Zwölfter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Augsburger PollMnng.
8. August M »2. 185L.
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Die Erzherzogin Maria von Steiermark,
Mutter Kaiser Ferdinand deS Zweiten.
Rede deS Herr» HosrathS und ReichShistoriographen vr FriedlichHurrer, gehalten in der Plenar Versammlung des Cen tr a l - S ev er i^nus verein es in Wien.am 13. Juli 1352.
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Zum ersten Male begrüßen wir beule die Anwesenheit der edlc», der katholi-schen Frauen deS WohlthätigkeitsvereineS, welcher, mit unserm SeverinuSverei» aufderselben Grundlage wurzelnd, in verwandter Thätigkeit ein gleiches segensreichesZiel vor Augen hat. Möge cS denselben mil uns als crmunrernde Vorbedeutunggelten, daß ihnen bei der ersten sichtbaren Theilnahme an unserm Verein als Will-komm daö hehre Bild einer Frau soll entgegengebracht werdeu, welche, abgesehenvon ihrer äußern Stellung, die Blüthe und die Zierde ihres Geschlechtes in jeglicherBeziehung mit dem vollesten Rechte darf genannt werben. Ein Bild, welches nichtdie schaffende Einbildungskraft eines hochbegabten Dichters in das scheinbare Daseyngerufen hcu, daher zu der Entgegnung berechtigt: Wer aber mag zu solcher Hohehinanklimmen? sondern ein wahres, wesenhaftes, durch die gewichtigsten Zeugnissebeglaubigtes Bild, also daß bei dessen Anblick in den Frauen selbst die Erkenntnißihrer hohen Bedeutung alö Glieder der Kirche und für die Kirche um so Heller in dasBewußtseyn treten, bei den Männern die Achtung vor den Müttern, nicht bloß desleiblichen, sondern in reicherem Maaß noch deS geistigen, Lebens erhöht werden muß.Und daS Urbild meiner schwachen Skizzirung — soll nicht dieß uns Alle inSgesammlum so mehr anziehen? — haben wir nicht in andern Ländern, unter andern Völkernzu suchen, wir finden eS in unserm Oesterreich, in unserm rühm- und tugendreichenRcgentcnhause.
Daß aber der treue Sohn der Kirche zugleich der treueste Sohn seines Vater-landes, der gläubige Christ nicht minder der bewährteste Unterthan seines von Gott gesetzten Regentenhauses sey, das ist eine Wahrheit, für welche die Geschichte allerLänder und aller Jahrhunderte als Zeuge einsteht; für welche die Erfahrungen unsererTage gegen alle Zweifler siegreich in die Schranken treten. Diese Treue und dieseAnhänglichkeit wird aber durch umfassende Kenntniß der Geschichte des Landes undseiner Regenten inS klare Bewußtseyn erhoben. Je bedrohlicheren Verwicklungenersteres durch die Weisheit, die Thatkraft und den hellen Blick der letzter» ist ent-rissen worden, desto freudiger und wärmer werden dem jeweiligen Nachfolger dieHerzen entgegenschlagen; dieß um so mehr, wenn sie, wie es uns Zeitgenossen gegönntist, in demselben nicht blos den Erben der Macht, sondern zugleich der erhabenenEigenschaften und aller Tugenden der ruhmreichsten Vorfahren verehren können.