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verlieren möchten. — WaS nun die Predigten der Missionäre selbst betrifft, so habensie bei dem Theil der Bewohner Miltenbergs, denen der gesunde Verstand noch nichtvöllig davon gegangen, ihre Wirkung nicht verfehlt; nur da, wo mit dem Glaubenjede Sittlichkeit verschwunden war, mag'S anders ausschauen. Selbst die großenAnstrengungen demokratischer Auösendlinge, die Bauersleute vom Besuch der Missionabzuhalten, verfehlten total ihren Zweck, und die Kirche, welche nahe an 6000 Zu-hörer saßt, war, wenn nicht überfüllt, doch regelmäßig stark besetzt, während beibesondern Anlässen mindestens über 8000 Menschen zusammengeströmt waren. Beiden Predigten im Freien umgaben sicher 10,000 Zuhörer den Prediger in aufmerk-samer und lautloser Stille. Hierbei ist jedoch überdies; noch zu erwägen, daß dieErntezeit vom 25. Juli bis 8. August ganz natürlich die Bewohner der Umgegendsehr zurückhielt. Bei so großen Volksversammlungen ist'S allerdings begreiflich, daß,wie im Nürnberger Kurier spöttisch vorgebracht wird, auch die Wirthe bei dergroßen Hitze reichlichen Zuspruch hatten; aber von jenem unsittlichen Betragen undunziemenven Lärm, wie die Demokratie mit sich führte, hat man dabei auch nichtdas Geringste verspürt, gewiß also, daß keine „theatralischen Vorstellungen" nach Artder Bursche in der Turnjacke den gesunden Verstand erhitzten oder gar aus demHäusel brachten, sondern daß nur begeisterte Vorträge die Finsterniß des Unglaubensmit dem Lichte der Wahrheit verscheuchten, mit ihrer belebenden Kraft sich lange ent-fremdete Herzen ergriffen und zur bleibenden Freundschaft versöhnten, und cntfrem-veteS Gut dem Besitzer zurückführten. Wohl haben die radicalen Feinde der Ordnungund aller Religion jeden Tag neue Aufhetzereien gegen die Jesuiten und ihre Vor-träge in Schwung zu bringen gesucht; allein das mit jeder weitern Predigt steigendeInteresse schob all' die ausgesäeten künstlichen Besorgnisse bei Seite und zog denschlichten Bürger wie den Gebildeten zu dem Predigtstuhle der Jesuiten hin, wo siedann gänzlich über die ausgestreuten Verleumdungen enttäuscht wurden. Eine Aus-nahme hiervon haben freilich auch die Frauen der hiesigen gespreizten Demokratenmachen müssen, da sie sammt ihren Dienstboten durch ein absolutes Verbot amBesuch der Predigten verhindert wurden. So machen'S aber diese demokratischenHelden! während sie über jedes Gesetz als Tyrannei, Gewissenszwang u. s. w. los-schlagen, verbieten sie sogar ihren Frauen und Untergebenen, ihren religiösen Bedürf-nissen nachzugehen! Wahrscheinlich haben selbige Demokraten „vom reinsten Wasser"befürchtet, bei den Missionen würde den Frauen und den Dienstboten der jämmerlicheZustand des religiösen und sittlichen Bankerotts ihrer Männer und Dienstherren völligklar werden, — eine Furcht, die allerdings nicht ohne Grund gewesen seyn mag."
Bamberg , 1. Sept. Die ersten Franciscaner sind ungefähr im Jahre 1223ans 24 in Bamberg erschienen und sollen an der Stelle des Siechhauses oder in dem-selben, was an der Straße nach Hallstadt bis 1803 war, gewohnt haben. 1311wurden sie in den Besitz deS Gebäudes und der Kirche der Tempelherren , die 1311erloschen sind, eingesetzt und blieben bis 1804, wo die Aufhebung stattfand. Am29. September 180k mußten sie schnell für Militär zwecke daS Kloster räumen,in die Kirche kam das Heumagazin, die dann 1812 ganz niedergerissen wurde. Inden Jahren 1827, 1838, 1845 und 1846 wurden bereits Schritte zur Reorgani-sation deS Klosters gethan, jedoch fruchtlos. Erst, nachdem durch Wohlthäter dienöthigen Localitäten durch Ankauf eines alten CanonicathauseS (Wohnung deS Cano-nicus Stöhr) zur Verfügung standen, wurde endlich am 2. April 1852 von SeinerMajestät dem König Mar II. die Urkunde unterzeichnet, am 4. Mai daS Kloster durchden Pater Provincial Franciscus (Fritsch) eröffnet und nach fast fünfzig Jahrenstand wieder ein Franciscaner, der Quardian Pater Aemilian (Paulus) auf der Kanzelder St. JakovSkirche, um dem zahlreich versammelten Auditorium in begeisterter Rede