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Kinder wurden nicht in dem allseitig veredelnden Sinne des Christenthums, sondernin dem äußerlich abschleifenden Sinne der von Gott abgekehrten Welt unterrichtetund erzogen.
Zu eben der Zeit, da in Frankreich , in dessen Hauptstadt vornämlich, christ-licher Glaube und Sittlichkeit und was mit beiden in unzertrennlicher Verbindung,Ordnung und Gerechtigkeit für immer darnieder getreten schienen, keimte jene Ver-bindung christlicher Frauen, die sich den Namen vames 6u 8aer6 Loeur 6s 5esubeilegten, und welche vor Jahren schon ein hocherleuchteter Mann „den Sieg derBarmherzigkeit GotteS über dessen Gerechtigkeit" genannt hat.
Die jetzt noch zu Paris als Oberin der etlich und sechzig Häuser der Gesell-schaft, die seitdem in drei Erdtheilen entstanden sind, lebende Sophie Barot war imJahre 1800 eine Jungfrau von fünfzehn Jahren. Zu der außeryrdentlichen Mission,zu welcher die göttliche Vorsehung sie auSersehen hatte, war sie durch den seltenenVerein der vorzüglichsten Geistes- und HerzenSgaben ausgestattet. Zu Wissen undFrömmigkeit, Heldenkraft und Demuth, gesellte sich jene Liebenswürdigkeit, die einbesonderes Erbgut des französischen Charakters ist, und, durch Tugend verherrlicht,vielleicht nicht eineS der geringsten Mittel war, dessen sich die Güte GotteS bediente,um ihr so viele Herzen zu gewinnen. Durch heißes Gebet und durch eifriges Stu-dium aller jener Gegenstände, die heut zu Tage zu einer feinen Erziehung gezähltwerden, bereitete sie sich zu ihrer großen Aufgabe vor. Ihr tiefer Geist beschränktesich nicht auf die gewöhnlichen Gebiete deS Wissens; sie machte sich selbst die altenSprachen zu eigen, um deren Schriftstellen in dem Urtert lesen und mit Leichtigkeitauslegen zu können. Setzte sie hierdurch bei den vielfachen Prüfungen, die sie, umihren Lehrplan in Ausführung zu bringen, zu bestehen hatte, die Männer in Stau-nen, so entzückte sie daS weibliche Geschlecht durch die vollendete Zierlichkeit ihrerHandarbeiten. Jenes Wissen aber, worin Madame Barot einer RoSwira von Gan-derSheim, einer Christine von Schweden kann verglichen werden, sollte ihr nur alsMittel dienen, um die Herzen für Tieferes und Edleres empfänglich zu machen, denbeinahe verschwundenen Glauben wieder anzufachen und zu neuen Blüchcn zu erkräf-tigen. Sie fand bald einige würdige Mitarbeiterinnen in edlen Frauen, welche,wunderbar dem Blutgerüste entronnen, von dem reinsten Eifer lurchglüht waren,Gott und in Ihm dem Nächsten zu dienen, somit beizutragen, die schwere Schuld zusühnen, die auf ihrem furchtbar durchwühlten Vaterlande lag. Sie Alle hatten sichin Gott und durch Gott gefunden, empfahlen Ihm im einsamen Gebet ihr Vor-haben und gründeten darauf in AmienS ihr erstes Haus, welches die Wiege der seit-dem durch so viele Länder verbreiteten Gesellschaft ist. Der heilige Vater Leo XII. erkannte dieselbe als Orden, der seitdem der besondern Vorliebe seiner Nachfolger sicherfreut, dessen die drei Häuser, die er zu Rom besitzt, daS vollgiltigste Zeugniß sind.
Unscheinbar und wie alles Bessere, unter Kampf mit mancherlei Schwierigkeiten,anfangs selbst mit Noth und Mangel und Anfechtung von außen begann dieses We»k.ES schien, als sollte daS mit Dornen gekrönte, mit dem Kreuz durchstochene, vonFlammen umgebene Herz deS Erlösers an seinen erwählten Bräuten geistig sich dar-stellen. Nachdem sie Jahre und Jahre treu und muthig unter Armuth und Mißken-nung ausgeharrt, brach endlich die Sonne durch die Wolken hindurch; Könige undFürsten durchschauten die hohe Bedeutung dieses Instituts und kamen ihm mit Huldentgegen, wie aus den Jahresberichten deS Ordens sich nachweisen läßt, der schonim vorigen Jahr über 2000 Mitglieder zählte, die in 64 Häusern das Wort deSHerrn: „Lasset die Kleinen zu mir kommen, denn ihrer ist das Himmelreich," in derzartesten und erfolgreichsten Weise zu verwirklichen sich bestreben.
Durch persönliche Beziehungen zu den Bischöfen von Parma und von Straß-burg ist eS dem Schreiber dieses möglich geworden, die Häuser deS Ordens inersterer Stadt, sodann dasjenige zu KinSheim im Elsaß etwas einläßlicher kennen zulernen, als eS sonst einem Reisenden möglich ist; genaue Berichterstattung ist ihmspäter zu Theil geworden von einigen Vätern, die ihre Töchter den vsmes <w Ssere