Ausgabe 
12 (19.9.1852) 38
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297
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Zwölfter Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

zur

Augsburger Pojtzeitung.

79. September S8. 185S.

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Die Erzherzogin Maria von Steiermark,

Mutter Kaiser Ferdinand des Zweiten.

Rede deS HofrathS und ReichShistoriographen vr. Friedrich Hurter ,gehalten in der P lenarversammlung des Wiener Central-Severi-nusvereineS am 30. August 1852. *)

II.

Vereinigen sich die einzelnen Züge, die hinsichtlich der Beziehungen der Erzher-zogin Maria zu ihrem Gemahl sich erhallen haben, zu einem höchst anziehenden Bildeder Gemahlin, so wird ich bin dessen auf'ö vollkommenste versichert die MutlerSie nicht minder, ja, ich getraue mir im Voraus zu sagen, noch mehr ansprechenals jene. Vereinigt doch ohnedem daS Wort Mutter in dem unermeßlichen Reich-thume seines VollgehalteS alles Fürsorgliche, Liebliche, Zarte, Anmuthige, Frucht-bare, Edle, und gewiß nicht minder alles Tiefe, Hohe und Ernste in solchem Maaße,daß selbst die Kirche unserer Verehrung und unserer Zuversicht nichts Höheres ent-gegen zu bringen gewußt hat, als die Mutter der reinsten Liebe. Es wäre jedochVermessenheit, die Mutter Weniger, und wäre sie auch in jeglicher Beziehung dasvollendetste Ideal einer solchen, der Mutter deS Einzigen, durch Ihn aber Aller, andie Seite stellen zu wollen; das jedoch dürfen wir als unbestreitbare Wahrheitannehmen, daß in dem Maaße, in welchem die irdische Mutter jene Mutter allerGläubigen fortwährend als die ihrige ehrt, dieselbe auch die getreueste Mutter dereigenen leiblichen Kinder seyn werde. Von diesem Standpuncte haben wir die Erz-herzogin Maria zu betrachten und zu beurtheilen; von diesem Standpuncte werden wirbewältigt werden, ihr, als der Stammmutter unseres Regentenhauses unsere Anerken-nung und unsere Verehrung mit der freudigsten Ueberzeugung darbringen zu müssen.

ES ist eine natürliche, deßhalb keinem ernsten Tadel unterliegende Regung,wenn Eltern bei der nahen und gewissen Aussicht auf LeibeSerben in Betreff deSGeschlechtes einem leisen und bescheidenen Wunsche sich hingeben. Derselbe ist beiRegenten um so gerechtfertigter, weil er mit demjenigen gesicherter Fortdauer deSStammes zusammenfällt. Selbst hierüber sehen wir Maria durch ihre erleuchtetechristliche Gesinnung emporgehoben.Bezüglich deS Geschlechtes, welches sie zur Weltbringen werde, schrieb sie einst dem Bruder, hege sie keine Wünsche, dessenlasse sie in aller Hingebung Gott walten; sie beschränke sich einzig auf die Bitte,daß das, was Gott ihr schenken wolle, gesund, aller Mängel frei seyn möge, Gott eS zu Seiner Ehre und zum Heile der eigenen Seele heranwachsen lasse." So einanderes Mal:Der liebe Gott schick eS mit Gnaden, daß es etwas Rechtes sey.-Dieselbe Gesinnung war auch der Quell ihres Trostes und ihrer Gottergebenheit bei

') S. Nr. I. in Nr. SS ». 33 d. Bl.