Ausgabe 
12 (1.8.1852) 31
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unschätzbare Perleu als Worte, wahrlich Worte des ewigen Lebens, begierig aufge-fangen von der gespanntesten Aufmerksamkeit des Volkes, unter welchem sich Prote-stanten und Juden befanden, wie denn überhaupt diese Mission auch von Andersden-kenden fleißig besucht war.

Im Ganzen wurden 33 Predigten gehalten und über ihre Zweckmäßigkeit istnur eine Stimme. Die Missionäre widmeten sich mit aller Energie und Rastlosigkeitund Unverdrosscnheit dem beschwerlichen Amte im Beichtstühle nicht minder, denn ^ufdem geheiligten Rostrum. Alles wollte den Missionären beichten und durchaus Grund-beichten ablegen, so sehr hatten die wohlberechneten Vorträge über die Sünde, überdie Beicht, über die Unlauterkeit, über die Hölle, über den Himmel wie eben soviele schwer treffende Hämmer die Herzen verschlagen und die Gewissen erschüttert.Obwohl daS Auditorium, wie gesagt, sehr gemischt war, so fiel doch kein Wort,welches den religiösen Frieden störend hätte notirt werden können, dessen ungeachteterschollen die unveränderlichen Glaubenssätze unserer heiligen katholischen Kirche inunverkümmcrter Präcision. Hieher rechnen wir die Taufbunderneuerung, die Predigtüber die Kirche, übcr die SonntagSfcier, über die Eucharistie, über die jungfräulicheGottesmutter. Die Erneuerung der Taufgelübde und die Weihe der Mutter deSHerrn waren überdieß mit den entsprechendsten und ergreifendsten Ceremonien begleitet,welche nicht bloß zu Thränen rührten, sondern gewiß auch zu den heißesten DankeS-flammen entzündeten, einer Kirche einverleibt zu seyn und anzugehören, -welche sobeseligende Kräfte besitzt.

Sonntag den 18. Juli war zugleich daS Hauptfest der Bruderschaft vom heiligenSkapuliere, welche in der hiesigen Pfarrkirche, einem würdigen Denkmal deS deutschenRitterordens, errichtet ist, deßwegen der Zufluß deS andächtigen Volkes noch größer.War die zweite Predigt Vormittags schon ein Meisterstück einer marianischen Lobrede,so war die Abendrede über die SonntagSfeier so vortrefflich, daß sie nicht nur denBeifall der Menschen, sondern so zu sagen sogar des Himmels selbst errang, indemwährend derselben das heftigste Hochgewitter losbrach und die schmetternden Donner-schläge die Worte deS unerschrockenen Predigers bejahten:Du sollst den Sonntagheiligen!" Eine Predigt, welche ihrer unumstößlichen Wahrheit und ihres herrlichenVortragS wegen unverkennbaren Eindruck machte.

Dienstag, der letzte der Mission, brach an. Seine bischöfl. Gnaden unser hoch,würdigster Oberhirt Georg vo» Oettl eilte selbst herbei, um zu pontificiren und dieheilige Mission feierlich zu schließen. Nach dem Pontificalamte handelte die Predigtvom siegreichen Zeichen unserer Erlösung, vom heiligen Kreuze, nach Beendigung der-selben segnete der Prediger von der Kanzel aus die Rosenkränze, Medaillen undKreuze. Als er sagte: Jetzt nehmt die Rosenkränze :c., da war eS in der Thatunaussprechlich rührend, wie Personen jedes Standes, vornehme Damen wie Dienst-boten diese Gegenstände dem weihenden P. Superior entgegenhielten, auf den Empor-kirchen, in den Oratorien der Beamten, wie unten im Schiffe der Kirche. Hieraufbegann die Procession zur Weihe der MissionSkreuze; das der Pfarrei Ellingen warschon in der Chorrundung der Pfarrkirche der Mariencapclle gegenüber befestiget,daneben lehnten die tragbaren der bei der Mission bcthciligten Pfarrsprengel, siehatten sämmtlich die Aufschrift:Mission 1352. Geh' hin nnd sündige nicht mehr.Joh. 8, 11." Während 24 Priester aus verschiedenen Decanaten mit ihrem hoch-würdigsten Ordinarius den 95sten Psalm beteten, war das Volk von sichtbarer Ehr-furcht ergriffen, als aber der Bischof und nach ihm die übrigen Kleriker, einer nachdem andern fußfällig die vier Kreuze küßten, hörte man lautes Schluchzen, so ergrei-fend war dieser merkwürdige MissionSact.

Nachmittags drei Uhr war die Schlußpredigt über daß heilige AltarSsacramcntund Abbitte vor demselben. Der Eindruck dieser streng dogmatischen Predigt läßt sichwohl erwähnen, aber nicht schildern. Bischof, Priester und Volk aus den Knieenvor dem Manna des neuen Bundes gewiß Allen, die dabei gegenwärtig gewesen,ein ewig unvergeßlicher Moment. Hierauf entwickelte sich die theophorische Procefsion