Ausgabe 
12 (18.7.1852) 29
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steilen Abhang in die verschiedenen, über einer Fläche von ungefähr einer halbenStunde Umfang verbreiteten Anlagen. Die Vorderseite dieser Sternwarte nun unddie entsprechenden Hinzugänge waren, erstere mit taufenden von Lampen, letztere mitmattem, farbigem Lichte beleuchtet, und die Warte strahlte hinaus in die Nacht,weithin das schöne Thal hinab sichtbar, wie das Stift selbst, seit tausend Jahreneine Leuchte der religiösen Gesittung und Bildung, in die Nacht deS Urwalds hin«ausgestrahlt hatte. Ein herrlich gelungenes Feuerwerk wurde abgebrannt, zwei Musik-chöre spielten abwechselnd entsprechende Weisen, bis endlich gegen eilf Uhr dieunzählige Menge der Zuschauer, welche das seltene Schauspiel herbeigelockt, sich ver-lor und die Lampen, allmälig verlöschend, einsam auf die feenhaft vom Dunkelblaudes Himmels sich abhebenden, üppig grünen Baumgruppen herabflimmerten. Vondem überwältigenden Eindrucke, den daS sinnvolle Schauspiel der Beleuchtung geradedieser Warte der Wissenschaft auf alle Anwesenden, besonders auf den priesterlichenHausherrn machte, von den immer wied<r neu auöbrechenden Thränen der Rührung,welche ihm der den ganzen Tag hindurch dauernde Beweis der seltenen Eintracht,Liebe und Anhänglichkeit an ihn und das uralte Gotteshaus entlockte, dieser Be-weis, der da zeigte, welche segenSvolle Kräfte aller und jeder Art daS Stift beher-berge, wenn sie klug gelenkt und nicht mit Gewalt in eine naturwidrige Richtunggedrängt werden: von allem dem schweige ich; in einem Zeitraume von fünfTagen war daS ganze schöne Fest veranstaltet worden. Gestehen aber muß ich, daßich stolz war an jenem Tage, in diesem ächt christlichen Hause bekannt zu seyn, soviele seiner Mitglieder meine Freunde, ja Brüder zu nennen und Zeuge zu seyn, wiesie alle gehoben und edlen Selbstgefühles voll waren, einem solchen Hause anzuge-hören. Wahrlich, es ist ein schönes HauS, und stolz darf daS Land seyn, welchesmehrere solche besitzt: solche Sitze ächter, reiner, christkatholischer Bildung und Wissen-schaftlichkeit, gleich entfernt von Frömmelei und von Freigeisterei; geehrt von Jeder-mann, den nicht Scheelsucht plagt, Hoch und Niedrig, Geistlich und Weltlich;unvergeßlich zeitlebens denen, die da ihre Zugendjahre verlebten und von jedemUnterrichtsplane auS, geleitet von verständigen, liebevollen Jugendfreunden, ächtreligiöse und wissenschaftliche Bildung erhielten. Möge eS lange, lange unverändertso dauern I (D. V. H.) _

Rom .

Rom , 12. Juni. Seit mehr denn acht Tagen verweilet in unserer Mitte derhochw. Erzbischof von München , Graf Reisach, um mit dem hl. Vater, wie eS scheint,Rücksprache zu nehmen über die kirchlichen Angelegenheiten der eigenen Diöcese sowohl,alö des ganzen BayernlandeS. Bereits am dritten Tage nach seiner Ankunft wurde demhochverehrten Prälaten eine Audienz gewährt, welche zwei volle Stunden in Anspruchnahm und gewiß nicht die letzte seyn wird. Da derselbe zugleich assistirender Bischof beimpäpstlichen Throne ist, erhielt er eine sehr auszeichnende Einladung zur Theilnahme ander großen Procession deS FronleichnamStageS und nahm dort einen besonders ehrenvollenPosten unmittelbar nach den Cardinälen ein. Zur vorzüglichen Freude gereicht die Anwe-senheit desselben Prälaten den beiden Anstalten, welchen er früher angehörte, vereinenals Zögling, der andern als Vorsteher: wir meinen das Kollegium Germanicum und diePropaganda. Mehr als einmal versammelte er bereits die Zöglinge beider um sich, undwie er dieselben durch sein herablassendes und zutrauliches Benehmen erfreute und an sichzog, so ermunterte er sie zugleich durch sein mahnendes Wort, mit unausgesetztem Eiferund mit püncilichem Gehorsam, unter der liebevollen Leitung der trefflichen Väter undObern, aus die künftige Bestimmung sich vorzubereiten. Man sah eS zugleich, welchesVergnügen eS dem hochw. Erzbischof gewährte, mehrere Zöglinge beider Anstalten durchErtheilung einiger höhern und niedern Weihen und der Tonsur, um einen Schritt demZiele näher führen zu können. Seine Anwesenheit in Rom wird wohl über die Dauereines Monats nicht hinauSreichen. (M. S.-Bl.)__

Verantwortlicher Redacteur : L. Schöucheu.

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