem. waS ihre Reinheit trüben und ihr Ansehen ver-Nichten könnte. Es ist nicht bloß nölhig, daß wir wissen, daß Gott gesprochen hat;wir müssen auch gewiß seyn, seine Stimme zu hören in jedem Zeitalter. Obgleich ernicht mehr sichtbar unter den Menschen wandelt, so hat Christus, unser Gott, unsdoch nicht als Waisen hinterlassen. Er hat den heiligen Geist gesendet, den Tröster,den er versprochen hat; er hat belebt mit dem Hauche deS ewigen Lebens die irdischenElemente, die er zur Bildung seiner Kirche ausersehen; und dieser heilige Geist wohntstets in der Kirche, lehrt sie alle Wahrheit, bewahrt sie vor jedem Irrthum, machtsie zu einem sichern Führer zu den Weiden deS Heiles, zu der Quelle, welche inS