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nach der brutalen Vertreibung der Redemptoristenpriester in Wien eine bewaffneteSchaar von Studenten und Nationalgcirden, welcher sich mehrere andere anrüchigeIndividuen angeschlossen hatten, von der Aula nach Eggenbnrg entsendet wurde, umdas dortige Kloster aufzuheben. ES geschah dieses noch vor der Publication deS Auf-hebungSdecreteS, eS ward weder der Bischof von St. Polten noch daS KreiSamtoavon verständigt, und die Anführer dieser bewaffneten Horde, welche mitten in ^zerNacht ankamen, sogleich alle Thore und die Glockenthürme besetzten und die Cassenuu> andere werthvolle Gegenstände in Beschlag nahmen, und den Mitgliedern derCongregation ein kleines Reisegeld mit dem Befehle einhändigten, daß sie binneneinigen Tagen das Kloster zu verlassen haben, konnten vor dem zufällig in derGegend anwesenden Kreiscommissär nur eine vom Minister PillerSdorf unterzeichneteSchrift vorweisen, die sie sich wahrscheinlich erpreßt hatten. Zum Glücke ließen sichdie Führer dieser sonderbaren ErecutionStruppe bewegen, am nämlichen Tage wiederabzuziehen, sonst wäre ein Zusammenstoß mit dem Volke, welches die sogenanntenFr Iheitshelden mit bedenklichen Blicken betrachtete, möglich gewesen.
Die Stadt Eggenburg sendete eine Deputation, a.n deren Spitze vr. Mcl. Fink,nach Wien und St. Polten, um die Erlaubniß zu erbitten, daß der Gottesdienst inder Liguoriancrkirche nicht unterbrochen werde, und es wurde gestattet, daß drei Prie-ster, aber ohne ihr Ordenskleid zu tragen, dort sich aufhalten dürfen. Se. k. k. apo-stolische Majestät haben das AufhebungSdecret gegen Jesuiten und Liguorianer zurück-zu nehmen geruht, und dadurch sind nun die Redemptoristen in den Stand gesetzt,von ihrem Hause in Eggenburg wieder Besitz zu nehmen und nach den Regeln ihresStifters darin zu leben. Seine Excellenz der apostolische Nuntius hat am 1. Augustin Eggenburg die feierliche Wiedereinführung der Sohne deS heiligen LiguoriuS inihr, ihnen wieder ganz zurückgegebenes Kloster vorgenommen; wo sie nun nach ihrerOrdensregel leben und besonders durch Missionen segensreich wirken können. (Oest. V.Fr.)
Rom . Der im letzten öffentlichen Conststorium von Sr. Heiligkeit mit demPurpur geschmückte Cardinal Morichini, als früherer Nuntius in München , auchin Deutschland sehr bekannt, hat von der ihm als Titel überwiesenen Kirche unddem Spitale von St. Spl'rito feierlichst Besitz genommen. Bekanntlich ist dieses Spitaldas größte der Welt, und da eS an diesem Tage, so weit der Zustand der KrankeneS irgend gestattete, ganz geöffnet war, so hatten wir Gelegenheit, dasselbe in seinenei»nil»en Theilen näher kennen zu lernen und seine Großartigkeit zu bewundernMan hat wirklich eine kleine Reise zu machen, um dort zu Ende zu kommen; einSaal reiht sich an den andern; immer wieder eröffnet die Thür den Anblick eineSneuen, und hat man an der einen Seite auch die Apotheke, die Badezimmer u. s. w.durchwandert, so beginnt an der gegenüberliegenden Seite der Straße die Sache vonNeuem in nicht minder großartiger Anlage. Dazu hat man nicht eine, sondern drei,oft vier Reihen von Betten auf beiden Seiten in den Sälen vor einander gesetzt undso findet man sich fast in einer Stadt von Kranken, und zwar, wie in Rom nicht andersseyn kann , aus vielen verschiedenen Nationen. Der deutsche Pönitentiär von St. Peter,den wir an dem Bette eines deutschen Kranken trafen, erzählte unS später, wie ersich vor längerer Zeit auch einmal am Lager eines Deutschen befunden hätte, alsganz plötzlich und unerwartet Se. Heiligkeit Papst Pius IX. vorgefahren sey, umsich von dem Zustande deS HsspitalS zu überzeugen. Der heilige Vater habe sichdabei auch dem Bette des Deutschen genähert und sich mit der ihm eigenthümlichenFreundlichkeit und Herablassung nach den Umständen dieses Kranken näher erkuridigt.Als der Papst hörte, daß derselbe ein deutscher Pilger und in Folge der Anstren-gungen der großen Reise auf daS Krankenlager niedergeworfen sey, suchte er ihnselbst zu trösten, versicherte ihm, daß der liebe Gott, zu dessen Ehre er die Müh-seligkeiten und Beschwerden einer bedeutenden Reise getragen habe, um die Gräber«
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