Ausgabe 
12 (8.8.1852) 32
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der Apostel zu besuchen, ihn gewiß nicht verlassen und ihm zur Rückreise in seinVaterland neue Kraft geben werde, er möge deßhalb den Muth nicht sinken lassenund lebendig auf ihn vertrauen. An diese Ermahnung schloß der heilige Vater dieBenediction und zog dann auö der Tasche seines weißen Talars einen römischen Scudohervor, den er dem Kranken überreichte. Niemals wirkte in St. Spirito eine Medizinso stark als dieser Besuch PiuS IX . Kein Mensch war glücklicher, als der deutschePilger; vom sichtbaren Stellvertreter Christi an seinem Krankenlager besucht und sobegnadigt zu sey», das war ein Glück, worin er sich nickt zu finden vermochte; denScudo, so versicherte er, den er aus der Hand des heiligen VaterS selbst empfangenhabe, würde kein Mensch in der Welt ihm mit Hunderten bezahlen können; er warbald wieder gesund. Was übrigens das Spital selbst betrifft, so hat eS sich vondem Scklage, den es von den Republikanern durch Verjaguug der Religiösen, welcheden Krankendienst besorgten, erlitt, noch nicht ganz erholt, indem noch immer dieMehrzahl der Krankendiener dem Laienstande angehört. Welch' ein Contrast darinliegt, daß im Mittelpuncte der katholischen Welt und in dem größten Hospitale desChristenthums Weltleute für den Lohn der Welt, für Geld die K»anken verpflegen,daS sieht jeder, und daß darin der Grund zu vielen Klagen liegt, wird Niemandauffallend finden, der die Dienste kennt, die in Hospitälern geleistet werden müssen.Um so erfreulicher ist es daher, daß der heilige Vater der Stiftung jetzt einen sorüstigen Präfecten gegeben hat, und es steht zu erwarten, daß der Cardinal MorichinieS als seine besondere Aufgabe betrachten wird, den durch die republikaniscken Un-ruhen eingerissenen Uebelständen für die Zukunft vorzubeugen. (M. S.-Bl.')HuftM .t'.ttil, ' hijNNülh' schMfjhyk .",> /!,.!.'77: ->"^> tt»

Klausen.

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Die Tiroler Z. berichtet über die Profeßablegung des P. Bonaventura (Frhrn.v. Ketteler) am 27. Juli:Zuerst erschienen im Presbyterium die Verwandten des hochw.Bischofs, edle Herren und Grafen, zarte Jünglinge und Männer, Rittern der Vorzeit anGestalt und Haltung gleich, und knieten in den Betstühlen nieder. Andere namhafte Gästewaren der Krcispräsident und zwei Kanoniker von Briren. Es kam der Bischof von Mainz ,Alle überragend, mit seinem Ceremonaire, dem jungen Grafen von Galen; hinter ihnenMönche in Levitenlracht, der eine von ihnen P. Bonaventura. Im Chor waren die Musi-kanten und Sänger, unter ihnen viele edle Damen und Jungfrauen, voll Eifer, Gott mitihren lieblicken Stimmen zu loben. Der hochw. Bisckof sah unbeschreiblich ernst, fast weh-müthig aüS und so durchdrungen von der Gewalt mächtiger Gefühle, daß Freud wie Leiderschien. P. Bonaventura dagegen trug das Haupt sröhlich erhoben, die Augen blicktenklar und Alles übersehend; sein AnSdruck war wie Eines, der in Gefahr und ernstemWagspiel gewohnt ist, Herz und Miene in strenger Hut zu halten, so daß er nickt dieHauptperson, sondern nur ein unbefangener Zuschauer schien. Mit kindlicher Aufmerksam-keit beachtete er jede Bewegung seines erhabenen Bruders, und half ihm die Meßgewanbcanlegen. Es war ein wunderbarer Contrast: der Bischof, von gewaltigen Empfindungentief innerst erregt, so daß er betend beinahe einem Sterbenden glich, und die fröhliche Leich-tigkeit und anscheinende Ruhe deS Andern, der AlleS überschaute, und mit Zeichen undWinken das Nöthige ordnen half. Der hochw. Bischof sang, auf den Thron sich niederlas-send, das psx vobis, ertheilte dann vom Altare auS den sacramenlalischen Segen, und be-gann das hei!. Meßopfer. Das Evangelium saug der P. Bonaventura, so laut er irgendkonnte, während draußen die Pöller krachten. Nach dem Amt fand die Profeß statt,welche er vor dem Erprovinzial, P. JgnatiuS, ablegte. Darnach näherte er sich dem Sitze,auf welchem der hochw. Bischof in vollem Ornate thronte, und drückte »iederknieend einenlangen Kuß auf die theure, mit dem Kreuz bezeichnete und mit Handschuhen bekleidetebrüderlicke Rechte. Die dann folgende Predigt des Bischofs begann mit den Worten desMagnificatS:Der Herr hat Großes an mir gethan." Man sah und hörte einen durchChristum wicdergebornen Mann, der in der ganzen Macht göttlicher Gnade mit natür-licher Hoheit nnd Anmuth wieder gab, was sein edles Herz durchströmte und bewegte."

Verantwortlicher Redacteur! L. Schöucheu

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