Ausgabe 
12 (25.7.1852) 30
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drei Patriarchalkirchen St. Maria Maggiore , St. Peter und St. Johannes imLateran in ihren Jnsignien, der Vicegerente von Rom , und nun begann die söge-nannte Cappella Poniificia mit ihren zahlreichen und in so verschiedenen Abstufungenausgezeichneten Mitgliedern. Dem CardinalS' Kollegium vorher gingen die infulirtenAebte, die dem päpstlichen Throne nicht assistirenden Bischöfe und Erzbischöfe, dergriechische und der armenische Bischof in der Tracht ihres RituS, und die assistirendenBischöfe und Erzbischöfe alle in Pluvialen auS Silberstoff und eine weiße Mitra lin der Hand tragend. Die Cardinäle waren nach ihrem Range, die Diaconen inder Tunicella, die Priester in Caseln und die Bischöfe in Pluvialen gekleidet undließen, während alle andern an der Procession Theilnehmenden selbst brennende Wachs,lichter trugcn, diese durch ihre Dienerschaft tragen. Ihnen schlössen sich noch die dreiConservatoren des römischen Volkes, der Senator und Governatore von Rom undandere Würdenträger an, worauf Se. Heiligkeit der Papst, getragen auf dem hohenSessel und das Sanctissimum vor sich habend, folgte, während der römische Magi-strat hoch darüber den kostbaren Baldachin ausbreitete. Man hat PiuS IX. inseinen verschiedenen kirchlichen Funktionen in verschiedener Hinsicht bewundert; dieEinen heben die Majestät hervor, mit der er die Benediction von der Loggia vonSt. Peter spendet; die Andern fühlen sich noch mehr angezogen durch die außeror-dentliche Würde und die sichtbare Andacht, mit der er daS heilige Opfer auf demGrabe deS Apostelfürsten darbringt; Andern wieder prägt sich die Einfachheit, Demuthund Erniedrigung tiefer ein, mit der er alljährlich dreizehn Priestern die Füße wäschtund küßt; aber gewiß nie zeigt sich alles dieses schöner verbunden und vereinigt,als wenn er, der höchste Würdenträger auf Erden und als solcher hoch und in herr-licher Umgebung einhergetragen, sich oben auf dem Thronsessel vor dem Allerheilig-sten erniedrigt und mit entblößtem und tiefgebeugtem Haupte daS hochwürdigste Gut,das er hoch in den Händen hält, anbetet. Hier ist der Statthalter Jesu Christi ,und siehe! er ist versunken in tiefster Anbetung seines Herrn, den er auf seinenHänden trägt! Wirklich, man muß PiuS IX. da sehen, um fühlen zu können, waSin dieser Erscheinung liegt. Beim Eintritt in St. Peter wurde von den SängerndaS Te Dmm angestimmt, und zum Schlüsse gab der heilige Vater dem überauszahlreichen KleruS und der ungeheuren Volksmasse, welche heute fast Gedränge in denRäumen dieser Basilika verursachte, mit dem Sanctissimum die dreifache Benediction.(Münst. S.-Bl.) _

Die »au»«« S5»erv Oovur.

(Von Friedrich Hurter .) ,

AIS in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts eine von Gott abgewen-dete Philosophie dem Wahn sich hingab, die Kirche vertilgen und den Glauben auSden Menschenherzen ausrotten zu können, suchte sie vor Allem deS Unterrichts undder Erziehung sich zu bemächtigen. Ihre vereinten Streiche waren daher zu allererstgegen j ne erlauchte Gesellschaft gerichtet, die durch zweihundert Jahre in allen katho-lischen Ländern dem Unterricht und der Erziehung mit solchen Erfolgen sich beflissen, ^welche nur die Feindschaft gegen alles Höhere und die Unwissenheit mißkennen oderläugnen können. Der Schlag aber, welcher die Gesellschaft vernichtete, erschüttertezugleich die Grundlagen, auf welchen Unterricht und Erziehung bisher überall geruhthatten; beide, ob nun in ihrer Beziehung zu der männlichen, ob in ihrer Beziehungzu der weiblichen Jugend, verfielen immer mehr dem Weltgeist und seiner zerstörendenEinwirkung. AIS dann in fortschreitender Entwicklung jener Bestrebungen in so man-chen Ländern alle kirchlichen Korporationen, auch diejenigen, welche Unterricht undErziehung sich wesentlich als Lebensaufgabe gestellt, vernichtet wurden, blieb zwardaS Bedürfniß nach beiden wie zuvor. WaS aber bisher im Aufblick zu Gott undin liebreicher Hingebung an seine Menschenkinder dargeboten und gewährt wordenwar, sank jetzt zu einem Gewerbe und zur Geldspeculation herab, welche, den Im-pulsen von oben fremd, denjenigen von unten zur Verfügung sich stellen mußte. Die